Protest schafft Kunst: Künstler malen in bunten Lettern “Black Lives Matter” auf die Straße vor dem Dr. Carter G. Woodson African American Museum in St. Petersburg, Florida. Der 12-jährige Keedon Bryant aus Jacksonville, Florida, hat mit “I Just Wanna Live” ein Protestlied gesungen. (Symbolbild) Quelle: Dirk Shadd/Tampa Bay Times via Z

12-jähriger Schwarzer singt Protestlied – und bekommt Plattenvertrag

“Ich will nur leben”, singt der 12-jährige Keedon Bryant aus Florida in einem Protestlied für die Schwarzen Amerikas. Das Lied wird ein Interneterfolg, der Plattenriese Warner nimmt ihn passgenau zum 155. Jahrestag der Beendigung der Sklaverei unter Vertrag.

“Ich bin ein junger schwarzer Mann / und ich tue alles, was ich kann”, singt der 12-jährige Keedon Bryant in seinem nur eine Minute kurzen Video. Die Stimme ist gospelig kraftvoll, der Blick stolz. Die Botschaft ist klar: Er und seinesgleichen müssten fürchten, gejagt und zur Beute zu werden. Jung und schwarz in Amerika zu sein, das bedeute, Angst zu haben.

Keedon Bryants Song wurde zum Hit im Internet, wie der “Evening Standard” auf seiner Website berichtete. Jetzt hat Warner, eine der drei führenden Plattenfirmen der Welt, den blutjungen Sänger unter Vertrag genommen. Der Deal kommt passgenau zum Juneteenth oder Freedom Day. Am 19. Juni 1865, also heute vor 155 Jahren, endete die Sklaverei in den Vereinigten Staaten von Amerika. Damals wurde die Sklavenbefreiung in der texanischen Hafenstadt Galveston proklamiert.

“I Just Wanna Live” heißt das kurze, indes eindrucksvolle Protestlied von Bryant. “Ich will nur leben” heißt es darin und “Meine Leute wollen keinen Ärger”. Drei Millionen Sichtungen gab es dafür im Handumdrehen bei Instagram. Der frühere US-Präsident Barack Obama, die Oscar-Gewinnerin Lupita Nyong’o und der Basketballspieler LeBron James begeisterten sich bei Instagram für den Jungstar. Die Schauspielerin Eva Longoria schrieb: “Bitte, Gott, beschütze ihn. Und bitte, führe uns aus diesen unruhigen Wassern heraus.”

“Gott, beschütze mich”, singt auch Keedon. Geschrieben hat die Zeilen von “I Just Wanna Live” seine Mutter Johnetta Bryant. Dass der sterbende George Floyd in Minneapolis nach seiner Mutter gerufen habe, habe sie “wirklich tief getroffen”. Ihr Sohn Keedron nahm das Lied in seinem Zuhause in Jacksonville, Florida, auf. “Ich fühlte mich traurig, so etwas singen zu müssen”, sagte er der Website today.com, “denn es ist unfair, dass wir nicht einfach aus dem Haus gehen und – wie es der Song sagt – leben können.” Und bei Instagram schrieb Keedon: “Ich habe nur gesungen, was ich auf dem Herzen habe.”

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Von Matthias Halbig/RND