Mittwoch , 28. Oktober 2020
Wegen der Coronavirus-Pandemie wurden die Ig-Nobelpreise diesmal erstmals ausschließlich im Internet veranstaltet. Quelle: Elise Amendola/AP/dpa

Ig-Nobelpreise: Das sind die absurdesten Studien des Jahres

Boston. Narzissten-Augenbrauen, Insektenforscher mit Angst vor Spinnen und ein Helium inhalierender Alligator: Zehn wissenschaftliche Studien, die “erst zum Lachen und dann zum Denken anregen” sollen, sind in den USA mit “Ig-Nobelpreisen” ausgezeichnet worden (gesprochen “ignoble”, was übersetzt etwa unwürdig heißt). Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde die traditionell schrille Gala in der Nacht zum Freitag diesmal erstmals ausschließlich im Internet gefeiert. Die bereits zum 30. Mal verliehenen undotierten Auszeichnungen sollen nach Angaben der Veranstalter “das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren”.

Eine Übersicht über Gewinner und Themen

Akustik: Wissenschaftler aus Österreich, Schweden, Japan, den USA und der Schweiz dafür, dass sie einen weiblichen chinesischen Alligator dazu bewegt haben, in einer mit Helium gefüllten luftdichten Kammer zu grölen.

Psychologie: Wissenschaftler aus Kanada und den USA für die Entwicklung einer Methode, Narzissten anhand der Untersuchung ihrer Augenbrauen zu identifizieren.

Frieden: Die Regierungen von Indien und Pakistan dafür, dass sie ihre Diplomaten heimlich die Türklingeln der jeweils anderen mitten in der Nacht betätigen und sie dann wegrennen lassen, bevor jemand die Tür öffnen kann.

Physik: Wissenschaftler aus Australien, der Ukraine, Frankreich, Italien, Deutschland, Großbritannien und Südafrika für das experimentelle Herausfinden davon, was mit einem lebenden Regenwurm passiert, wenn man seinen Körper mit hoher Frequenz vibrieren lässt.

Wirtschaft: Wissenschaftler aus Schottland, Polen, Frankreich, Brasilien, Chile, Kolumbien, Australien und Italien für den Versuch, die Beziehung zwischen der Einkommensungerechtigkeit eines Landes und der durchschnittlichen Häufigkeit von Küssen auf den Mund zu quantifizieren.

Management: Fünf professionelle Auftragsmörder in China – Xi Guang-An, Mo Tian-Xiang, Yang Kang-Sheng, Yuang Guang-Sheng und Ling Xian-Si – dafür, dass sie einen Auftrag folgendermaßen ausgeführt haben: Nachdem er die Bezahlung für den Mord angenommen hatte, gab Yi Guang-An den Auftrag an Mo Tian-Xiang weiter, der ihn dann an Yang Kang-Sheng weitergab, der ihn dann an Yang Guang-Sheng weitergab, der ihn dann ab Ling Xian-Si weitergab, wobei letztendlich jeder nachfolgende Auftragsmörder einen immer geringeren Prozentsatz der Bezahlung bekam und niemand wirklich einen Mord beging.

Insektenkunde: Ein Wissenschaftler aus den USA für das Sammeln von Beweisen dafür, dass Entomologen (Wissenschaftler, die Insekten erforschen) Angst vor Spinnen haben, die keine Insekten sind.

Medizin: Wissenschaftler aus den Niederlanden und Belgien für die Diagnose eines bislang noch nicht erkannten medizinischen Befunds: Misophonia, der Verzweiflung beim Hören der Kau-Geräusche von anderen Menschen.

Medizinische Bildung: Die Staatsoberhäupter von Brasilien, Großbritannien, Indien, Mexiko, Belarus, den USA, der Türkei, Russland und Turkmenistan dafür, dass sie die Coronavirus-Pandemie dafür genutzt haben, der Welt beizubringen, dass Politiker einen unmittelbareren Einfluss auf Leben und Tod haben können als Wissenschaftler und Ärzte.

Materialwissenschaften: Wissenschaftler aus den USA und Großbritannien für den Nachweis, dass aus menschlichem Kot gemachte Messer nicht gut funktionieren.

Sketche und bizarre Kurz-Opern

Normalerweise verfolgen mehr als 1000 Zuschauer die Gala live in einem Theater der Elite-Universität Harvard. “Wo zur Hölle sind denn alle?”, fragte die Wissenschaftlerin Jean Berko Gleason gleich zu Beginn bei ihrer traditionellen Willkommensansprache – alleine vor ihrem Computer. Die Ticketeinnahmen finanzieren das Spektakel, weswegen die Veranstalter diesmal um Spenden baten. Aber auch bei der rund anderthalbstündigen Online-Preisverleihung, die diesmal unter dem Oberthema “Insekten” stand, flogen Papierflieger, es gab Sketche und bizarre Kurz-Opern.

“Wir hoffen, dass die Pandemie bis nächstes Jahr gezähmt ist und wir unsere 31. Verleihung wieder auf einer Bühne machen können”, sagte Moderator Marc Abrahams, Herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu kurioser Forschung – bevor er die Gala wie immer mit seinen traditionellen Abschlussworten beendete: “Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben, und besonders dann, wenn Sie einen gewonnen haben: mehr Glück im nächsten Jahr!”

RND/dpa