Dienstag , 29. September 2020
Die Schüsse auf eine schwarze Krankenschwester in Ausbildung haben die USA erschüttert. Nun wird der Polizist, der im März die Schüsse auf die 26-Jährige abgegeben hatte, entlassen. Quelle: imago images/Pacific Press Agency

Nach tödlichen Schüssen auf Breonna Taylor: Polizist wird entlassen

Die Schüsse auf eine schwarze Krankenschwester in Ausbildung haben die USA erschüttert. Nach mehr als drei Monaten wird nun der Polizist entlassen, der die junge Frau in ihrer Wohnung erschoss. Er hatte im März zehn Schüsse auf die 26-Jährige abgegeben, von denen sie achtmal getroffen wurde.

Louisville. Einer der drei Polizisten im Todesfall der Afroamerikanerin Breonna Taylor wird entlassen. Der Bürgermeister von Louisville in Kentucky, Greg Fischer, teilte am Freitag mit, Interims-Polizeichef Robert Schroeder habe das Kündigungsverfahren eingeleitet. Gefeuert werden soll demnach der Polizist Brett H., der am 13. März zehn Schüsse in der Wohnung der 26-jährigen Schwarzen abfeuerte und sie achtmal traf.

Die drei Beamten drangen mit einem sogenannten No-Knock-Warrant wegen eines Drogenverdachts in ihre Wohnung ein. In mehreren US-Staaten ist es Polizisten unter Umständen richterlich gestattet, in Haus oder Wohnung von Verdächtigen einzudringen, ohne vorher anzuklopfen oder zu klingeln. Sie rufen in der Regel, dass sie da sind und brechen dann sofort die Tür auf. Bei Breonna Taylor wurden keine Drogen gefunden. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Zwei weitere Beamte wurden vorläufig versetzt

In einem Brief des Polizeichefs an H. hieß es, dieser habe „mutwillig und blind zehn Schüsse in die Wohnung abgefeuert“ und keine Beweise dafür gehabt, dass er die tödliche Gewalt gegen jemanden anwende, der eine unmittelbare Gefahr darstellt. „Tatsächlich gingen die zehn Schüsse, die Sie abfeuerten, in eine Terrassentür und ein Fenster, die mit Material bedeckt waren, das Ihnen völlig unmöglich machte, irgendeine Person als eine unmittelbare Gefahr auszumachen – oder noch wichtiger eine anwesende unschuldige Person“, hieß es in dem Brief. Die beiden anderen Beamten sind vorläufig versetzt worden.

Ein Anwalt von Taylors Familie, Sam Aguiar, nannte die angekündigte Entlassung lange überfällig. Der Polizist H. sei seit mehr als zwölf Jahren eine Plage für die Straßen von Louisville; er habe die Stadt schlimmer gemacht. H. müsse angeklagt werden.

Fall George Floyd hat Schicksal von Breonna Taylor aufgerüttelt

Der Stadtrat von Louisville ließ die sogenannten No-Knock-Warrants zuletzt verbieten. Auch die Polizei in Memphis teilte am Freitag mit, dass sie diese Praxis nicht mehr anwenden werde.

Neben dem Fall George Floyd hat das Schicksal von Breonna Taylor die US-Öffentlichkeit aufgerüttelt. Dass die Beamten auch in ihrem Fall zur Rechenschaft gezogen werden, ist auf vielen Demonstrationen gegen Rassismus gefordert worden. Vor wenigen Tagen schaltete sich Popstar Beyoncé ein und schrieb dem Generalstaatsanwalt von Kentucky, die drei Polizisten müssten vor Gericht gestellt werden.

RND/AP