Erntedankfest am 4. Oktober – darum geht es bei dem Festtag im Herbst.

Wieso gibt es das Erntedankfest und wie wird es gefeiert?

Herbstzeit, das bedeutet hierzulande buntes Laub, regnerisches Wetter und gemütliche Zeit auf dem heimischen Sofa. Der Herbst ist aber auch Erntezeit – Kartoffeln, Kürbis, Kohl, Äpfel und vieles mehr hat nun Saison.

Um sich für die erfolgreiche Ernte zu bedanken und um die Freude über das ertragreiche Jahr zum Ausdruck zu bringen, wurde das Erntedankfest ins Leben gerufen. In seinen Grundzügen gab es die Feierlichkeiten bereits zu vorchristlicher Zeit – in seiner heutigen Form geht es Belegen zufolge auf römische Bräuche zurück und wird etwa seit dem dritten Jahrhundert nach Christus gefeiert.

Erntedankfest 2020: Wie wichtig ist es heute noch?

Die Ursprünge des Erntedankfestes reichen in die vorchristliche Zeit zurück. Damals fielen die Feierlichkeiten auf die Tagundnachtgleiche am 23. September. Menschen dankten den verschiedenen Feld- und Fruchtbarkeitsgeistern, brachten Opfergaben dar und wollten die Götter milde für die nächste Ernte stimmen. Eine besondere Bedeutung kam dabei der ersten beziehungsweise letzten Garbe zu. Dabei handelte es sich um ein Getreidebündel mit dem zuerst oder zuletzt geernteten Korn.

Ein Großteil des damaligen Brauchtums wurde im Laufe der Zeit in die christlichen Feierlichkeiten übernommen. Etwa die sogenannte Erntekrone, die als Symbol einer guten Ernte gebastelt wird, oder der Ernteteppich, der innerhalb der Kirche ausgelegt wird. Im Fokus stehen heute allerdings gemeinsame Gottesdienst und der Dank an Gott für die Ernteerträge im Mittelpunkt des Erntedankfestes. Die Kirche wird zu diesem Zweck mit verschiedenen landwirtschaftlichen Produkten dekoriert, die typisch für die Herbstzeit sind. Dabei handelt es sich nicht um Opfergaben. Vielmehr sollen die Gläubigen an die Vielfalt an Nahrungsmitteln erinnert werden, die die Natur den Menschen bereitstellt.

Bräuche am Erntedankfest

Neben dem Erntedankgottesdienst hat sich ein vielfältiges Brauchtum rund um den Festtag entwickelt. Vieles davon wird auch heute noch gepflegt.

Erntekrone – Nach Beendigung des Kornschnitts wurden die Erntekronen in früheren Zeiten von den Schnittern mit der letzten Erntefuhre an den Gutsherren überreicht. Mit ihren vier Streben symbolisierte sie Hoffnung, Glaube, Sorge und Dank, der runde Kranz stand außerdem für die Ewigkeit ohne Anfang und Ende. Heute wird sie in der Regel von Landfrauenverbänden und Landjugendverbänden hergestellt. Ernteteppich – Ebenfalls beliebt ist der Ernteteppich, der aus verschiedenen Obst- und Gemüsesorten, Samen, Nüssen und Getreide zusammengestellt wird. So entsteht im Altarraum der Kirche ein kunstvolles Bild. Die aufwendige Gestaltung wird häufig von Landfrauen oder Frauen aus der Gemeinde übernommen. Ernterad – Eine weitere Variante ist das Ernterad. Dabei handelt es sich um ein Wagenrad, dessen Speichen mit regionalem Obst und Gemüse oder Blumen gefüllt werden. Erntepuppe – Aus Bündeln von Getreidehalmen, den sogenannten Garben, aus dem letzten Schnitt werden Ernte- oder Kornpuppen gebunden. Sie bleiben als Opfer auf dem Feld und sollen im nächsten Jahr eine gute Ernte bringen. Auch heute sieht man gelegentlich große Puppen auf den Feldern stehen, die meist aus Strohballen errichtet werden. Erntefeste – In früheren Zeiten war es üblich, das Erntedankfest mit einer großen Feier zu begehen. Erntehelfer, Mägde und Knechte wurden an diesem Tag mit einem Festessen für ihre harte Arbeit belohnt. Heutzutage haben sich aus dieser Tradition heraus Jahrmärkte mit Fahrgeschäften und Imbissständen entwickelt, die im Herbst vielerorts ihr Lager aufschlagen. Erntedankumzüge – Gerade in ländlicheren Gegenden sind Umzüge am Erntedankfest üblich. Bei einem Festumzug ziehen herbstlich geschmückte Wagen und Pferdegespanne sowie Trachtengruppen und andere Vereine durch die Ortschaften.

Wann ist Erntedankfest 2020?

Das Erntedankfest findet am Sonntag, 4. Oktober 2020, statt. In Deutschland zählt Erntedank nicht zu den gesetzlichen Feiertagen, allerdings fällt das Fest jedes Jahr auf einen Sonntag.

Obwohl in vielen Kulturen und Religionen Dankfeste für die Ernte existieren, gibt es keinen einheitlichen Feiertag. Grund dafür sind auch die unterschiedlichen Klimazonen, durch die sich Herbst und Erntezeit entsprechend verschieben. In Deutschland wird das Erntedankfest von der katholischen und evangelischen Kirche gefeiert, dabei gilt:

Laut römisch-katholischer Kirche findet Erntedank am ersten Sonntag im Oktober statt. In der evangelischen Kirche wird Erntedank am ersten Sonntag nach dem Michaelistag am 29. September gefeiert. Meist findet das Erntedankfest also auch hier am ersten Sonntag im Oktober statt.

Sind Erntedank und Thanksgiving dasselbe?

Im nordamerikanischen Raum ist Thanksgiving ein staatlicher Feiertag, der auf den ersten Blick in der Tradition des europäischen Erntedankfestes zu stehen scheint, mit diesem aber kaum Gemeinsamkeiten hat.

In den USA wird Thanksgiving vor allem als großes Familienfest gefeiert, bei dem typische Speisen auf den Tisch kommen – darunter etwa Truthahn, Süßkartoffeln, Kürbis, Mais und Cranberrys. Anders als beim christlichen Erntedankfest ist Thanksgiving ein weltlicher Feiertag, bei dem die Religion nicht im Mittelpunkt steht. Lediglich das in vielen amerikanischen Familien übliche Dankgebet vor dem Essen stellt einen religiösen Aspekt dar.

Thanksgiving geht laut Überlieferungen auf die sogenannten Pilgerväter zurück. Die ersten europäischen Siedler segelten 1620 auf dem Schiff “Mayflower” über den Atlantik und gründeten in Neuengland Kolonien. Zu Beginn wurden sie von Ureinwohnern des Wampanoag-Stamms beim Nahrungsanbau unterstützt. Als Dank für die Hilfe, ohne die die Kolonisten den vorangegangenen Winter nicht überlebt hätten, plante der damalige Kolonialgouverneur ein großes Fest, an dem sowohl Siedler als auch Ureinwohner teilnahmen.

RND/do