Staatsanwalt Christian Wolters arbeitet seit zwei Jahren am Fall Maddie McCann. Quelle: Ole Spata/dpa

Fall Maddie: Bisherige Beweise reichen nicht für Anklage

Die Ermittler im Fall Maddie hoffen, dass der Verdächtige Christian B. seine gesamte Haftstrafe in Kiel absitzen muss – so hätten sie noch einige Monate, um weitere Beweise gegen ihn zu sammeln. Auch wenn sich Staatsanwalt Christian Wolters “sehr sicher” ist, den Täter gefunden zu haben, könnten die Ermittlungen eingestellt werden.

Zwei Jahre lang ermittelten sie im Geheimen gegen den vorbestraften Sexualstraftäter Christian B. Er soll am 3. Mai 2007 die damals dreijährige Madeleine McCann entführt und ermordet haben, “da sind wir uns sehr sicher”, sagte der Braunschweiger Staatsanwalt Christian Wolters nun “focus.de”. Allerdings würde der beweisgestützte Tatverdacht derzeit noch nicht für eine Anklage ausreichen, deshalb erhoffen sich die Ermittler Zeit.

Christian B. sitzt derzeit eine 21-monatige Haftstrafe wegen Drogendelikten in Kiel ab. Das letzte Drittel seiner Haft ist angebrochen, er stellte deshalb einen Antrag auf Haftentlassung. Damit rechnet Wolters aber nicht. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in der jetzigen Situation passiert”, sagte er. Für die Ermittler wäre es gut, würde B. bis Anfang 2021 im Gefängnis bleiben: Sie hätten noch einige Monate Zeit, weitere Beweise gegen den Mann zu finden und mit Zeugen zu sprechen.

“Ein Verdächtiger hier bei uns in Braunschweig? Da war ich echt platt”

Möglicherweise wird es sogar darüber hinaus noch einen Zeitpuffer geben. Wegen der Vergewaltigung einer 72 Jahre alten Amerikanerin in Portugal im Jahr 2005 wurde B. zu sieben Jahren Haft verurteilt – nach der Entlassung könnte er also direkt wieder ins Gefängnis kommen. Allerdings hat er Revision gegen das Urteil eingelegt.

Gegenüber dem “Focus” sagte Wolters, dass er den Medienrummel rund um den Fall Maddie unterschätzt habe. Ohnehin hätte er nie damit gerechnet, in diesen Fall jemals verwickelt zu werden. “Ein Verdächtiger hier bei uns in Braunschweig, Tausende Kilometer von Portugal entfernt, wo Maddie verwand? Da war ich echt platt”, sagte er. Dass in den vergangenen zwei Jahren nichts von den Recherchen an die Öffentlichkeit gelangt sei, mache ihn ein wenig stolz.

Ermittler wollten Identität von B. schützen – deshalb zeigten sie Fotos von seinen Autos

Weil Christian B. seinen letzten Wohnsitz in Braunschweig hatte, landete der Fall bei Wolters. Zuvor, im Oktober 2017, hatten sich Zeugen auf eine Ausstrahlung der ZDF-Sendung “Aktenzeichen xy ungelöst” gemeldet, der Verdacht fiel – wie schon bei Zeugenaussagen 2013 – auf Christian B.

Dessen Namen hatten die Ermittler vor rund zwei Wochen, als die Wende in dem Vermisstenfall bekannt wurde, nicht genannt, sondern nur Telefonnummern und Bilder von Autos und einem Haus gezeigt. Immerhin wisse man nicht, ob die Ermittlungen am Ende eingestellt würden, weil es nicht genügend Beweise gäbe, dann wäre der Mann stigmatisiert worden. Doch verschiedene Medien hatten die Identität schnell herausgefunden.

B. hatte offenbar Spaß daran, seine Opfer zu quälen

Wolters hat mehrfach betont, dass er davon überzeugt sei, dass B. Maddie entführt und ermordet habe. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass bei einer Hausdurchsuchung seiner portugiesischen Wohnung nebst Kinderpornografie auch Badeanzüge für kleine Mädchen gefunden wurden. “Je mehr Taten wir ihm nachweisen können, desto größer wäre die Wahrscheinlichkeit, dass er dauerhaft im Gefängnis bleiben muss”, sagte Wolters gegenüber “focus.de”.

Wolters gibt an, dass B., den er bisher nicht persönlich getroffen oder gesprochen hat, zwei Gesichter habe. Er würde als intelligent, höflich und charmant beschrieben, gleichzeitig wurde bei bisherigen Anklagen deutlich, dass der Mann offenbar Spaß daran habe, Menschen nicht nur zu missbrauchen, sondern auch, seine Opfer zu quälen. Wolters hofft, dass B. mit Sicherheitsverwahrung für immer weggesperrt wird.

RND/msk