Mittwoch , 28. Oktober 2020
Carsten Brosda (SPD), Senator für Kultur und Medien in Hamburg, übergibt virtuell den "Scoop-Award" an Jeff Jarvis, U.S. Medienexperte und Journalismus-Professor, im Rahmen des Medienkongresses "scoopcamp" 2020. Quelle: Christian Charisius/dpa

US-Journalist Jeff Jarvis: Deutschland eine der letzten Vernunft-Bastionen

Hamburg. Der New Yorker Journalist und Buchautor Jeff Jarvis (“What would Google do?”) hat Deutschland für dessen Vorgehen in der Corona-Krise gelobt. Weiterhin müsse man hierzulande Vorbild sein, indem man auf Experten und Wissenschaft vertraue. Weltweit sei Deutschland eine der letzten Bastionen von Vernunft, sagte der Journalismus-Professor am Donnerstag in Hamburg. Kritisch äußerte Jarvis sich über die USA, Großbritannien und Brasilien.

„Wenn wir es nicht schaffen, jeden Bürger zu überzeugen, eine Maske zu tragen, um Verwandte und Freunde zu schützen – wofür sind wir dann noch gut?“, fragte Jarvis in Bezug auf die aktuellen Herausforderungen für den Journalismus. Der aus New York zugeschaltete Medienexperte hat selbst jahrelang als Redakteur und Format-Entwickler gearbeitet. Sein Buch „What would Google do?“ machte ihn weltweit berühmt.

Appell an Medienhäuser wegen sozialer Medien

Jarvis sprach auf der Innovationskonferenz scoopcamp. Das Branchentreffen beschäftigt sich mit Zukunftstrends im Medienbetrieb. Dort wurde er für seine Verdienste um die digitale Zukunft des Journalismus ausgezeichnet – er gelte als Vermittler zwischen Medien klassischer Prägung und Plattformen wie Google und Facebook, hieß es.

„Es ist unser Job, der öffentlichen Diskussion zu dienen“, erinnerte Jeff Jarvis in seiner Dankesrede. Deutsche Medienhäuser forderte er auf, ihr digitales Angebot breiter aufzustellen. Google, Twitter und Facebook seien zunächst keine Orte gewesen, um sich zu informieren. Der Mangel an vergleichbaren Angeboten habe aber zunehmend dazu geführt, so Jarvis. Kritikern der Sozialen Netzwerke schlug Jarvis vor, mit ihrer „Obsession with Datenschutz“ eine neue Plattform zu gründen.

Der Scoop Award wurde am Donnerstag zum siebten Mal vergeben. Vorherige Preisträger waren unter anderem Jochen Wegner von „Zeit online“ und Shazna Nessa vom „The Wall Street Journal“. Veranstaltet wird das Scoopcamp von der Initiative nextMedia.Hamburg und der Deutschen Presse-Agentur.

RND/dpa