Die englischsprachige Version der finnischen Koronavilkku-App ist auf einem Smartphone eingeschaltet. Quelle: Antti Aimo-Koivisto/Lehtikuva/dp

Forscher: Corona-Apps brauchen mehr Vertrauen für volle Wirkung

Zürich. Regierungen müssen laut Schweizer Forschern mehr für das Vertrauen der Bevölkerung in Corona-Warn-Apps tun. Eine echte Wirkung könnten Smartphone-Apps, die etwa Bluetooth-Technologie für Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infektionen nutzen, erst mit ausreichend Nutzern erzielen. Solange die Wirkung der Apps in den Augen der Menschen nicht belegt ist, laden sie viele Menschen aber nicht herunter, wie Alessandro Blasimme und Effy Vayena vom Fachbereich Gesundheitswissenschaften und Technologie der ETH Zürich in der Fachzeitschrift „Science“ schreiben.

Die Download-Zahlen der Corona-Warn-Apps bleiben laut den Forschern in vielen Staaten deutlich hinter den Erwartungen zurück. In Studien im April und Mai etwa in den USA, der Schweiz und Italien hätten sich zwischen 55 und 70 Prozent der Erwachsenen in allen Altersgruppen zur Nutzung einer Corona-App bereit gezeigt. Die tatsächlichen Nutzerquoten lagen dann aber in allen betrachteten Staaten teils deutlich unter 30 Prozent der Bevölkerung.

Kontrollgremien für mehr Transparenz

In Deutschland haben laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bis Anfang November 22 Millionen Menschen die App installiert, 18 bis 20 Millionen Menschen nutzen sie tatsächlich. Mehr als zwei Millionen Laborergebnisse seien bislang über die App übermittelt worden.

Wegen der außergewöhnlichen Umstände der Covid-19-Krise seien die Pläne für die Einführung der Apps vielfach ohne Einbindung der Öffentlichkeit geschehen, geben die Autoren zu bedenken. „In demokratischen Ländern führt das wahrscheinlich zum Untergraben von Vertrauen in technische Lösungen, vor allem wenn sie eine durchdringende Überwachungslogik verkörpern, die demokratischen Idealen entgegenzustehen scheint.“

Abhilfe könnten deshalb Kontrollgremien für die Regelung der Apps auf nationaler Ebene schaffen, in die neben Experten auch zivilgesellschaftliche Vertreter eingebunden seien, heißt es in der Studie. Außerdem sollte die Bevölkerung besser eingebunden werden.

RND/dpa