Soziale Medien wie Twitter und Facebook geraten zunehmend unter Druck. Quelle: Silas Stein/dpa

Expertenbericht: So könnten soziale Medien künftig reguliert werden

Erst in dieser Woche hat die indische Regierung eine Verordnung erlassen, die besagt, dass alle Onlinenachrichten, sozialen Medien und Videostreaming-Plattformen einer staatlichen Regulierung unterliegen sollen. Das Informations- und Rundfunkministerium, das bereits jetzt Zeitungen, Fernsehen, Filme und Theater reguliert, wird nach der neuen Anordnung auch die Hoheit über digitale Nachrichten- und Unterhaltungsplattformen im Land haben, wie der „Guardian“ berichtet. Die Nachricht bestärkt Befürchtungen einer zunehmenden Zensur digitaler Medien.

Auch in anderen Ländern machen sich Entscheidungsträger zunehmend Gedanken um mögliche Regulierungen von sozialen Medien. Die Zunahme an Falschnachrichten, die rasante Verbreitung von Hass und Hetze, sowie Rassismus, Antisemitismus und Homophobie und die unzureichende Moderation sind nur einige Problematiken, die die Rufe nach mehr Möglichkeiten des Eingreifens verstärken.

Expertenbericht: „Informationschaos beenden“

Ein neuer Bericht, des Forums für Information und Demokratie, das unverbindliche Empfehlungen an mehrere Dutzend Regierungen ausspricht, stellt unter anderem mehrere Regulationsmöglichkeiten sozialer Netzwerke vor. So wolle man das „Informationschaos beenden, das eine existentielle Bedrohung für Demokratien darstellt“, wie die „BBC“ berichtet. Das Forum wurde im vergangenen Jahr von elf zivilgesellschaftlichen Organisationen aus aller Welt gegründet, mit dem Ziel „das Menschenrecht auf Meinungs- und Informationsfreiheit angesichts neuartiger Bedrohungen im digitalen Zeitalter wirksam durchzusetzen“.

Der Report schlägt unter anderem vor, dass die Plattformen Informationen über ihre Algorithmen und Kernfunktionen an vertrauenswürdige Forschende weiterleiten, die diese Technologien anschließend überprüfen können. Zudem wird empfohlen, den Reiz des Onlineteilens zu minimieren, um so die rasante Verbreitung von Desinformationen zu verhindern. Zu den Autoren des Berichts zählen unter anderem der Cambridge Analytica-Whistleblower Christopher Wylie sowie der frühe Facebook-Investor und heutige Kritiker Roger McNamee.

Bericht spricht sich für „Circuit Breaker“ aus

„Wenn ich ein Küchengerät herstellen würde, müsste ich mehr Sicherheitstests und Verfahren durchlaufen, um einen Toaster herzustellen, als um Facebook zu erstellen“, sagte Wylie der „BBC“. Darüber hinaus empfiehlt der Bericht die Etablierung sogenannter „Circuit Breaker“. Diese sollen etwa bei viralen Inhalten eingesetzt werden. Die Verbreitung der zweifelhaften Beiträge soll so lange gestoppt werden, bis die Fakten durch unabhängige Prüfmechanismen verifiziert wurden. Soziale Medien sollen zudem dazu aufgefordert werden, ihren Nutzern transparent darüber zu informieren, warum ihnen bestimmte Inhalte empfohlen wurden. Die Einsatzmöglichkeiten von Micro-Targeting, also der gezielten Werbeansprache von ausgewählten Personengruppen, solle zudem begrenzt werden. Auch enthielt der Report Vorschläge, die von sozialen Medien bereits umgesetzt werden. So sprachen sich die Autoren für eine Kennzeichnung von Beiträgen staatlicher Medien aus, wie es bei Facebook, Youtube und Twitter praktiziert wird.

Gegenüber der „BBC“ hat sich Twitter zu den Vorschlägen des Forums geäußert. „Twitter hat sich verpflichtet, ein sichereres Internet aufzubauen und die Qualität der öffentlichen Konversation zu verbessern. Wir unterstützen einen vorausschauenden Ansatz zur Regulierung, der das offene Internet, die Meinungsfreiheit und den fairen Wettbewerb im Internetsektor schützt“, teilte ein Sprecher mit.

RND/mkr