Montag , 26. Oktober 2020
Bei kälteren Temperaturen verschlägt es sie wieder ins Haus: Die Wanzen kommen.

Wanzenplage 2020: Darum sind sie jetzt in unseren Wohnungen

Warum haben es die Krabbler auf unsere Wohnungen abgesehen und wie kann man sich vor ihnen schützen?

Wanzen mögen es warm. In der kälteren Jahreszeit verschlägt es die Krabbeltiere deshalb bevorzugt in die Nähe der Menschen. Zwar sind die Insekten harmlos, trotzdem möchten die wenigsten sie in ihrem Haus haben. Ihren schlechten Ruf verdankt die Wanze dabei vor allem der Baumwanze und ihrer Unterart, der Gemeinen Stinkwanze. Wie der Name vermuten lässt, sondert diese Wanzenart bei Gefahr ein übel riechendes Sekret ab, um sich vor Angreifern zu schützen.

Wie hält man die Wanzen von der Wohnung fern, wie wird man sie wieder los und wieso sollte man ihnen besser nicht mit der Fliegenklatsche zu Leibe rücken? Alles, was Sie über die sechsfüßigen Krabbler wissen müssen, erfahren Sie hier.

Wanzenplage 2020? Trockener Sommer, viele Wanzen

Beste Voraussetzung für einen wanzenreichen Herbst ist ein langer und trockener Sommer. Zuletzt machten die grünen Wanzen im Herbst 2018 auf sich aufmerksam, selbst im Fernsehen wurde über sie berichtet – damals sorgte das trockenwarme Wetter für ein außergewöhnliches Insektenjahr. Viele Arten konnten sich dank dieser Voraussetzungen prächtig vermehren. So manches Haus wurde gegen Ende September daher regelrecht belagert, Baum- und Stinkwanzen waren massenhaft auf der Suche nach einem warmen Winterquartier und hatten es insbesondere auf Gärten, Balkone und warme Wohnungen abgesehen. Ein einzelnes Tier kann bis zu 450 Eier legen. Während die Wanzen normalerweise nur eine Nachwuchsgeneration im Jahr hervorbringen, waren es 2018 gleich zwei.

Bisher scheint 2020 zwar keine neue “Wanzenplage” zu drohen, hier und da kann man die kleinen Tiere aber auch jetzt schon entdecken. Grund für Panik und Hysterie ist ihr Auftauchen aber nicht, schließlich sind Stinkwanzen völlig ungefährlich – werden sie jedoch gestresst oder getötet, machen sie ihrem Namen alle Ehre.

Wanzen in der Wohnung: Was wollen die Stinkwanzen?

Grund für ein verstärktes Auftreten von Wanzen im Herbst ist der bevorstehende Winter. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz zum Überwintern werden sie insbesondere von geheizten und beleuchteten Wohnungen angezogen. Vor allem über Risse in Fenstern und Türen dringen die Sechsfüßer in die Wohnung ein. Sie sind aber auch häufig auf beheizten und überdachten Balkonen oder Dachterrassen anzutreffen. Zuflucht finden sie vor allem in Topfuntersetzern, Rollladenkästen und in Spalten und Rissen im Mauerwerk.

In den Wohnräumen selbst richten die Wanzen keinen Schaden an. Allerdings ist Obst eine begehrte Futterquelle der kleinen Störenfriede. Haben sich die Wanzen an Birnen, Pfirsichen, Äpfeln und Co. vergangen, verfärben und verformen sich die Früchte unansehnlich. Um das zu verhindern, können Obstteller durch Insektenschutzhauben geschützt werden.

Um was für eine Wanze handelt es sich?

Auch wenn sie aussehen wie Käfer, stellen Wanzen eine eigene Gattung innerhalb der Insekten dar. Wanzen sind vergleichsweise große, sechsbeinige Insekten mit einem festen Panzer, die in Deutschland in zahlreichen Variationen auftreten. Hierzulande gibt es rund 1000 Arten, in ganz Europa sind es rund 3000 und weltweit sogar um die 40.000. Die meisten der in Deutschland vorhandenen Arten sind heimisch, andere wie die marmorierte Baumwanze sind hingegen aus Ostasien über Nordamerika eingeschleppt worden.

Für den Menschen harmlos ernähren sie sich im Wesentlichen von Pflanzensaft und Früchten. Da Wanzen mitunter auch Schimmelpilze auf die Pflanzen übertragen können, gelten einige Arten in der Landwirtschaft und in Gärten als Schädling. Bei den in Deutschland anzutreffenden Wanzen handelt es sich je nach Region vornehmlich um eine der folgenden Arten:

Marmorierte Baumwanze Grüne Stinkwanze (auch Gemeine Stinkwanze oder Gemeiner Grünling genannt) Rötlich-braune Zapfenwanze Gräulich-braune Feldwanze (auch Gartenwanze genannt)

Sind Wanzen oder Stinkwanzen gefährlich?

Nein, Wanzen können und wollen dem Menschen nichts tun, sind aber aus gutem Grund keine besonders beliebten Mitbewohner in den heimischen vier Wänden. Denn einige Wanzen sondern über ihre Drüsen einen stinkenden Geruch ab – nicht umsonst werden sie daher auch als Stinkwanzen bezeichnet.

Wanzen bekämpfen: Die besten Tipps gegen Stinkwanzen und Co.

Fühlen sich Stinkwanzen und einige andere Baumwanzenarten bedroht, sondern sie ein klebriges und stinkendes Sekret ab. Folglich sollte man bei der Bekämpfung der Insekten in den eigenen vier Wänden behutsam vorgehen. Auf gar keinen Fall sollte man die Wanzen erschlagen, da das Sekret durch das Zerquetschen des Panzers freigesetzt wird.

Am wirksamsten gegen Wanzen ist das Verschließen von Fenstern und Türen, das gilt auch für Balkon- und Terrassentüren. Ritzen oder Löcher in Fenster- oder Türrahmen sollten gut abgedichtet werden. Hilfreich sind ebenfalls Fliegengitter an den Fenstern, um dennoch problemlos lüften zu können. Da Wanzen von Wärme und Licht angezogen werden, sollte vor allem abends nicht mit angeschaltetem Licht gelüftet werden. Dieses Vorgehen bietet sich auch gegen andere Störenfriede an, etwa Motten oder Fliegen. Ist eine Wanze in die Wohnung gelangt, sollte sie wieder in die Freiheit befördert werden. Das funktioniert am besten mit einem Glas und einem Stück Papier oder Pappe. Wer mit dem Staubsauger auf die Insekten losgeht, sollte daran denken, den Staubsaugerbeutel anschließend zu entsorgen, da sich der Gestank ansonsten ausbreiten kann. Eine umweltfreundliche Alternative zu giftigen Insektiziden ist eine Mischung aus Essig, Wasser und Spülmittel. Das Gemisch kann mit einer Sprühflasche überall dort verteilt werden, wo sich die Wanzen aufhalten. Der Duft der Lösung soll die Wanzen fernhalten. Auch der Duft von Nelken, Ammoniak oder Wacholder soll Wanzen vertreiben. Klebestreifen gelten zwar als effektive Wanzenfänger, müssen aber ständig ausgetauscht werden, da die gefangenen Wanzen ihr gefürchtetes Sekret abgeben könnten.

Da sich Wanzenpopulationen rasant ausbreiten, sollten die Insekten schnell nach dem ersten Entdecken aus der Wohnung entfernt werden. Professionelle Hilfe bei der Wanzenbekämpfung bieten Kammerjäger. Im Garten kann Wanzen durch das Beschneiden von Nadel-, Laub- und Obstbäumen die Lebensgrundlage genommen werden. Auch Pflanzen und Gestrüpp, die an die Hauswand heranreichen, sollten im Herbst beschnitten werden.

Stinkwanzen vertreiben: Das sollten Sie NICHT tun

Um Stinkwanzen zu vertreiben oder zu bekämpfen, sollten diese nicht einfach erschlagen werden. Denn fühlen sich die Wanzen bedroht oder sterben, sondern sie ihr stinkendes Sekret ab. Auch der Griff zum Staubsauger ist keine gute Idee, denn der wird ansonsten schnell zur Stinkbombe.

Sind Wanzen ein Zeichen für eine unhygienische Wohnung?

Wer Besuch von Wanzen in Haus oder Wohnung bekommt, macht sich oft Sorgen um die heimische Hygiene. Völlig zu Unrecht, denn Wanzen haben keineswegs Interesse an besonders sauberen oder dreckigen Umgebungen. Sie sind lediglich auf der Suche nach einem geeigneten Winterquartier, für das vor allem Licht und Wärme entscheidend sind.

Gibt es auch eine Bettwanzenplage?

Nicht zu verwechseln sind Stinkwanzen und andere Arten mit ihren kleineren Verwandten, den Bettwanzen. Sie sind insbesondere bei Stadtbewohnern eine lästige, aber immer wiederkehrende Plage. Im Gegensatz zu den draußen heimischen Wanzen sind Bettwanzen zudem nicht ungefährlich: Als Blutsauger können sie Juckreiz, allergische Reaktionen oder Entzündungen hervorrufen. Im schlimmsten Fall kann der Biss einer Bettwanze sogar Krankheiten übertragen.

Tatsächlich galten Bettwanzen in den 50er-Jahren als nahezu ausgerottet, gerade in den USA und Australien sind sie mittlerweile aber wieder zu einer regelrechten Plage geworden. Laut BR machen sie es sich besonders gern in Studentenwohnheimen, Krankenhäusern und Hotels bequem – also dort, wo viel Kommen und Gehen herrscht. In Deutschland sind sie ebenfalls immer wieder anzutreffen, vor allem in Großstädten.

Haben sie sich erst einmal eingenistet, lassen sie sich nur schwer wieder loswerden. Im Kampf gegen Bettwanzen kommen professionelle Schädlingsbekämpfer zum Einsatz. Ein deutliches Zeichen für einen Bettwanzenbefall sind kleine schwarze Punkte auf Tapeten oder Bettrahmen, wo die Tiere ihren Kot hinterlassen.

Wann ist die Wanzenplage vorbei?

Die Wanzen überwintern an warmen Plätzen und warten dort auf den kommenden Frühling. Gefährlich wird es für sie ab Temperaturen unter zehn Grad, denn diesen sind sie aufgrund ihres dünnen Panzers nicht gewachsen. Im Frühjahr werden sie von ganz allein den Weg nach draußen antreten.

RND/do/tr/pf