US-Präsident Donald Trump. Quelle: Patrick Semansky/AP/dpa

Trump fährt Reporter an: „Sprechen Sie nie auf diese Weise mit dem Präsidenten“

Washington. Erstmals seit der Wahl hat sich US-Präsident Donald Trump während einer Thanksgiving-Pressekonferenz am Donnerstagabend im Weißen Haus wieder den Fragen von Journalisten gestellt. Dabei reagierte er äußert gereizt auf einen Reporter, der den 74-Jährigen mit dessen offenkundig falschen Behauptungen konfrontierte, bei der US-Wahl 2020 sei betrogen worden.

Reuters-Korrespondent Jeff Mason fragte den US-Präsidenten, ob er seine Wahlniederlage denn einräumen werde, wenn das Wahlkollegium für den Demokraten Joe Biden als nächsten US-Präsidenten stimme. Darauf entgegnete ihm Trump, dass er es für einen großen Fehler halten würde, wenn das Wahlkollegium das täte, weil die US-Wahl ein massiver Betrug gewesen sei.

Trump stutzt Journalisten nach Frage zur US-Wahl zurecht

Dann setzte er zu einer Tirade über die Anzahl der Stimmen an, die der gewählte US-Präsident Joe Biden im Vergleich zum ehemaligen Präsidenten Barack Obama erhielt. Mason grätschte dazwischen und unterbrach den langen Monolog von Trump. Daraufhin fuhr dieser aus seiner Haut und stutzte den Journalisten zurecht. „Sie sind nur ein Leichtgewicht. Sprechen Sie nicht so mit mir. Ich bin der Präsident der Vereinigten Staaten. Sprechen Sie niemals auf diese Weise mit dem Präsidenten“, herrschte Trump den Reporter an.

Mit Blick auf seine Behauptungen zum Wahlbetrug sagte er, die Wahlinfrastruktur der USA sei wie in einem „Land der Dritten Welt”. Auch Tote hätten abgestimmt.

Wahlkollegium wird am 14. Dezember nächsten Präsidenten wählen

Der Republikaner hat bislang keine Beweise für den angeblichen Wahlbetrug vorgelegt, von dem er seit Wochen spricht. Trotzdem weigert sich Trump, Bidens Sieg anzuerkennen. „Das war eine manipulierte Wahl. 100 Prozent“, behauptete Trump. US-Behörden hatten vor zwei Wochen hingegen mitgeteilt, die Wahl am 3. November sei die sicherste in der US-Geschichte gewesen.

Biden wurde nach der Wahl von US-Medien zum Sieger erklärt. Er konnte sich nach bisherigem Auszählungsstand die Stimmen von 306 Wahlleuten sichern, deutlich mehr als die für einen Sieg nötigen 270 Stimmen. Das Wahlkollegium wird am 14. Dezember den nächsten Präsidenten und dessen Vize wählen.

Das Ergebnis der Abstimmung wird allerdings erst am 6. Januar offiziell bekannt gegeben. Beide Schritte gelten angesichts der längst bekannten Wahlergebnisse als Formalien. Biden (78) soll dann am 20. Januar vereidigt werden – als ältester Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

RND/ak, mit dpa