Weg mit dem Zeug: Eva Kufner (Anna Unterberger, r) findet die Männer Anton Gasser (Fritz Karl, M.), Jakob Gasser (Franz Dinda, l.) und Florian Gasser (Gerrit Klein) beim Verbrennen der Memoiren der verstorbenen Mutter und Ehefrau. Szene aus dem ZDF-Krimi „Das Tal der Mörder“. Quelle: Bernd Schuller/ZDF/dpa

„Das Tal der Mörder“ – Provinzkrimi dreht am Klischeerad

Beim ZDF leider nichts Neues: Mal wieder erzählt der Sender die schon oft gezeigte Geschichte von einer jungen Großstädterin, die in die ländliche Heimat ihrer Eltern zurückkehrt, um dort ein altes Familiengeheimnis zu lösen. Und wie fast immer stößt sie dabei auf knorrige Menschen, die aus der Zeit gefallen zu sein scheinen und sich benehmen, als ob sich in den letzten hundert Jahren nichts geändert hätte.

Die Studentin Eva Kufner (Anna Unterberger, „Gundermann“) erfährt auf dem Sterbebett ihrer Mutter, was die Sterbende ihr Leben lang so bedrückt hat. Evas noch vor ihrer Geburt gestorbener Vater, erzählt die alte Dame, sei vor 30 Jahren keineswegs bei einem Bergunfall tödlich verunglückt, sondern von seinem besten Freund, dem reichen Steinbruchbesitzer Anton Gasser (Fritz Karl), aus Eifersucht ermordet worden.

Das klingt natürlich hochdramatisch, und tatsächlich ist der tödliche Vorfall nie restlos aufgeklärt worden. Der vermeintliche Täter hatte ein Alibi, und stattdessen wurde die Frau des Toten, Evas Mutter, wegen Verleumdung verurteilt. So weit, so schlimm. Aber es kommt noch tragischer. Fast an derselben Stelle ist nun auch die Frau des Beschuldigten zu Tode gestürzt. Und nach den Worten von Evas Mutter kann das auch nur die Tat von Gasser gewesen sein. Nach diesem andeutungsreichen Vorspiel nimmt die Geschichte ihren erwartbaren Gang.

In der düsteren Austria-Provinz kann der Herbst nicht schön sein

Eva fährt sofort an den Ort des damaligen Geschehens, in ein Provinznest im schönen Salzburger Land. Wobei die herbstliche Landschaft in diesem Landkrimi alles andere als idyllisch gezeigt wird. Stattdessen wirkt sie stets ein wenig bedrohlich und ziemlich düster, oft wabert Nebel, und dazu erklingt eine Musik, die Ungutes verheißt. Was allerdings so übertrieben offensichtlich eingesetzt wird, dass es beim Zuschauen bisweilen eher den Geduldsfaden strapaziert.

Auch die Leute, die dort leben, entsprechen dem ungastlichen Drumherum, sind alles andere als warm und offen. Für sie ist Eva ein Eindringling, dem sie mit Misstrauen begegnen. Und dem sie dann doch Geheimnisse anvertrauen.

Diesen plötzlichen Sinneswandel verstehe, wer will. Er ist aber nur eine von vielen logischen Kinken dieser Geschichte. Und es sind Fehler, die umso erstaunlicher sind, da der erfahrene Regisseur Peter Keglevic seit seiner ZDF-„Dorf“-Reihe („Die Fremde und das Dorf“, „Ein Geheimnis im Dorf“, „Treibjagd im Dorf“) inzwischen ein ausgewiesener Spezialist dieses Provinzkrimigenres ist.

Ähnlich unglaubwürdig verhält sich auch der vermeintliche Mörder Gasser. Eva beschließt nämlich, wie eine Undercover-Agentin bei ihm die vakante Stelle als Haushälterin anzutreten – unter falschem Namen und mit einer windigen Geschichte, die der eigentlich so misstrauische Gasser ihr jedoch erstaunlicherweise sofort abkauft. Glück gehabt.

Noch mehr Merkwürdigkeiten versucht Drehbuchautor Dominique Lorenz dem Zuschauer zu verkaufen. Beispielsweise eine sich schnell anbahnende Romanze zwischen der jungen Eva und dem alten Anton. Wobei es zum Glück ein wenig offen bleibt, aus welchen Motiven Eva dabei genau handelt – aus Liebe (Fritz Karl ist halt ein charmanter Typ) oder aus eiskaltem Kalkül. Auch die beiden erwachsenen Söhne Antons (Franz Dinda, Gerrit Klein) sind seltsame Gestalten. Junge Männer, die ihre tote Mutter sehr vermissen. Die die Schuld dem Vater geben, innerlich vor Wut kochen, aber dennoch stets brav dem Familienoberhaupt gehorchen. Eigentlich sind beide reif für eine ausführliche Familientherapie.

Pluspunkt: eine ordentliche Ensembleleistung

Eva gelingt es schließlich, das dunkle Geheimnis, das über ihrer Familie und der Sippe der Gasser liegt, zu lüften. Aber sogar das wird leider wenig spannend erzählt. Und überraschend ist des Rätsels Lösung auch nicht. Aber bis dahin werden die meisten Zuschauer vermutlich längst das Interesse an der zähen Geschichte verloren haben.

Was immerhin bleibt, ist das wie immer ordentliche Spiel des Hauptdarstellers Fritz Karl, der ja schon oft ähnliche Rollen verkörpert hat, während es Anna Unterberger gut gelingt, ihre Studentin ambivalent darzustellen. Und auch Franz Buchrieser und Gertrud Roll, die zwei alten treuen Helfer der Familie Gasser, überzeugen in ihren Rollen. Doch selbst das gute Ensemble kann diesen missratenen Landkrimi nicht retten.

Von Ernst Corinth/RND