Juan Manuel Ballestero steht auf seinem Boot. Ballestero überquerte den Atlantik auf dem kleinen Segelboot getrieben von der Angst, seine in Argentinien lebenden Eltern aufgrund der Corona-Pandemie nicht wieder sehen zu können. Quelle: Vicente Robles/AP/dpa

Alle Flüge wegen Corona gestrichen: Argentinier segelt von Portugal nach Hause

Er will seine Eltern gern wieder sehen - doch wegen der Corona-Krise bekommt er keinen Flug von Portugal nach Argentinien. Also entscheidet sich der erfahrene Skipper Juan Manuel Ballestero, die Reise per Segelboot anzutreten.

Mar del Plata. Er wollte seine Eltern noch einmal sehen, doch wegen der grassierenden Corona-Pandemie waren alle Flüge gestrichen. Da setzte Juan Manuel Ballestero kurzentschlossen Segel und stach in See. Nach einer dreimonatigen Atlantiküberquerung in einem kleinen Segelboot von der portugiesischen Insel Porto Santo bei Madeira nach Argentinien erreichte der 47-Jährige den Badeort Mar del Plata, wie örtliche Medien am Donnerstag (Ortszeit) berichteten.

"Als das Coronavirus sich ausbreitete, starben in Europa 1000 Menschen am Tag und ich hatte Angst, meine Familie nie wieder zu sehen", sagte er der Zeitung "La Nación". Mit 90 und 82 Jahren gehören seine Eltern zur Risikogruppe. Weil es keine Flüge nach Argentinien mehr gab, entschied sich Ballestero dazu, mit seinem 8,80 Meter langen Segelboot "Skua" die Überfahrt zu wagen. Er kaufte für 200 Euro Proviant und nahm Kurs auf Argentinien.

Ballestero ist ein erfahrener Skipper

Ballestero ist ein erfahrener Skipper und hatte bereits 2011 einmal den Atlantik überquert, dennoch brachte die Fahrt ihn und vor allem sein Boot an die Grenzen. Mehrfach geriet er in heftige Stürme und die Außenhaut des Boots bekam Risse. "Das Wasser stand mir bis zum Bauchnabel", erzählte er.

Nach kurzen Zwischenstopps in Brasilien und Uruguay ist er nun im Hafen seiner Heimatstadt Mar del Plata vor Anker gegangen. Allerdings kann er seine Eltern Carlos und Nilda noch immer nicht in die Arme schließen - vorher muss er noch die zweiwöchige Quarantäne auf seinem Boot verbringen.

Wunsch nach Schnitzel auf seinem Boot

Ein Wunsch konnte nach einer Fahrt über 8000 Kilometer und 85 Tage auf hoher See allerdings nicht länger warten. "Schickt mir ein Schnitzel rüber", rief er seinen Freunden und Bekannten zu, die ihn an der Hafenmole erwarteten.

RND/dpa