Eichhörnchen-Pflegerin Monika Pfister lächelt, während junge Eichhörnchen vor ihr auf dem Tisch eine Wassermelone verspeisen. Die Saarländerin, die im saarländischen Heusweiler eine Pflegestelle für die Hörnchen betreibt, versorgt im Urlaub auf einem Campingplatz in Frankreich ein Dutzend der kleinen Nager. Quelle: Harald Tittel/dpa

Auch wegen Corona: Eichhörnchen-Pflegerin hat reichlich zu tun

Sie nennt sich selbst "Eichhörnchen-Mama": Fast 1000 kleine Hörnchen hat Monika Pfister bereits in ihrer Pflegestelle für Tiere in Not aufgezogen. Dieses Jahr wird zahlenmäßig ein Rekord.

Rémering/Heusweiler. Noch sind die Augen geschlossen, das Baby kann seinen Kopf kaum halten. Monika Pfister nimmt das kleine Hörnchen in die Hand und reicht ihm einen Nippel an einer Futterspritze, die mit Aufzuchtmilch für Eichhörnchen gefüllt ist. "Die Milch ist mit Fencheltee angerührt, damit sie auch gut bekömmlich ist fürs Bäuchlein gerade bei Neugeborenen", sagt die Saarländerin. Das noch felllose Hörnchen nimmt den Nippel und saugt. "Den ganz Kleinen fällt das Trinken noch ein bisschen schwerer."

Pfister kümmert sich seit gut zehn Jahren um kleine Eichhörnchen in Not. Sie betreibt eine Pflegestelle im saarländischen Heusweiler – und hat mehr als ein Dutzend der kleinen Tiere sogar in ihren Urlaub auf einen Campingplatz im nahe gelegenen französischen Rémering mitgenommen. Quasi als rollende Pflegestelle. “Ich muss ja als Eichhörnchen-Mama alle zwei Stunden füttern. Tags und nachts.”

“Die Leute waren mehr in der Natur unterwegs und haben mehr Tiere gefunden”

In diesem Jahr hat sie so viel zu tun wie noch nie. Nicht, weil mehr Eichhörnchen in Not gewesen seien als sonst. Sondern wegen Corona: “Die Leute waren mehr in der Natur unterwegs und haben mehr Tiere gefunden und vorbei gebracht”, sagt die 47-Jährige. Normalerweise ziehe sie im Jahr zwischen 70 bis 80 Hörnchen auf, bevor sie sie wieder auswildert. “Dieses Jahr sind es schon locker 200 Stück.”

Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) stellt fest, dass die Menschen im Corona-Jahr mehr Wildtiere zu Auffangstationen und Tierärzten bringen. Gerade bei Jungvögeln habe man das stark beobachtet, sagt Nabu-Sprecherin Tizia Labahn in Berlin. Aber Vorsicht: Viele Jungvögel benötigten keine menschliche Hilfe, sondern verhielten sich artgerecht und seien noch auf die Fütterung der Eltern angewiesen. "Deshalb sollte man diese in den allermeisten Fällen auf keinen Fall anfassen", sagt sie.

Auch "verwaiste" Igel seien vermehrt gefunden und abgegeben worden. Labahn rät, sich immer zu informieren, bevor man ein vermeintlich hilfsbedürftiges Tier aufnehme. Klar sei aber: Insgesamt seien die Menschen in diesem Jahr aufmerksamer für die Natur um sie herum geworden. "Wir bekommen auch immer mehr Rückmeldungen, dass mehr Füchse, Marder und Waschbären gesehen werden."

Das Kleine warmhalten, dann eine Auffangstelle kontaktieren

Pfisters derzeit jüngstes Eichhörnchen ist keine zwei Wochen alt. Es wurde gerade gebracht: Eine Katze hatte es beim Finder angeschleppt. Andere Nager würden im Wald gefunden, auf der Terrasse oder im Garten. “Manchmal fallen die Babys auch aus dem Kobel.” Auch Fachfrau Pfister rät Findern, zunächst zu schauen, ob die Eichhörnchen-Mutter noch zu sehen ist, bevor man das Tier aufnimmt. Sonst gelte: Das Kleine warmhalten, dann eine Auffangstelle kontaktieren.

Auch das Klima führe dazu, dass es immer mehr Eichhörnchen werden, die durch ihre Hände gehen, meint Pfister. In den ersten Jahren habe es Junge vor allem im Februar und noch mal im Juni gegeben. Nun gebe es Nachwuchs bis in den September hinein. "In diesem Jahr hatte ich noch keine Pause. Es waren durchgehend Babys da." Fast 1000 Eichhörnchen hat Pfister in den zehn Jahren als Anlaufstelle bereits aufgepäppelt, schätzt sie.

Angefangen hatte alles mit einem Zufall. Ihre Hündin Daisy hatte ein Hörnchen-Baby auf dem Campingplatz angeschleppt: “Erst wusste ich gar nicht, was das ist.” Ihr war aber klar, dass sie es retten wollte. Sie kümmerte sich um “Speedy”, zog ihn auf – und eignete sich ganz viel Wissen an. Im Jahr danach hatte sie dann schon 13 Tiere in ihrer Obhut, dann immer mehr. “Es hat sich rumgesprochen.” Sogar aus Frankreich brächten ihr Leute Tiere vorbei.

Die angeborene Scheu kommt zurück

Wenn die Tiere etwa drei Monate alt sind und schon fleißig Nüsse knacken und futtern können, werden sie ausgewildert. “Eichhörnchen sind ganz scheue Tiere. Auch wenn ich sie großziehe, bekommen sie mit 16 bis 18 Wochen die angeborene Scheu zurück und mögen selbst mich dann nicht mehr”, erzählt Pfister. Und das sei gut so – weil es eben Wildtiere seien. Die Hörnchen würden schrittweise ausgewildert.

Sie kommen in eine von vier Auswilderungsvolieren in einem abgelegenen Waldstück. Anfangs bleibt die Voliere noch verschlossen, dann wird eine Art Katzenklappe geöffnet, sodass die Hörnchen rein und raus können, wann sie mögen. "Sie wildern sich also selbst aus", erzählt Pfister. Natürlich falle ihr das Auswildern manchmal auch ein bisschen schwer: "Man hat ja immer einen besonderen Liebling darunter." Dieses Jahr sei es "Chili".

Aber, fügt sie hinzu, man wisse ja, wofür man es getan habe: "Und es schwingt auch ein bisschen Stolz mit, dass man es geschafft hat". Manche der Hörnchen sehe sie danach auch noch mal wieder. "Sie kommen auch Jahre später noch an die Auswilderungsstelle zurück, wenn sie mal was richtig Gutes futtern wollen." Zum Beispiel Wassermelone, Pinienkerne oder Maiskolben.

RND/dpa