Der Mann hat vor dem Berliner Landgericht rund 500 Fälle von sexuellem Missbrauch eingeräumt. (Symbolbild)

Stiefvater missbraucht Zwölfjährige 498-mal

Ein 45 Jahre alter Mann soll seine damals zwölfjährige Stieftochter rund 500 Mal sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Über Jahre verzögerte sich das Verfahren – die Taten fanden zwischen 2010 und 2012 statt. Der Mann gestand vor Gericht – damit beträgt seine Strafe maximal drei Jahre und neun Monate.

Berlin. Ein 45-jähriger Berliner soll seine Stieftochter hundertfach missbraucht haben. Rund acht Jahre nach Bekanntwerden der Vorwürfe hat der Mann vor dem Landgericht gestanden. Er sei damals von einer Liebesbeziehung ausgegangen, erklärte der Angeklagte zu Prozessbeginn am Montag. Für das, was er getan habe, bitte er um Entschuldigung. Die Anklage ging zunächst von 498 Taten aus. Einige Fälle wurden am ersten Verhandlungstag eingestellt, unter anderem wegen drohender Verjährung.

Das Mädchen war laut Anklage bei den ersten sexuellen Übergriffen zwölf Jahre alt. Kurz zuvor hätten sich seine Mutter und der Angeklagte nach rund fünfjähriger Ehe getrennt. Der Stiefvater habe auch nach seinem Auszug aus der häuslichen Gemeinschaft die Aufsichts- und Betreuungspflicht über das Kind weiter ausgeübt. In seiner Wohnung sei es zwischen Juli 2010 und Mai 2012 fast täglich zu Übergriffen gekommen. Mehrfach habe er Taten gefilmt, so die Anklage.

Jahrelange Verzögerungen - der Mann saß derweil nicht in Haft

Der nicht vorbestrafte Angeklagte erklärte weiter, er bedauere sein Verhalten zutiefst. Bereits im August 2012 habe er sich in eine Therapie begeben und diese bis Ende 2014 fortgesetzt. Er habe den Kontakt zu seiner Stieftochter bereits damals abgebrochen.

Das Gericht teilte mit, es sei zu rechtsstaatswidrigen Verzögerungen in dem Verfahren gekommen. Erst im Januar 2017 sei gegen den Mann, der sich zu keinem Zeitpunkt in Haft befand, Anklage erhoben worden. Wegen vorrangiger Haftsachen habe es dann weitere Jahre bis zur Hauptverhandlung gedauert. Die Richter stellten dem Angeklagten im Falle eines Geständnisses eine Haftstrafe von maximal drei Jahren und neun Monaten in Aussicht. Der Prozess wird am 18. Juni fortgesetzt.

RND/dpa