Sonntag , 20. September 2020
Die Fahne der Gleichheit: Der Regenbogenfahne (hier während des Umzugs zum Christopher Street Day in Berlin) ist das Banner der LGBTQ-Bewegung. Weil die ägyptische Aktivistin Sarah Hijazi die Fahne bei einem Konzert in Kairo schwenkte, wurde sie 2017 festgenommen. Jetzt nahm sie sich im kanadischen Exil das Leben. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

Trauer um ägyptische LGBTQ-Aktivistin Sarah Hijazi

Sarah Hijazi schwenkte beim Konzert der Band Mashrou’ Leila in Kairo eine Regenbogenflagge. Daraufhin wurde sie verhaftet und im Gefängnis misshandelt – angeblich auf Anweisung der Polizei. Im Exilland Kanada nahm sich die LGBTQ-Aktivistin jetzt im Alter von nur 30 Jahren das Leben.

Sarah Hijazi schwenkte die Regenbogenfahne: eine glückliche lesbische Frau in einem glücklichen Moment bei einem Konzert der libanesischen Band Mashrou’ Leila in Kairo. Für dieses Flaggezeigen wurde die LGBTQ-Aktivistin im Oktober 2017 verhaftet und ins Gefängnis verbracht – wegen der “Förderung von Homosexualität und sexueller Abweichung”.

Mithäftlinge wurden zu Misshandlungen angestachelt

Sie war eine von mindestens 75 Personen, die damals hinter Gitter kamen, wie die Egyptian Initiative for People Rights weiß. Jetzt starb Hijazi, erst 30-jährig, in Kanada, sie nahm sich das Leben. Und durch die sozialen Medien wandert, so das deutsche Schwulenmagazin “Mannschaft”, eine handschriftliche Notiz, die ihr zugeschrieben wird: “An meine Brüder. Ich habe versucht zu überleben und bin gescheitert, vergebt mir. An meine Freunde … Die Erfahrung ist grausam, und ich bin zu schwach, um mich gegen sie zu wehren, vergebt mir.”

Seit Hijazi im Januar 2018 aus der Haft entlassen worden war, lebte sie in Kanada. Vor Gericht hatte sie der Staatsanwalt beschuldigt, einer verbotenen Gruppe anzugehören, die “abweichendes Denken” propagiere. Sie bestritt die Vorwürfe, bezeichnete ihr Flaggezeigen als Solidaritätsbekundung. Hijazi wurde inhaftiert, von Mithäftlingen drangsaliert. Später bekundete sie, die Polizei habe ihre Haftgenossen zu Misshandlungen angestachelt.

Die in Beirut gegründete Band Mashrou’ Leila gehört im Nahen Osten zu den Rock-Superstars. Sänger Hamed Sinno gilt aufgrund seiner Stimmgewalt und der offen gelebten Homosexualität als “Freddie Mercury des Ostens”.

Die Band hatte damals zu internationaler Solidarität mit der ägyptischen LGBTQ-Community aufgerufen. Die Musiker sagten damals, sie bedauerten es, dass ihre Arbeit als Sündenbock für eine weitere Repressionsmaßnahme der Regierung benutzt werde.

Der sogenannte “Rainbow Flag Case” war nicht die erste Verfolgung Schwuler in Ägypten. Der berühmteste Fall waren die “Queen Boat Trials” 2001. Er war auch unter dem Namen “Cairo 52” bekannt, da 52 Männer im Zusammenhang mit einer schwimmenden Disco in Kairo namens Queen Boat verhaftet wurden – während einer angeblichen Schwulenparty. Homosexualität ist in Ägypten an sich nicht strafbar, gilt aber immer noch als gesellschaftliches Tabu.

Haben Sie oder Bekannte Suizidgedanken? Dann wenden Sie sich bitte an folgende Rufnummern:

Telefon-Hotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über Hilfsdienste:

(0800) 111 0 111 (evangelisch)

(0800) 111 0 222 (römisch-katholisch)

(0800) 111 0 333 (für Kinder/Jugendliche)

Im Internet: www.telefonseelsorge.de

RND/big