Montag , 28. September 2020
Berliner Feuerwehrleute im Einsatz. (Archivfoto)

“Bespuckt, beleidigt, bedroht”: Traurige Statistik erfasst Angriffe auf Berliner Feuerwehr

Neben Polizisten sind auch Feuerwehrleute bei ihrer täglichen Arbeit Anfeindungen ausgesetzt. Eine neu eingeführte Statistik der Berliner Feuerwehr zeigt: Die Zahl der Übergriffe auf Rettungskräfte ist signifikant.

Berlin. Die Berliner Feuerwehr hat im vergangenen Jahr 211 Übergriffe gegen ihre Leute gezählt. 35 Feuerwehrleute wurden dabei verletzt. 2019 sei zum ersten Mal eine derartige Statistik geführt worden, sagte Feuerwehrchef Karsten Homrighausen am Montag bei der Vorstellung der Einsatzbilanz des vergangenen Jahres. „Es kann nicht sein, dass wir bespuckt, beleidigt und bedroht werden.“

Aus den 211 Übergriffen gingen laut der Statistik 100 Strafanzeigen bei der Polizei hervor. Bislang gebe es dazu 15 bis 20 konkrete juristische Verfahren. Allein 23 Übergriffe geschahen an Silvester. Als mögliche Gründe nannte Homrighausen eine Enthemmung etwa durch Alkohol und die Anonymität der Großstadt.

Übergriffe geschehen in ganz Deutschland

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte, er sei erschüttert. „Das ist in keiner Weise zu entschuldigen.“ Diese Übergriffe gebe es leider in allen Bundesländern, wie seine Amtskollegen berichten würden. „Dagegen muss der Staat mit aller Kraft und Härte vorgehen.“

Die Zahl der Krankenwagenfahrten, Rettungs- und Löscheinsätze der Berliner Feuerwehr stieg im vergangenen Jahr weiter. Insgesamt waren es 478 281 Einsätze, rund 14.000 oder 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Nur bei einem Bruchteil der Alarmierungen ging es um Brände (6688). Die meisten Einsätze geschahen wegen verletzter Menschen durch Unfälle oder sonstiger Krankheitsfälle, zu denen Sanitäter und Notärzte fahren.

Seit 2009 steigen die Einsatzzahlen bei der Feuerwehr Jahr für Jahr an. Vor allem, weil die Stadt wächst und immer häufiger Sanitäter und Notärzte gerufen werden. Viele dieser Einsätze sind nach der langjährigen Einschätzung der Feuerwehr aber nicht nötig, weil es sich um leichte Verletzungen oder Krankheiten handelt. Damit könnten die Menschen etwa am Wochenende auch zu einem Bereitschaftsarzt gehen, statt sich von den Rettungswagen der Feuerwehr ins Krankenhaus fahren zu lassen.

RND/dpa