Proteste gegen Rassismus in Stuttgart. Quelle: imago images/Arnulf Hettrich

In Stuttgart gab es kurz einen “George-Floyd-Platz” – jetzt gehört er wieder Bismarck

In Stuttgart werden über Nacht Straßenschilder dem durch Polizeigewalt getöteten Schwarzen George Floyd gewidmet – wer dahintersteckt, ist noch unklar. Inzwischen gehört der Platz wieder Otto von Bismarck – allein aus Orientierungsgründen, wie die Stadt betont.

Stuttgart. Stuttgart geht voran in Sachen Black Lives Matter – wenn auch nur für ganz kurze Zeit. Ein Platz im Westen der baden-württembergischen Hauptstadt ist über Nacht zum “George Floyd-Platz” geworden. So war es jedenfalls am Sonntag auf einer großen Erklärtafel zu lesen, auf der die Sanierung des Platzes bekannt gegeben wurde. Der Name des am 25. Mai durch einen gewalttätigen Polizeiübergriff in Minneapolis ums Leben gekommenen Afroamerikaners war überdies auch auf einem Straßenschild zu lesen.

Offiziell ist das nicht. Der Platz bleibt vorerst weiterhin dem Reichskanzler Otto von Bismarck (1815–1898) gewidmet. Die Stadt ließ die Überklebungen von der Polizei entfernen, wie die “Stuttgarter Nachrichten” berichteten. Das Material wurde sichergestellt. Seither müht sich das Ordnungsamt um Aufklärung der Ordnungswidrigkeit. “Unerlaubtes Plakatieren” lautet der Vorwurf.

Stadtsprecherin: “Straßennamen müssen lesbar sein”

Eine Sprecherin der Stadt begründete das auch. Das Entfernen der als Protest gegen Rassismus und rassistisch motivierte Polizeigewalt gedachten Schriftzüge habe überhaupt nichts mit deren Inhalt zu tun. Sondern mit der Wiederherstellung von Orientierung. „Straßennamen müssen lesbar sein, etwa wenn ein Rettungswagen kommt“, sagte die Sprecherin.

Die Organisatoren der Black-Lives-Matter-Demos, die am vergangenen Samstag ein “Gedenken an George Floyd” in Stuttgart veranstaltet hatten, erklärten gegenüber der Tageszeitung, von der Aktion nichts gewusst zu haben. Man wolle sich keinen Ärger einhandeln. Grundsätzlich würde es Sandra Salem vom Organisationsteam aber begrüßen, wenn auch in Deutschland Straßen und Plätze nach Opfern rassistischer Gewalt benannt würden: “Das würde daran erinnern, dass Rassismus auch hierzulande ein Problem ist.”

RND/big