Kattas sind die einzige Lemurenart, die an den Handgelenken spezielle Duftdrüsen haben. © Quelle: Daniel Zupanc/TIERGARTEN SCHÖNB

Betörender Duft: Lemuren produzieren Duftstoffe zur Paarung

  • Bestimmte Lemuren-Männchen produzieren im Handgelenk Duftstoffe, um Weibchen anzulocken.
  • Besonders junge, geschlechtsreife Männchen stoßen die blumig-fruchtigen Ausdünstungen aus.
  • Eine der drei Aldehydverbindungen wird auch im Parfüm Chanel Nº 5 eingesetzt.

Gerüche spielen nicht nur bei Menschen eine große Rolle für die Partnerwahl: Männliche Kattas, eine Primatenart aus der Gruppe der Lemuren, sondern ein fruchtig-blumiges Aroma aus Drüsen an ihren Handgelenken ab, um für ihre Artgenossinnen attraktiver zu werden. Das berichten japanische Wissenschaftler im Fachblatt “Current Biology”. Mithilfe chemischer Analysen identifizierten sie jene drei Komponenten, die für den süßlichen Duft verantwortlich sind. Es wäre bei Primaten der erste Nachweis von Pheromonen – speziellen Duftstoffen, die der Kommunikation dienen und etwa das Sexualverhalten beeinflussen.

“Stink Flirting” führt zu Partnerwahl

Kattas (Lemur catta) sind die einzige Lemurenart, die an den Handgelenken spezielle Duftdrüsen haben. Die 40 bis 50 Zentimeter langen Feuchtnasenaffen, die als stark gefährdet gelten, leben auf Madagaskar in Gruppen von bis zu 15 Tieren, die von einem dominanten Weibchen angeführt werden. Die Primaten haben ein gräuliches Fell und einen schwarz-weiß geringelten, bis zu 60 Zentimeter langen, flauschigen Schwanz. Während der Paarungszeit reiben die Männchen ihre Handgelenke daran und wedeln den Duft dann den Weibchen zu – ein Verhalten, das Stink Flirting genannt wird.

Ein Team um den Biochemiker Kazushige Touhara von der Universität Tokio hat nun erstmals das klare Sekret der Katta-Männchen detailliert untersucht. Die Forscher analysierten die chemischen Komponenten des Sekrets während der Paarungszeit sowie außerhalb davon. Dabei stellten sie fest, dass sich die Zusammensetzung ändert. Drei Aldehydverbindungen – Dodecanal, das im Parfüm Chanel Nº 5 eingesetzt wird, 12-Methyltridecanal und Tetradecanal – waren immer vorhanden, zur Paarungszeit jedoch in wesentlich höheren Konzentrationen. Diese Veränderungen zeigten sich im Geruch: So wich der süßlich-fruchtige Duft der Paarungszeit danach einem bitteren Aroma.

Die Mischung macht’s

Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass die Kombination der Verbindungen für den Erfolg entscheidend ist. Präsentierten sie Weibchen einzelne Komponente des Sekrets, blieben diese unbeeindruckt. Nur eine Mischung aller drei Bestandteile weckte Aufmerksamkeit. Außerhalb der Paarungszeit waren alle männlichen Gerüche für die Weibchen uninteressant.

Die Substanzen sind auch bei anderen Tierarten verbreitet. “Bei allen drei Stoffen wurde bereits vermutet, dass sie eine Rolle bei der Erkennung von neugeborenen Schafen durch ihre Muttertiere spielen könnten”, erklärt Touhara. Tetradecanal sei darüber hinaus als Sexualhormon bei einigen Insektenarten bekannt. “Obwohl dies das erste Mal ist, dass 12-Methyltridecanal bei einer Primatenart identifiziert wurde, werden vermutlich alle drei Aldehyde im gesamten Tierreich als Kommunikationsmittel eingesetzt”, so Touhara weiter.

Jüngere Männchen riechen noch besser

Die Wissenschaftler stellten auch fest, dass junge, geschlechtsreife Katta-Männchen mehr von diesen Verbindungen produzieren als ältere Artgenossen – wahrscheinlich ist dies mit einem höheren Testosteronlevel verbunden. Ebenso zeigten die blumig-fruchtigen Ausdünstungen keine Wirkung bei Weibchen, die ihre reproduktive Blütezeit überschritten hatten.

Für die Forscher legt dies nahe, dass die identifizierten chemischen Komponenten tatsächlich Pheromone sind. Allerdings seien weitere Studien nötig, um zu überprüfen, ob sie das Sexualverhalten direkt beeinflussen.

Rückschlüsse auf den Menschen lässt die Studie nicht zu. “Es gibt keine Menschen, die sich gegenseitig mit dem Schwanz winken”, sagt Touhara. Lemuren seien Teil einer evolutionären Primatenlinie, die einen feineren Geruchssinn als andere Affen und auch Menschen hätten: “Vielleicht gibt es beim Menschen keine Sexualpheromone, aber es gibt wahrscheinlich Gerüche – wie bei Eltern, die an den Köpfen ihres Babys riechen -, mit denen wir die Gefühle anderer beeinflussen.”

RND/dpa