Anzeige
Einsatzkräfte arbeiten am Bahnübergang, damit die Einsatzfahrzeuge von der Straße aus zur Unfallstelle auf die Zugstrecke gelangen können. Quelle: Jane Barlow/PA Wire/dpa

Schweres Zugunglück in Schottland: Drei Tote und mehrere Verletzte

Ein Erdrutsch im Norden Großbritanniens soll ein Zugunglück ausgelöst haben. Premier Boris Johnson spricht von einem sehr ernsten Vorfall. Es gibt mehrere Tote.

Stonehaven. Beim schwersten Zugunglück in Großbritannien seit Jahren sind am Mittwoch in Schottland mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Unter ihnen sei vermutlich auch der Zugführer, die Leichen seien aber noch nicht identifiziert, teilte die britische Verkehrspolizei mit. Sechs weitere Personen seien mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gekommen. Der Passierzug entgleiste etwa 160 Kilometer nordöstlich von Edinburgh. Eine Unglücksursache wurde offiziell zunächst nicht genannt. Die Nachrichtenagentur PA berichtete aber, ein Erdrutsch habe das Unglück ausgelöst. Es hatte in der Gegend heftig geregnet und gestürmt, der Fluss Carron war nach Angaben eines örtlichen Abgeordneten über die Ufer getreten.

In Großbritannien ist es in den vergangenen Jahren nur sehr selten zu Zugunglücken mit Toten gekommen und noch seltener zu Entgleisungen, bei denen jemand das Leben verloren hat. Zuletzt passierte das 2007. Ermittler seien bereits vor Ort, um eine Untersuchung zur Unglücksursache aufzunehmen, sagte Bahn-Chefinspektor Ian Prosser.

Boris Johnson: „Extrem ernster Vorfall“

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon sprach von einem „extrem ernsten Vorfall“, ihre Gedanken seien bei den Betroffenen. Ebenso äußerte sich der britische Premierminister Boris Johnson.

Polizeichef Eddie Wylie sagte, er glaube, dass es nach dem Unglück keine weiteren Vermissten gebe. Das legten Aufnahmen von Überwachungskameras und Zeugenbefragungen nahe. Dennoch werde man die Gegend absuchen, sobald das sicher sei.

Der örtliche Abgeordnete Andrew Bowie sagte, der Fluss Carron sei über die Ufer getreten, aber das Wasser sei zuletzt zurückgegangen und er wolle sich nicht darauf festlegen, dass das der Grund für das Unglück gewesen sei. „Ich glaube nicht, dass Spekulation zu diesem Zeitpunkt hilfreich ist“, sagte er.

Nach Angaben der britischen Verkehrspolizei wurden die Einsatzkräfte um 9.43 Uhr (Ortszeit) zum Einsatz in der Nähe von Stonehaven gerufen. Über der Unglücksstelle stieg dichter dunkler Rauch auf; Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Stonehaven liegt auf der Strecke für Passagierzüge, die Aberdeen mit den Städten Edinburgh und Glasgow verbindet. Der Chef der britischen Bahngesellschaft Network Rail brach wegen des Unglücks einen Familienurlaub vorzeitig ab und kehrte nach Großbritannien zurück.

RND/al/AP/dpa