Wenn die Straße zum Fluss wird. Quelle: imago images/Bernd März

Sommergewitter: Ein Toter, mehrere Verletzte und unzählige Einsätze

Vollgelaufene Keller, Blitzeinschläge, kaputte Autos - Feuerwehren sind wegen der Gewitter in vielen Regionen Deutschlands im Dauereinsatz. In Sachsen-Anhalt starb ein Mann durch einen Blitzeinschlag, in Garmisch-Partenkirchen saßen 60 Wanderer wegen kaputter Brücken in den Bergen fest.

Berlin. Heftige Regenfälle, Blitz und Hagel haben in vielen Regionen Deutschlands die Rettungskräfte herausgefordert. Überflutete Keller und Straßen, zerstörte Autos und umgeknickte Bäume sind die Bilanz der ersten Sommergewitter des Jahres am Wochenende. Es kam zu zahlreichen Verkehrsbehinderungen.

Vielerorts hielten die Unwetter am Sonntag an. Auch für Montag waren die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für einige Länder alles andere als sommerlich. So wird Deutschland zweigeteilt - Regen und Unwetter im Süden und Sonne im Norden mit angenehmen Temperaturen.

Wanderer kommen wegen beschädigten Brücken nicht zurück: Hubschrauber-Einsatz

Besonders aufwendig war die Rettung mehrerer Dutzend Wanderer von einer Berghütte in der Nähe von Garmisch in Bayern. Wegen beschädigter Brücken konnten sie vorerst nicht zu Fuß ins Tal zurück gelangen - und wurden am Sonntag mit Hubschraubern ausgeflogen.

Der Bergwacht zufolge saßen gut 60 Bergwanderer auf der Höllentalangerhütte fest, unter ihnen auch Kinder. Verletzte gab es nicht. Die Menschen hatten die Nacht auf der Hütte verbracht. Wegen zerstörter Brücken und Wege im Höllental war ihnen der Rückweg versperrt. Diesen wieder begehbar zu machen, werde mehrere Tage dauern, sagte der Bergwachtssprecher. Deswegen seien die Wanderer ausgeflogen worden.

Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen musste ein Gemeinde-Ortsteil evakuiert werden. Dort war nach den starken Regenfällen ein Bach über die Ufer getreten. Betroffen waren nach Angaben der Polizei Dutzende Bewohner. Örtlich sind weiterhin Überschwemmungen möglich.

Auto bleibt in überflutetem Tunnel stecken: Frau und Tochter befreit

Im thüringischen Mühlhausen mussten die Helfer eine Frau und ihre Tochter aus einem Auto befreien. Das Auto war laut Polizei in einer überfluteten Bahnunterführung stehen geblieben und begann mit Wasser vollzulaufen. Der Fahrer konnte den Wagen verlassen, die beiden Frauen mussten von Polizisten befreit werden. Die Tochter erlitt eine Panikattacke.

In Brandenburg rückte die Feuerwehr bis zum Morgen zu mehr als 500 Einsätzen aus. Nach Angaben der Regionalleitstellen stürzten Bäume auf Straßen und fielen teils auf Autos, Wasser lief in Keller und überflutete Straßen, Blitze schlugen ein. Auch in Fahrstühlen stand Wasser. In Wernsdorf bei Königs Wusterhausen brannte ein Dachstuhl.

Dutzende Einsätze in Nürnberg und Berlin

Die Feuerwehr in Nürnberg berichtete von rund 100 Einsätzen wegen der Unwetter. Überwiegend waren Keller in der mittelfränkischen Stadt vollgelaufen. Mit einem vollgelaufenen Keller hatte auch die Feuerwehr in Westerstede in Niedersachsen zu kämpfen. Hier schlugen die Kohlenmonoxid-Warngeräte der Feuerwehrleute Alarm. Ein Großaufgebot evakuierte das betroffene Gebäude, ehe nach einer entnommenen Wasserprobe Entwarnung gegeben werden konnte.

In Berlin zählte die Feuerwehr wetterbedingt etwa 40 Einsätze seit Samstagabend. Unter anderem rückten die Feuerwehrleute nach einem Blitzeinschlag zu einem Dachstuhlbrand aus. Ansonsten verzeichneten die Retter überwiegend Wasserschäden oder Einsätze wegen loser Bauteile an Gebäuden.

Erdrutsch im Harz, umgestürzte Bäume in Sachsen-Anhalt

In Helmsdorf im Südharz, nordwestlich von Halle/Saale, wurde eine Landstraße nach einem Erdrutsch überflutet und blieb zunächst für den Verkehr gesperrt. Außerdem stürzten in Sachsen-Anhalt vereinzelt Bäume durch Unwetter um - ähnlich wie in Thüringen. Hier berichtete die Polizei unter anderem von abgedeckten Dächern und vollgelaufenen Kellern. In Sachsen-Anhalt kam es auch zum schlimmsten Unfall im Zuge der Unwetter: Ein 44-jähriger CDU-Gemeinderat feierte mit Freunden in einer Waldhütte, als er vom Blitz getroffen wurde und starb.

Auf den Fahrplan der Deutschen Bahn hatte die Wetterlage dagegen weniger Auswirkungen. Es lägen keine größeren Störungen vor, hieß es von der Bahn. Lediglich auf der Strecke Köln-Bonn habe es eine Oberleitungsstörung gegeben. Diese sei aber nicht wetterbedingt gewesen und habe am frühen Sonntagmorgen behoben werden können.

Gewitter begannen im Nordosten - und breiten sich bis Sonntag in den Alpen und Niederbayern aus

Bereits am Samstagnachmittag wüteten Gewitter. Besonders traf es zunächst den Nordosten. In Westmecklenburg hatten die Feuerwehrleute rund 200 Einsätze, wie ein Sprecher der Regionalleitstelle sagte. Mehr als 40 Liter Regen fielen dort pro Quadratmeter. In Lübeck wurden zwei Menschen verletzt, als in ihrer unmittelbaren Nähe ein Blitz in eine Scheune einschlug - die dann Feuer fing.

Am Montag kann es an den Alpen und in Niederbayern mehrstündigen Starkregen geben, wie der DWD mitteilte. Sommerlicher wird es dagegen im Norden und Nordosten. Dort gibt es den Meteorologen zufolge viel Sonne und Temperaturen von 21 bis 28 Grad. Im Süden wird es bei längerem Regen zwischen 17 und 20 Grad warm.

In der Nacht zum Dienstag werde es in der Südwesthälfte des Landes mancher Orten weiter schauerartigen Regen geben. Auch zur Wochenmitte hat der Norden das freundlichere Wetterlos.

RND/dpa