Samstag , 26. September 2020
Der Mann kollabierte auf dem Rückweg nach einem langen Marsch. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Soldat kollabiert bei Hitze-Marsch – und klagt auf Schmerzensgeld

60.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld fordert ein 33-jähriger Soldat von der Bundesrepublik. An einem heißen Tag hatte der Ausbilder mehrere Märsche, darunter einen mit zehn Kilo Gepäck angeordnet. Der Soldat war mit einer Lähmung im Oberschenkel und dehydriert zusammengebrochen.

Bonn. Ein Bundeswehrsoldat hat die Bundesrepublik Deutschland auf Schmerzensgeld verklagt, weil er bei einem Geländemarsch zusammengebrochen ist. Der 33-Jährige fordere insgesamt 60.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld, sagte ein Sprecher des Bonner Landgerichts. Der Hauptfeldwebel aus Baden-Württemberg war im Ausbildungszentrum Hammelburg (Bayern) bei dem Marsch im Rahmen eines freiwilligen Einzelkämpferlehrgangs kollabiert und musste operiert werden. Ein halbes Jahr war er den Angaben zufolge nicht einsatzfähig. Der Fall soll im September vor der 1. Zivilkammer verhandelt werden.

Der Kläger wirft dem Bund – als Dienstherrn des Verteidigungsministeriums – Amtspflichtverletzung vor: Der Ausbilder habe vorsätzlich gehandelt, als er an dem heißen Tag – 30 Grad im Schatten – nach einem Gepäcklauf mit zehn Kilogramm Gewicht noch einen drei Kilometer langen Rückmarsch angeordnet habe. Wegen mangelnder Trinkpausen und der extremen Hitze sei es zu einem Kreislaufzusammenbruch und zur Überhitzung des Körpers gekommen, außerdem zu einer Lähmung und Verhärtung der Oberschenkel, die notfallmäßig operiert werden mussten.

Bund sagt, der Soldat hätte den Marsch jederzeit abbrechen können

Nach Ansicht des Bundes lag kein Vorsatz vor. Der Kläger sei ein erfahrener Soldat, der gewusst habe, worauf er sich einlasse. Er hätte den Marsch jederzeit abbrechen können.

Ein Strafverfahren gegen den Ausbilder wegen fahrlässiger Körperverletzung war bereits 2018 vor dem Amtsgericht Bad Kissingen gegen eine Geldauflage von 2400 Euro eingestellt worden.

RND/dpa