Donnerstag , 1. Oktober 2020
Eine Schülerin bekam den Job als Aushilfe in einem Supermarkt nicht. Der Grund: Sie weigerte sich, ihr Kopftuch abzulegen. (Archivbild)

Weil sie ein Kopftuch trägt: Schülerin als Supermarktaushilfe abgelehnt

Eigentlich wollte eine 16-Jährige aus Hamburg in einer Edeka-Filiale als Aushilfe während der Sommerferien arbeiten. Doch die Schülerin bekam den Job nicht. Der Grund: Sie weigerte sich, ihr Kopftuch abzulegen. In einem emotionalen Instagram-Video schildert die junge Frau das Erlebnis.

In einem Supermarkt verdienen sich viele Schüler während der Ferien etwas zum Taschengeld dazu. Auch eine 16-Jährige aus Hamburg wollte während ihrer Schulferien als Aushilfe in einer Edeka-Filiale arbeiten. Doch bereits der Probetag wurde für die junge Frau zum Albtraum. Der Grund: Der Filialleiter weigerte sich, sie einzustellen, weil sie ein Kopftuch trägt.

Es ist ein Video, das betroffen macht: Sichtlich geschockt und weinend schildert die Schülerin den Vorfall bei Instagram. Eigentlich poste sie gar nicht so viel auf der Social-Media-Plattform, erklärt sie – doch über das, was ihr an ihrem Probetag in dem Supermarkt widerfahren sei, wolle sie sprechen.

Während des Probetages in der Hamburger Edeka-Filiale soll der Filialleiter Folgendes gesagt haben: “Du setzt dein Kopftuch ab oder du kannst hier nicht arbeiten.” Das Kopftuch abzulegen kam für die 16-Jährige nicht infrage. Die Reaktion des Vorgesetzten: “Ja, dann ist das geklärt!” Die Konsequenz folgte auf dem Fuße: Das Mädchen bekam den Job nicht.

“Wir dachten, das wäre ein Scherz”, schildert die Schülerin in dem knapp 14-minütigen Video. Sie und ihre beiden Freundinnen, die ebenfalls für ein Probearbeiten in der Filiale erschienen waren, konnten es nicht fassen. Der Filialleiter soll sich weder ihr Zeugnis noch ihren Lebenslauf angesehen haben. Auch, dass die junge Frau die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, soll ihn nicht interessiert haben.

“Realitätsklatsche, dass Rassismus in Deutschland existiert”

Hänseleien wegen ihres Kopftuches sei die Schülerin gewohnt, doch diese Form der Diskriminierung löste in ihr einen großen Schock aus: “Das war eine Realitätsklatsche, dass Rassismus in Deutschland existiert!”, erklärt sie in dem Video.

Gemeinsam mit ihren Freundinnen verließ die junge Frau, die sich bei Instagram mxriam.jbg nennt, die Filiale. Auch die beiden anderen Schülerinnen wollten unter diesen Umständen nicht mehr für den Supermarkt arbeiten. Das Instagram-Video nimmt die junge Muslimin noch am selben Tag auf: “Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich mit 16 Jahren als Schülerin von einem Geschäftsführer so dreckig fertiggemacht werde, weil ich ein Kopftuch trage”, erklärt die schockierte Frau.

Mehr als 1,3 Millionen Mal wurde das Video der Schülerin in den vergangenen drei Tagen angeklickt – in den Kommentaren häufen sich bestärkende Worte, die sich klar gegen Rassismus stellen.

Wie RTL berichtet, haben sich die Verantwortlichen von Edeka inzwischen bei dem Mädchen entschuldigt. Ihr soll ein Vorstellungsgespräch in einer anderen Filiale sowie ein klärendes Gespräch mit dem Filialleiter angeboten worden sein: “Wir bedauern den Vorfall sehr. Daher haben wir uns öffentlich bei ihr entschuldigt und haben über Instagram Kontakt zu ihr aufgenommen”, heißt es in dem Statement der Supermarktkette auf RTL-Nachfrage. “Wir lehnen jede Form der Diskriminierung entschieden ab, denn Edeka steht für Vielfalt – für uns und unsere Mitarbeiter zählt nicht die Herkunft, sondern unternehmerisches Engagement und gelebte soziale Kompetenz.”

RND/liz