Vorbild Thor, Sexist Hulk: Während der Halbgott aus Asgard (Chris Hemsworth) mustergültig den Oberkörper bedeckt, müsste sich der Hulk (Mark Ruffalo) auf sein unsolidarisches Streetwear ansprechen lassen – jedenfalls in den Großen Wallanlagen von Hamburg. Quelle: dpa

Plakate in Hamburg: Männer, lasst das T-Shirt an!

Plakate an den Eingängen der Großen Wallanlagen in Hamburg forderten Männer auf, ihren Oberkörper auch bei Hitze bekleidet zu lassen. Der Entblößungsverzicht sei ein Zeichen der Solidarität mit Frauen. Im Internet entbrannte im Nu eine Debatte über neue deutsche Spießigkeit, die Stadt tat kund, dass Layout und Logo nur für einen Gag missbraucht wurden.

Zieht ein Mann bei sommerlicher Hitze im Park sein T-Shirt aus, wird das so gut wie nicht bemerkt (außer es handelt sich um Chris Hemsworth). Tut das Gleiche eine Frau, herrscht Verwunderung im städtischen Grün. Geschlechtergerechtigkeit ist ein zähes Geschäft, viele Konventionen sind hart wie Beton. In den Großen Wallanlagen von Hamburg wurde jetzt ein Gleichmachversuch in Sachen textiler Oberkörpergestaltung unternommen. “T-Shirt bleibt an – alle haben Fun!” war an einigen der Parkeingänge zu lesen.

T-Shirt-Tragen als Zeichen von Respekt und Solidarität

Mit den blau-weiß gehaltenen Plakaten wurden männliche Parkbesucher aufgefordert, ihre Oberbekleidung doch bitte am Leib zu lassen und damit ein Zeichen der Solidarität zu senden. Denn es sei “Frauen und Personen anderen Geschlechts (z.B. divers) nicht möglich, sich oberkörperfrei an öffentlichen Orten aufzuhalten”. Mehr noch: “Das Weglassen der Oberbekleidung kann für diese Personen unangenehm bis gefährlich werden.”

Sollte Mann dennoch sein “Oberkörperfrei-Privileg” ausüben – weil er die Regelung vergessen hat – und von jemandem darauf angesprochen werden, hat das Plakat auch eine Lösung parat: “Bedanken Sie sich für den Hinweis und bedecken Sie möglichst schnell Ihren Oberkörper.” Zum Wunsch eines “tollen Aufenthalts” gesellt die Stadt Hamburg coronagerecht noch einen Distanzwink: “Bleiben Sie gesund!”

Im Internet: Debatte über Spießigkeit

Nur dass hinter dem Verhüllungsposter gar nicht die Stadt Hamburg steckt. Die Sache war ein Gag von unbekannt. Das stellte Senatssprecher Marcel Schweitzer am Dienstag bei Twitter klar, nachdem im Internet eine Diskussion über Moralapostelei, übertriebene Genderdebatte und neue hanseatische Spießigkeit geführt worden war.

“Das ist kein (!) Plakat der Stadt Hamburg”, schrieb Schweitzer. “Das Anliegen mag aus individuellem Blickwinkel berechtigt sein, rechtfertigt aber nicht das Vortäuschen offizieller Anordnungen. Hier werden das Layout und das Logo der Stadt widerrechtlich genutzt.” Die Netzdebatte ging trotzdem weiter. Inzwischen seien die Plakate wieder entfernt worden, hieß es seitens der Stadt.

Dass an den Großen Wallanlagen dennoch viele Männer mit textilbedeckten Oberkörpern gesichtet wurden, könnte an der jähen Verinnerlichung männlicherseits der von unbekannt angestifteten Parkgarderobenkampagne liegen. Oder aber daran, dass das Oberkörperfrei-Privileg nur von wenigen Männern als Verpflichtung gesehen und von manchen sogar als weniger angenehm empfunden wird. 26 Grad, wie sie derzeit (15 Uhr) in Hamburg herrschen, sind jedenfalls noch nicht für Jeder-Mann die Temperaturgrenze zur Selbstentblößung oben.

RND/big