Samstag , 24. Oktober 2020
Gert Achtziger (Alexander Duda, links), Miriam Stockl (Marisa Burger), Michi Mohr (Max Müller), Anton Stadler (Dieter Fischer), Marie Hofer (Karin Thaler) und Sven Hansen (Igor Jeftic) stehen am Set der "Rosenheim-Cops". Quelle: Bojan Ritan/obs/dpa

Erste Staffel ohne Joseph Hannesschläger: So entsteht die Serie “Die Rosenheim-Cops”

Rosenheim/München. “Es gabat a Leich!”: Diesem Satz folgt bei den “Rosenheim-Cops” meist die Aufklärung eines neuen Mordfalls. Gruselig geht es bei den Folgen der ZDF-Serie, die schon seit 20 Jahren in Rosenheim, München und Umgebung gedreht wird, trotzdem selten zu. “Die Rosenheim-Cops sind ja kein wirklich harter Krimi. Der Mord ist eigentlich wurscht, unsere Leichen werden meist mit ‘stumpfen Gegenständen erschossen’, im Büro ist dafür die Hölle los, und alles ist ein wenig wie im Märchen”, meint Schauspieler Max Müller (55). Er muss es wissen: Seit Beginn der Serie im Jahr 2000 spielt er den Polizeihauptmeister Michi Mohr.

Er ist einer von aktuell zwölf Schauspielern, die zum festen Ensemble gehören. Neben Müller sind vom Ursprungscast noch Karin Thaler (Marie Hofer) und Marisa Burger (Sekretärin Miriam Stockl) übrig geblieben. “In der Regel gibt es pro Folge noch mal zusätzlich drei bis fünf Episodenrollen”, erklärt ZDF-Pressesprecherin Elisa Schultz. Die Komparsenrollen würden wegen der Corona-Pandemie aktuell auf ein Minimum beschränkt.

Gedreht wird trotz des Seriennamens längst nicht mehr so viel in Rosenheim wie am Anfang. “Die Anzahl unserer Drehtage wurde im Lauf der letzten 20 Jahre stark gekürzt. Von anfangs elf auf jetzt mittlerweile 6,8 Tage. Das hatte zur Folge, dass für wirklich aufwendige Außendrehs keine Zeit mehr ist. Dafür wurde vieles ins Studio verlegt, sprich ins ‘Büro’”, erklärt Schauspieler Müller. Stören tut ihn das nicht: “Ich mag das. Ich hab’ früher sehr viel Theater gespielt und im Studio spielen hat durchaus Ähnlichkeit mit einer Theaterbühne”, sagt er lachend.

Rosenheim-Cop Michi Mohr – oder doch Peter Renner?

Trotzdem hat er auch in Außendrehs viel erlebt – vor allem an Tierszenen erinnert sich der Schauspieler gern zurück. “Zum Beispiel an einen Karton mit ca. 40 kleinen Kücken als ‘Beweismaterial’. Oder an ‘Lucki, den Wunderhund’. Ein junger Schäferhund von der Rosenheimer Polizei, der mit mir etwa fünf Stunden lang durchs Unterholz ist. Mit einer Mordskondition und sehr viel Geduld mit mir.” Ihm sei aber auch mal ein 800-Kilo-Ochse, der Beppo, auf den Fuß getreten beim Dreh. Passiert sei glücklicherweise nichts – “der Beppo hat sich so leicht gemacht wie eine Feder!”

Michi Mohr, die Kultrolle von Müller, hieß übrigens nicht vom ersten Moment an so. Der Schauspieler kann sich noch gut erinnern, wie am ersten Drehtag der Serie über den Namen diskutiert wurde. “Es gab zwei Möglichkeiten – einmal Michi Mohr, aber ich hätte auch Peter Renner heißen können. Das fand ich eigentlich auch ganz nett. Aber ich wurde vom ganzen Team überstimmt. Gott sei Dank!” Langweilig wird ihm die Rolle auch nach 20 Jahren nicht. “Allein die persönlichen, altersmäßigen Veränderungen zwischen 35 und 55 Jahren sind ziemlich spannend. Da muss man sich teilweise von Seiten der Rolle verabschieden, die einfach nicht mehr passen. Wenn ich mit über 50 auf jugendlich tu‘, ist das albern. Und trotzdem muss es ja der Michi Mohr bleiben. Keine leichte Aufgabe, aber irgendwie auch sehr reizvoll”, sagt er.

Müller betrachtet seinen kultigen Polizeihauptmeister “als das wahrscheinlich größte Geschenk in meinem bisherigen Berufsleben. Eine Lebens-, aber auch eine Herzensrolle.“ “Ich bin heuer 34 Jahre im Beruf, 20 Jahre davon mit Michi Mohr.” Die Figur sei für ihn ein Türöffner gewesen, zum Beispiel für seine Konzerte und Liederabende. “Natürlich kommen die Leute erst einmal ‘Michi schauen’. Und das ist schön”, sieht Müller das realistisch. „Aber wenn sie beim nächsten Konzert wiederkommen, das ist dann besonders schön.“

“Der Joseph und ich waren gute Freunde”

In neuen Fällen zu sehen ist Michi Mohr wieder ab dem 13. Oktober – denn dann startet die neue Staffel der “Rosenheim-Cops”. Auch die Neuzugänge Vanessa Eckart (Hauptkommissarin Eva Winter) und Paul Brusa (Controller Daniel Donato) sind dann wieder dabei. Sie waren Anfang des Jahres erstmals in ihren Rollen zu sehen.

Die 20. Staffel ist aber auch die erste, in der der verstorbene Joseph Hannesschläger nicht mehr zu sehen sein wird, der seit Anfang der Serie den Kommissar Korbinian Hofer verkörperte. “Der Joseph und ich waren gute Freunde. Und ‘Freund’, das ist für mich ein Ehrentitel. Das sage ich nicht so schnell zu jemandem”, sagt Max Müller über Hannesschläger.

Der Tod seines Kollegen sei für ihn und die anderen Schauspieler aber kein großer Schock gewesen: “Schließlich wussten wir schon eineinhalb Jahre vor seinem Tod, wie schwer krank er war. Und dann ist er ganz einfach gegangen. Traurig und sehr tapfer.” Die Schauspieler am Set würden auch nicht so viel über Joseph Hannesschläger reden, „aber irgendwie spüren wir wohl alle miteinander, dass wir unser liebes, kleines Schifflein ‘Rosenheim-Cops’ gemeinsam auf Kurs halten wollen. Und das ist sicher in seinem Sinne!“

Von Hannah Scheiwe/RND