Als die Römer fliegen lernten: Asterix (r.) und Obelix sind bei Legionären unbeliebt. Das ist auch im heute erscheinenden Hörspieltext „Der Goldene Hinkelstein“ so.

„Der Goldene Hinkelstein“: Ein „Asterix“ von der Resterampe

Beim Teutates! René Goscinny und Albert Uderzo – das war das absolute Traumteam für altgallischen Esprit. Ihre 24 gemeinsamen „Asterix“-Abenteuer gehören zu den köstlichsten Comicköstlichkeiten überhaupt. Als dann nur noch Uderzo übrig war, wurden die Sprechblasen aufgeblasener, der Witz dürftiger, bis das Auftauchen von Superman und Außerirdischen der Reihe den Rest gab. Die vier Alben nach dem Generationenwechsel – Didier Conrad (Zeichnungen) und Jean-Yves Ferri (Texte) – ließen einen wieder schmunzeln. Immerhin.

Und jetzt also „Der Goldene Hinkelstein“: Die 1967 nur in Frankreich als Schallplatte mit illustriertem Beiheft erschienene Geschichte von Uderzo und Goscinny kommt im klassischen „Asterix“-Heft-Format erstmals auf Deutsch daher. Endlich wieder Goscinny! Man macht sich auf einen Rücksturz in Zeiten gefasst, als man über den trunkenen Obelix („Hier sind keine zwei Dicken. Höchstens einer, und der ist nicht dick“) Tränen lachte.

Der „Hinkelstein“ ist nur ein Skript mit Zeichnungen

Schnell wird indes klar: Das ist gar kein Comic. „Der Goldene Hinkelstein“ ist ein Dialogskript mit (restaurierten) Zeichnungen des Schallplattenbuchs, die – weil es nicht so viele gab – gerne mal wiederholt werden, um die 48 Seiten überhaupt vollzukriegen. Der Geschichte darüber, wie Asterix und Obelix den untalentierten Dorfchansonnier Troubadix zu einem gallischen Sängerwettstreit eskortieren, mangelt es an Swing, es ist eine schlichte „Die spinnen die Römer, verprügeln wir sie mal wieder“-Story. Die Dialogzeilen sind noch dazu voller „Erklärbärchen“ für das, was man bei einem Hörspiel nicht sehen kann (Asterix: „Siehst du die Männer die dahinten den Weg versperren?“). Ohne Panels null Lesefreude.

Alle „Asterix“-Klischees werden mal kurz abgeklappert, aber die simple Story ist weder so vielschichtig noch so in den feinen Goscinny-Humor getunkt wie die Comicbände, in denen Asterix es mit Briten, Normannen oder Kleopatra zu tun bekam. Mit dem Verweis, vor dem Vertrimmen von Römern höflich zu ihnen zu sein, zitiert sich Obelix selbst. In dem 1966 entstandenen „Asterix als Legionär“ hatte Goscinny den Benimm kurz vor Ausbruch der Brutalitäten zu einem virtuosen Running Gag aufgebaut. Im „Goldenen Hinkelstein“ bleibt alles plump.

Neuer „Asterix“-Band wirkt so gar nicht wie ein Schatz

Der Band wirkt nicht wie ein Schatz, als der er vermarktet wird, sondern eher wie von der Resterampe. Vielleicht sollten sich Conrad und Ferri noch einmal des Ganzen annehmen und einen passablen, einen richtigen Comic daraus machen. Beim Belenus!

René Goscinny/Albert Uderzo: „Der Goldene Hinkelstein“, Egmont/Ehapa, 48 Seiten, 6,90 Euro

Anm. d. Red.: In einer früheren Fassung des Textes wurde behauptet, der neue Zeichner der „Asterix“-Alben sei Frédérik Mébarki. Stattdessen werden sie von Didier Conrad gezeichnet.

Von Matthias Halbig/RND