Montag , 28. September 2020
Ziel von Antirassismusdemos: Die Statue des Sklavenhändlers Robert Milligan in den Londoner Docklands. Protestierende in ganz Großbritannien verhüllten solche Denkmäler, beschmierten sie oder – etwa in Bristol – stürzten sie sogar. Gegendemonstranten versuchten, die Standbilder zu schützen. Dabei kam es am Denkmal für den 2017 getöteten Polizisten Keith Palmer in London zu einem “abscheulichen” Vorgang. Quelle: imago images/i Images

Mann uriniert neben Denkmal eines toten Polizisten: Haftstrafe

Großbritannien ist von einem Bild schockiert, auf dem ein 28-Jähriger neben dem Denkmal für den 2017 ermordeten Polizisten Keith Palmer uriniert. Der Mann aus Essex stellte sich der Polizei, gab an, mehr als sieben Liter Bier getrunken zu haben. In London wollte er Statuen von Sklavenhändlern schützen.

Ein Bild erregt Großbritannien: Ein Mann urinierte während eines gewalttätigen Protestzugs von vornehmlich extrem rechten Gruppen in London neben einem Denkmal für einen toten Polizisten, wie unter anderem “BBC News” und “The Independent” berichteten. Nachdem Aufnahmen des Vorfalls in den sozialen Medien die Runde gemacht hatten, wurde der 28-Jährige bei einer Polizeistation vorstellig.

Denkmal für den Polizisten der “Westminster Attack”

Der Mann wurde unter dem Verdacht der Erregung öffentlichen Ärgernisses festgenommen. Laut “Independent” wurde er noch am Montag ins Gefängnis verbracht. Vor Gericht hatte er angegeben, von Freitagabend bis Samstagmorgen 16 Pints Bier (etwa 7,5 Liter) getrunken und keinen Schlaf gehabt zu haben.

Das entwürdigte Denkmal erinnert an Police Commander Keith Palmer, der am 22. März 2017 bei der “Westminster Attack” in der Nähe des Parlaments in London ums Leben kam. Der islamistische Attentäter Khalid Masood steuerte damals ein Auto mit bis zu 76 Stundenkilometern über den Fußgängerweg der Westminster Bridge. Palmer, der zwar eine Sicherheitsweste trug, aber unbewaffnet war, wurde von dem Angreifer niedergestochen und starb an den Verletzungen. Insgesamt starben sechs Menschen, einschließlich des Attentäters, mehr als 50 Personen wurden verletzt.

Der Wildpinkler kam nach London, um Denkmäler zu bewahren

Parlamentsmitglied Tobias Ellwood, der bei dem sterbenden Keith Palmer erste Hilfe geleistet hatte, nannte das Bild des urinierenden Mannes “verabscheuungswürdig”. Das Denkmal wurde an den Kutschpforten am Westminster Palace errichtet, wo Palmer angegriffen worden war.

Staatsanwalt Michael Mallon erklärte im “Independent”, dass Banks als Anhänger der Fußballmannschaft Tottenham Hotspurs nach London gekommen war – ausgerechnet “um Statuen zu schützen”. In England war es im Gefolge von Protesten gegen Rassismus und schwarze Polizeigewalt wiederholt zu Angriffen auf Statuen von historischen Persönlichkeiten gekommen, die mit der Geschichte des Sklavenhandels in Zusammenhang stehen. Rechte Gruppen sahen sich bemüßigt, solche Denkmalstürze zu verhindern.

RND/big