Samstag , 19. September 2020
Touristen nutzen das hochsommerliche Wetter am Strand auf der Insel Usedom zum Sonnen und Baden. Quelle: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Hitze bis zu 38 Grad: Staus an der Ostsee, Wasserversorgung zusammengebrochen

Deutschland steht ein heißes Wochenende bevor. Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert Temperaturen von bis zu 38 Grad. An den Nord- und Ostseestränden herrscht bereits Hochbetrieb – in Lauenau in Niedersachsen bricht am Samstag die Wasserversorgung zusammen.

Offenbach. Deutschland kommt ins Schwitzen – an einem hochsommerlichen Wochenende mit Temperaturen bis 38 Grad. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostiziert für den Samstag viel Sonnenschein. Lediglich im Nordosten können demnach am Nachmittag Quellwolken aufziehen. Die Temperaturen erreichen im Alpen-Vorland 26 bis 30 Grad, ansonsten klettern die Werte auf 31 bis 38 Grad. An den Küsten soll es bei kühlendem Wind nicht ganz so heiß werden.

Über die aktuelle Lage zur Hitzewelle in Deutschland halten wir Sie in unserem Liveblog auf dem Laufenden.

Wasserversorgung bricht zusammen

Im Flecken Lauenau im Kreis Schaumburg (Niedersachsen) brach am Samstag aufgrund der Hitze die Wasserversorgung zusammen. “Aufgrund der hohen Wasserverbrauchssituation und der extremen Witterungslage kann die Wasserversorgung im Ortsnetz Lauenau nicht sichergestellt werden”, teilte die Kreisfeuerwehr im Internet mit. “Die Haushalte werden aufgerufen den Wasserverbrauch auf ein Mindestmaß zu reduzieren.”

Entsprechende Durchsagen der Feuerwehr gab es nach einem NDR-Bericht seit Freitagabend. Die Helfer hätten die Menschen in der Gemeinde per Lautsprecher dazu aufgerufen, sich Flaschen mit Trinkwasser im Supermarkt zu kaufen und bei der Feuerwehr mit Brauchwasser für die Toilettenspülung zu versorgen. Die Feuerwehr habe dafür mehrere Ausgabestellen eingerichtet. Gleichzeitig sollten die Bürger Wasser nur verwenden, wenn es absolut nötig sei. Lauenau zählt rund 4.000 Einwohner und gehört zur Samtgemeinde Rodenberg.

38,2 Grad in Trier: Heißester Ort Deutschlands

Bei Temperaturen bis über 38 Grad Celsius sind die Menschen in Deutschland am Samstag ins Schwitzen gekommen. Der höchste Wert wurde nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes an der Wetterstation Trier-Petrisberg (Rheinland-Pfalz) mit 38,2 Grad gemessen. Das war aber kein neuer Höchstwert für dieses Jahr – den gab es am 31. Juli mit 38,5 Grad im südbadischen Rheinfelden. Auch in Trier-Petrisberg lag der Höchstwert an diesem Tag mit 38,4 etwas höher.

Mit 37,4 Grad der bislang heißeste Tag des Jahres in NRW

In Nordrhein-Westfalen sind am Samstag Temperaturen von bis zu 37,4 Grad gemessen worden. Das ist die bislang höchste Temperatur, die im Jahr 2020 in NRW erreicht wurde, wie eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Essen am frühen Abend mitteilte. Gemessen wurde der Rekordwert in Weilerswist (Kreis Euskirchen). Die heißen Temperaturen seien nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit. „Es ist aber schon besonders, dass die Hitze nun schon sieben, acht Tage anhält“, so die Wetterexpertin. Das sei sehr anstrengend für die Menschen.

Lange Staus an der Ostsee

Eine andere Art der Abkühlung suchen Touristen am Samstag am Meer. Auf den Wegen zur Ostsee habe es längere Staus gegeben, berichtet die Autobahnpolizei. “Die Reisewelle rollt schon ganz gut an”, so ein Sprecher im vorpommerschen Grimmen. Reiseziele seien vor allem die Ferieninseln Rügen und Usedom. Das zeige sich insbesondere am Fahrzeugaufkommen auf der Ostsee-Autobahn A20, aber auch auf der Bundesstraße 96, die von Berlin direkt nach Rügen führt.

Die Badeorte an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns stellen sich auf einen Gästeansturm ein – obwohl Tagestouristen aus anderen Bundesländern, also Besucher ohne gebuchte Übernachtung, coronabedingt noch nicht einreisen dürfen. Bei Zuwiderhandlung drohen Bußgelder von mindestens 150 Euro. Flächendeckende Kontrollen wird es laut Polizei zwar nicht geben. Doch würden der Anreiseverkehr und die Belegung der Strände genau beobachtet und gegebenenfalls auch steuernd eingegriffen, hieß es in einer Mitteilung des Landkreises Rostock.

Nordsee: Alle Strandkörbe am Strandbad Norddeich belegt

Viele Menschen sind bei den hohen Temperaturen und Sonnenschein am Samstag auch an die Nordsee geströmt. Tausende kamen ins Strandbad Norddeich, wie der Geschäftsführer des Tourismusbetriebs der Stadt Norden (Kreis Aurich), Armin Korok, erzählte: „Wasser und Wind machen die 32 Grad erträglich. Das wird das stärkste Wochenende bisher in diesem Jahr.“ Alle 700 Strandkörbe seien dort belegt – die wenigen noch verfügbaren seien am Morgen schon nach wenigen Minuten vergriffen gewesen. „Wir haben sehr zu tun, die Corona-Regeln durchzusetzen. Wir haben unsere Sicherheitsleute an diesem Wochenende auf vier aufgestockt“, sagte Korok.

Mehrere Brände wegen Trockenheit in Hessen

Eine Reihe von Bränden haben am Samstag die Feuerwehren in Hessen beschäftigt. „Im ganzen Bereich Mittelhessen hatten wir mehrere kleine Brände“, sagte ein Sprecher der Polizei Mittelhessen am Nachmittag. Ähnliches berichtete ein Amtskollege für Südhessen. Im Westen des Landes mussten die Einsatzkräfte insgesamt sechs Mal ausrücken. „Wir gehen davon aus, dass die Brände alle mit der Trockenheit zusammenhängen“, sagte der dort zuständige Polizeisprecher.

Heiße Temperaturen: Seebad Prenzlau schließt seine Türen

Temperaturen über 35 Grad haben in Brandenburg viele Besucher an die Badeseen gelockt. Das Seebad Prenzlau (Uckermark) musste am Samstagmittag seine Türen vorübergehend schließen, wie das Bad mitteilte. „Das erlebe ich zum ersten Mal in 30 Jahren“, sagte Seebadleiter Ronny Klein. Laut dem Hygienekonzept des Bades ist derzeit nach dem 365. Besucher Einlassstopp. „Die schattigen Plätze sind jetzt alle voll“, sagte Klein. Die Gäste hielten sich aber an den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Metern, zumindest am Strand. „Im Wasser ist das schon schwieriger.“ Das Bad begrüßt zu normalen Zeiten 700 bis 900 Gäste am Tag.

Körperliche Anstrengungen vermeiden

Angesichts der hohen Temperaturen mahnen mehrere Bundesländer zur Vorsicht. Manne Lucha (Grüne), Sozialminister in Baden-Württemberg, sagte am Samstag: “Im schlimmsten Fall kann die extreme Hitze lebensbedrohlich sein.” Ein erhöhtes Risiko bestehe für kleine Kinder, Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen und vor allem für ältere und pflegebedürftige Menschen. Im Alter und bei Pflegebedürftigkeit lasse das Durstgefühl nach.

Lucha empfahl, sich während der größten Hitze des Tages möglichst in Innenräumen oder im Schatten aufzuhalten und körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Ausreichendes Trinken sei wichtig. Auch kühles Duschen oder ein Fußbad könnten für Abkühlung sorgen. Lucha warnte zudem vor den gesundheitlichen Gefahren der ultravioletten Strahlung beim Sonnenbaden.

Hessen warnt vor extremer Hitze

Bereits am Freitag hatte die hessische Landesregierung ihre Bürger vor der Belastung durch die anstehende Hitze gewarnt. “Vor allem Kinder, gesundheitlich geschwächte und ältere Menschen sind in praller Sonne und bei hoher Hitze gefährdet”, mahnte das Sozialministerium in Wiesbaden. Am Montag würden den vierten Tag in Folge Temperaturen über 32 Grad erwartet – damit sei die Hitzewarnstufe 2 des hessischen Warnsystems erreicht. Auch an den folgenden Tagen soll es voraussichtlich sehr heiß bleiben.

“Halten Sie sich in kühlen Räumen auf, vermeiden Sie körperliche Aktivitäten, halten Sie die Fenster tagsüber geschlossen und öffnen Sie sie nachts und am frühen Morgen zum Lüften”, riet Staatssekretärin Anne Janz (Grüne). Die Wohnung könne durch geschlossene Rollläden und Markisen kühl gehalten werden, eine kühle Dusche oder ein kühles Bad könne zusätzliche Abkühlung verschaffen – ebenso wie kalte Packungen oder Wickel, feuchte Handtücher oder Schwämme sowie Fußbäder. Janz riet zu leichten Speisen und ausreichendem Trinken.

Extreme Hitze: Waldbrände befürchtet

Befürchtet werden am Hitze-Wochenende auch Waldbrände. Fast bundesweit gilt nach DWD-Angaben die zweithöchste Gefahrenstufe 4, in Teilen Ostdeutschlands sogar die höchste Warnstufe 5. Nur im Alpenvorland sehe die Situation aufgrund der jüngsten Niederschläge mit der Warnstufe 2 entspannt aus.

In Franken werden wegen hoher Waldbrandgefahr am Wochenende Hubschrauber und Beobachtungsflugzeuge über den Wäldern fliegen. Die Trockenheit der vergangenen Tagen sorge in Unterfranken für Dürre, teilte die Bezirksregierung in Würzburg mit. Deshalb werden von Freitag bis Sonntag Luftbeobachter mit zwei Beobachtungsflugzeugen über die gefährdeten Wälder Unterfrankens kreisen.

Dem Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes zufolge sind in Bayern derzeit besonders Unter- und Oberfranken gefährdet. Die oberfränkische Regierung ordnete für Samstag und Sonntag Beobachtungsflüge über den Wäldern an. An beiden Tagen werde in den Nachmittagsstunden der sogenannte “Schnelle Einsatzhubschrauber” über den Wäldern kreisen. Der Pilot sei zugleich ausgebildeter Luftbeobachter.

Vor dem Hantieren mit offenem Feuer wird gewarnt

Auch in Mittelfranken werden laut Bezirksregierung am Samstag und Sonntag zwei ehrenamtliche Piloten und Luftbeobachter der Feuerwehr die Wälder auf Brandgefahren absuchen. Das Flugzeug lege an beiden Tagen jeweils am Nachmittag eine vorher festgelegte Route zurück. Neben der anhaltenden Trockenheit steige die Waldbrandgefahr auch durch Ausflügler, die vor allem nachmittags unterwegs seien.

Die fränkischen Bezirksregierungen warnen davor, im Wald mit offenem Feuer zu hantieren. Außerdem verweisen sie darauf, dass vom 1. März bis 31. Oktober in Wäldern ein Rauchverbot gelte. Schon ein Funke oder eine weggeworfene Zigarettenkippe könnten Gras, Nadelstreu und am Boden liegende Zweige entzünden.

Abkühlung nicht in Sicht

Für die kommenden Tage gibt es erst mal wenig Hoffnung auf Abkühlung: Das schweißtreibende Wetter bleibt Deutschland am Wochenende und zum Start in die neue Woche erhalten. “Eigentlich lässt sich das Wetter für das Wochenende und die neue Woche mit einem Wort beschreiben: “heiß””, sagte Meteorologin Magdalena Bertelmann vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach am Samstag. Nach einem heißen Samstag bringen Hoch Emil über Nordeuropa und Hitzetief Heike über Spanien und Frankreich weiter heiße Luft nach Deutschland und die Temperaturen steigen auf bis zu 38 Grad. Die Gefahr von Hitzegewittern steigt allmählich von Tag für Tag.

Am Sonntag steige im Osten und den Mittelgebirgen die Gefahr von Gewittern, ohne dass man bis Mitte nächster Woche von einer ausgewachsenen Gewitterlage sprechen könnte, teilte der DWD mit. Die Temperaturen würden sich dabei die ganze Zeit über in einem ähnlich heißen Rahmen bewegen. Meist liegen den Meteorologen zufolge die Höchstwerte zwischen 32 und 36, im Westen wird es mit bis zu 38 Grad am heißesten. Etwas kühler bleibe es lediglich an den Küsten und an den Alpen.

Tropennächte mit über 20 Grad

Und auch die Nachttemperaturen lassen nicht auf Abkühlung hoffen. Bei Tropennächten mit Temperaturen nicht unter 20 Grad bringe auch das nächtliche Durchlüften kaum etwas, heißt es beim DWD. Diese würden vor allem in Ballungszentren und größeren Städten auftreten.

Temperaturen von mehr als 30 Grad seien im August keineswegs ungewöhnlich. Beachtlich sei allerdings die Zahl der heißen Tage in Folge, teilte der DWD mit. Einige Wettermodelle würden für Donnerstag mit einer Kaltfront von Westen Abkühlung versprechen. Ob das wirklich so komme, müsse aber noch abgewartet werden.

RND/dpa/msc/seb