Dienstag , 29. September 2020
Ein Stand-Up-Paddler auf dem Mundsburger Kanal in Hamburg. Quelle: imago images/Manngold

Stand-Up-Paddling: Die “mit Abstand” beste Idee des Sommers

Individuell, gesund und an der frischen Luft: Stand-Up-Paddling scheint wie für die Corona-Zeit geschaffen. Der Wassersport erfreut sich in der Krise zunehmender Beliebtheit. Auch Verleiher, Shops und Hersteller der Boards berichten von einer ungewöhnlich gestiegenen Nachfrage.

Wegen der Corona-Krise verbringen viele Menschen ihren Urlaub in diesem Jahr zu Hause – auf abwechslungsreichen Wassersport muss deshalb allerdings niemand verzichten. Die Lösung heißt: Stand-Up-Paddling (SUP) oder auch Stehpaddeln. Mit einem langen Paddel in der Hand gleitet man dabei auf einem schwimmenden Board übers Wasser, etwa auf Flüssen, Kanälen oder dem Badesee vor der eigenen Haustür. Der Individualsport erfreut sich seit Jahren steigender Beliebtheit – während Corona wird er zum perfekten Begleiter des Sommers.

“Die Leute halten automatisch Abstand”

“Stand-Up-Paddling ist gesund, und man ist die ganze Zeit an der frischen Luft”, schwärmt Christoph Mantz, selbst überzeugter Paddler und Vorstandsmitglied der German Stand Up Paddle Organisation (GSUPA), einem Verband, der sich dafür einsetzt, den Wassersport in die breite Gesellschaft zu tragen. Die Vorteile liegen auf der Hand: “SUP hat eine geringe Einstiegshürde”, weiß Mantz, das Stehpaddeln schließe niemanden aus.

Eine Ansteckungsgefahr sei bei dem Sport fast nicht gegeben, da die Leute automatisch Abstand halten. Und förderlich für die Fitness und Gesundheit sei das Stehpaddeln obendrein: “Wer paddelt, kriegt den Kopf frei und wird nicht stark strapaziert, obwohl sogar die Tiefenmuskulatur arbeitet. Es fühlt sich an wie spazieren gehen, hat aber einen Kalorienverbrauch wie beim Joggen.”

Eine E-Mail ans Land Schleswig-Holstein bringt die Öffnung

Der Unternehmer Mantz betreibt zwei SUP-Stationen in Flensburg und Kappeln, eine weitere auf Sri Lanka. Im Normalfall hat er Leihangebote, Kurse und gemeinsame Touren im Angebot, auch ein Label für Boards und Mode zählt der 47-Jährige sein Eigen. Die Corona-Krise hat jedoch auch Mantz und seine Kollegen kalt erwischt: Fast den gesamten April über hatten die SUP-Stationen an der Ostsee zu. “In der ersten Phase der Lockerungen durften die Boards dann nur verliehen werden”, berichtet Mantz, Einzeltrainings seien zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich gewesen.

Als Mitglied des GSUPA blieb der Marketingwirt jedoch nicht untätig und schrieb kurzerhand eine E-Mail ans Land Schleswig-Holstein mit der Bitte um Wiedereröffnung seines Betriebs – mit Erfolg. “Wir haben relativ schnell grünes Licht für die Aufnahme der Einzeltrainings erhalten. Zum Glück ist das SUP eine kontaktarme Sportart, es muss einfach nur der Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt sein. Außerdem werden die Boards vor und nach der Benutzung desinfiziert.” Auch das reinigende Salzwasser an seinem Ostseestandort habe sicher sein Übriges dazu beigetragen, sagt Mantz und lacht.

Durch den Lockdown sei ihm ein fünfstelliges finanzielles Loch entstanden, das erst noch gestopft werden müsse. Angesichts des Sommers blickt er aber optimistisch in die Zukunft. Sowohl die Anzahl der Kursteilnehmer auf der Ostsee als auch die Absatzzahlen seines Onlineshops seien zuletzt exponentiell gestiegen. Vor einem Laden in Kappeln, mit dem Mantz zusammenarbeitet, hätten die Leute zeitweise sogar Schlange gestanden.

Nachfrage exponentiell gestiegen

Auch in anderen Bereichen der Branche geht es aufwärts. Der österreichisch-deutsche Markenboard-Hersteller Fanatic etwa berichtet von 10 bis 15 Prozent höheren Verkaufszahlen der Bretter gegenüber 2019 – und einer weiterhin sehr starken Nachfrage. Es sei schön zu sehen, dass immer mehr Menschen etwas für die eigene Gesundheit und Umwelt tun, teilt das Unternehmen auf RND-Anfrage mit. Neben der Corona-Krise habe aber sicherlich auch das gute Wetter im Frühjahr seinen Teil zu der erhöhten Nachfrage beigetragen. Eine Feststellung, die auch Mantz bestätigt: “Unser größeres Problem als SUP-Verleiher ist das Wetter. Ostern kam für uns noch zu früh, aber die schönen Pfingsttage haben sehr geholfen.”

Das Interesse ist auch im Hamburger Verkaufsladen SUP-Way spürbar. Momentan hat man für den regulären Publikumsverkehr noch geschlossen, der Showroom wurde “aufgrund der großen Nachfrage” jedoch bereits ab 11. Mai wieder für Einzelkunden geöffnet, wie es auf der Shopwebsite heißt. Verkaufs- und Beratungstermine würden individuell per Telefon vereinbart, erzählt Haris Khawaja, zuständig für E-Commerce. “Da wir unsere Waren auch online verkaufen, sind wir aktuell ganz gut ausgelastet. Es würde einfach zu viel Zeit kosten mit der Kundschaft im Laden, da wir alles ständig neu desinfizieren und kontrollieren müssten.”

Den Kauf eines Stand-Up-Paddle-Boards in der aktuellen Lage hält auch er für eine kluge Entscheidung. Auch wenn noch nicht viel geöffnet habe, könne man doch jederzeit aufs Wasser. “Es ist eine super Alternative, um den Sicherheitsabstand einzuhalten.” Das eigentliche Sommergeschäft stehe im Übrigen erst noch bevor.

Auch “Berufsoptimist” Christoph Mantz sieht das ähnlich: Wer sich für seine Branche entschieden habe, der müsse jetzt einfach positiv gestimmt sein. Sieht ganz so aus, als gäbe ihm der Trend recht.

Von Maximilian Arnhold/RND