Bei der #unflatteringcatphotochallenge posten Katzenbesitzer unvorteilhafte Momente ihrer Stubentiger. Quelle: Pixabay

Schluss mit putzig: Das steckt hinter der #UnflatteringCatPhotoChallenge

Gleich vier Fotos sind auf diesem Tweet zu sehen:

Wer die Bilder anklickt und damit vergrößert, sieht eine hellbraune Katze mit zu Schlitzen verengten Augen, offensichtlich überrascht von der lila Haarbürste auf ihrem Kopf, auf dem zweiten Bild mit einer Pfote in einem Katzenspielzeug, dann so unvorteilhaft von hinten fotografiert, dass das Hinterteil einen Großteil des Bilds ausfüllt und zuletzt eine Aufnahme von oben, auf der die Katze ob der ungewohnten Sitzposition etwas hilflos in die Kamera schaut.

Der Tweet ist mit dem Hashtag #unflatteringcatphotochallenge versehen. Auf Deutsch bedeutet “unflattering” etwa so viel wie “unvorteilhaft” oder “wenig schmeichelhaft” – was die Bilder, die aktuell vor allem auf Twitter und Instagram kursieren, ziemlich treffend beschreibt.

Siamkatze Nala ist erfolgreichste Petfluencerin

Die Foto-Challenge lässt sich gut als Zeichen gegen den Perfektionswahn auf den sozialen Medien interpretieren. Denn längst präsentieren sich – insbesondere auf Instagram – nicht nur Menschen, die dem Anschein nach ausschließlich glücklich, schlank, schön, begabt und berühmt sind. Auch entsprechende Haustiere haben sich dort einen Platz gesichert und versorgen ihre Followerschaft regelmäßig mit Beiträgen aus einer Welt voller Glanz und Gloria.

An der Spitze der sogenannten Petfluencer steht dabei eine graue getigerte Siamkatze namens Nala mit über vier Millionen Followern. Von ihr gibt es jetzt schon über 6000 Beiträge, wo sie zum Beispiel mit silbernem Krönchen, rosa Hortensien, einem tierischen Freund und natürlich allerlei Produkten rund um die Katze zu sehen ist:

#unflatteringcatphotochallenge erinnert an Finstagram

Auch Suukicat mit fast zwei Millionen Followern und einem eigenen Wandkalender passt prima in das typische Instagram-Schema. So posiert sie etwa, die großen Augen nach oben gerichtet, vor einem malerischen Sonnenuntergang, auf einer Hängebrücke vor einem Bergpanorama oder inmitten von roten Blütenblättern:

Und nun also die #unflatteringcatphotochallenge, die ein wenig an Finstagram erinnert, die ungeschönte und dafür ehrliche Seite von Instagram: Statt niedlichem Cat-Content warten hier Katzencharaktere, die unschöne Grimassen ziehen, den ganzen Tag faul herumhängen oder auch mal – warum auch immer – den Kopf in der Toilette stecken:

Dazu sind die Bilder meist aus den unmöglichsten Winkeln aufgenommen, verwackelt, verwischt oder unscharf.

Unter dem Hashtag finden sich zum einen zahlreiche Selfies. Zu sehen sind hier meist der Katzenbesitzer oder die Katzenbesitzerin bei dem verzweifelten Versuch, ihren fauchenden Liebling zum Stillhalten zu bewegen und gleichzeitig selbst eine halbwegs passable Figur abzugeben.

Die Katzen sind dabei oft nur zur Hälfte zu sehen oder komplett verwischt, da mitten im Sprung. Ein besonders gelungenes Selfie hat beispielsweise eine Instagram-Userin hochgeladen, die sich @blondetopoftheworld nennt. Darauf hält sie ihre kalt erwischte Mitbewohnerin namens Molly frontal in die Kamera, während sie selbst in einem hautengen Glitzer-Outfit mit Elefantenrüssel-Hut steckt:

Nicht alle Katzen tragen ein Lächeln auf den Lippen

Die Variante Nummer zwei, um die Unvorteilhaftigkeit auf Bilder zu bannen: Katzen mit seltsamen Outfits. Sei es eine von unten fotografierte Katze im orangefarbenen Vlies-Dress, ein schwarzes Exemplar in gelbem Dino-Anzug oder eine New Yorker Samtpfote, die zum Tragen eines gestreiftes T-Shirt und einer dunkelgrünen Fliege genötigt wurde, Bildunterschrift: “Am I fashion disaster?”.

Grimassen stehen ebenfalls hoch im Kurs bei den Nutzern, die ihre Haustiere an der Challenge teilnehmen lassen. Da werden zum Beispiel die Augen aufgerissen und die beeindruckenden Fangzähne präsentiert, dann wieder die Augen zu Schlitzen verengt und ein fragendes Grinsen aufgesetzt. Auch gähnende Katzen gibt es viele, was sicherlich darauf zurückzuführen ist, dass Katzen mit bis zu 16 Stunden gut zwei Drittel des Tages einfach verschlafen.

Dem Optimierungswahn auf Nimmerwiedersehen sagen

Daneben warten hier noch Fotos und Videos, die die Haustiere in den misslichsten Situationen zeigen: Da wäre zum Beispiel eine Katze in einem Karton, der aufgrund ihrer Körperfülle leider auseinanderreißt oder eine, deren Kopf in einer durchsichtigen Wasserkaraffe steckt. Andere Tiere verkleckern sich selbst und den Boden beim Fressen oder verlieren beim Balancieren das Gleichgewicht und segeln dann mit den Pfoten rudernd durch die Luft.

Doch der Klassiker schlechthin unter all den unschmeichelhaften Momentaufnahmen sind Bilder, bei denen die Samtpfötchen von oben oder von vorne abgelichtet wurden.

Dabei sehen sie aus, als ob sie in voller Absicht breitbeinig auf dem Sofa oder wahlweise in einer Ecke des Zimmers herumlümmeln und es so richtig genießen, mal keine gute Figur abzugeben. Dem ein oder anderen dürfte das bekannt vorkommen – und tatsächlich muten gerade diese “Rumhäng”-Bilder beinahe menschlich an.

Eine gute Sache: Bleibt nur noch zu hoffen, dass sich der ein oder andere Social-Media-Nutzer ein Beispiel an der tierischen Entspanntheit nimmt und dem Optimierungswahn auf Nimmerwiedersehen sagt. Und wer noch nicht genug hat von all den endlich echten, wenn auch unvorteilhaften Bildern, kann einfach den Hashtag #unflatteringdogchallenge bei Twitter oder Instagram in die Suchleiste eingeben.

Von Helene Kilb/RND