Astrid Plenk, Programmgeschäftsführerin des Kinderkanals von ARD und ZDF. Quelle: KiKA/Carlo Bansini

Kika-Programmchefin Astrid Plenk: „Meine Kinder geben mir viel Feedback“

Seit 2018 ist Astrid Plenk Programmgeschäftsführerin beim Fernsehsender Kika von ARD und ZDF. Am Sonntag (17 Uhr) läuft dort erstmals seit 18 Jahren der Junior ESC mit deutscher Beteiligung. Die promovierte Medienpädagogin spricht im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) über Musik im Kinderfernsehen, interaktive TV-Gestaltung und darüber, was sie als dreifache Mutter am Esstisch über ihre Arbeit lernt.

Frau Plenk, was meinen Sie, denken viele Menschen, wenn Sie hören, dass es den ESC nun auch in Deutschland für Kinder gibt?

Weil sich die ESC-Community schon lange die Frage stellt, warum Deutschland bislang nicht dabei war, dürften sich die meisten darüber gefreut haben. In den drei Jahren, die ich bei Kika bin, kamen viele Anfragen, wann wir den Contest zeigen. Aber Sie haben offenbar was anderes gedacht?

Eher auweia, jetzt gibt es die bombastische Mainstreampop-Show, in der fast alle gleich aussehen und von Freiheit, Liebe, Frieden heucheln, auch noch mit Kulleraugen…

Dazu würde ich zunächst sagen, dass der Junior-ESC kein bloßes Abbild des erwachsenen ist. Bei uns geht es nicht so sehr um größer, schöner, bunter. Im Mittelpunkt steht viel mehr das Lied als verbindendes Element, was ich gerade jetzt für Europa wichtig finde.

Und warum war Deutschland dann 18 Jahre nicht dabei?

Weil es neben der besseren Sendezeit erst jetzt eine Entwicklung gab, die das Künstlerische in den Mittelpunkt stellt. So passt der Junior-ESC gut ins Kika-Angebot, das sich für alle Zielgruppen intensiv mit Musik auseinandersetzt. Etwa mit Formaten wie „TanzAlarm“, „SingAlarm“ oder „Dein Song“, wo wir die Entstehung eines Liedes begleiten, also nicht nur das Ergebnis betrachten. Das war auch beim Junior-ESC sehr synergetisch und spannend zusammen.

Inwieweit wird die Kika-Zielgruppe generell in die Programmgestaltung eingebunden?

Das spielt bei uns weit mehr als bei anderen Sendern eine Hauptrolle. Wir hatten bis Corona jeden Tag Kindergruppen aller Altersklassen im Haus, mit denen wir über unser Angebot ins Gespräch kommen. Außerdem gibt es qualitative und quantitative Forschungen und Studien, durch die wir unsere Sicht auf unsere jungen Zuschauer verbessern können.

Galt das auch für die Auswahl der deutschen Teilnehmerin Susan beim Junior-ESC?

Natürlich. Von Beginn an wurden die Zuschauerinnen und Zuschauer an Susans Weg – vom Auswahlprozess bis zur großen Show in Warschau – beteiligt. Die Publikumsperspektive ist für unsere Programmgestaltung unerlässlich. Schließlich müssen wir uns mit der Zielgruppe entwickeln und daher fast täglich neu erfinden, ohne den Markenkern zu verschieben. Selbst wenn sie eigene Kinder haben, sind ihr die Mitarbeitenden ja längst schon entwachsen.

Sie selbst haben über jugendliche Perspektiven aufs Kinderfernsehen in Medienpädagogik promoviert und drei Kinder als Mutter. Was ist wichtiger für Ihre Arbeit beim Kika?

Wie mit so vielem ist die Mischung wichtig. Meine Kinder bilden die wichtigsten Zielgruppen zwischen Kita und weiterführender Schule ab. Wenn ich nur deren Geschmack berücksichtige, würde das gewiss nicht reichen. Aber sie geben mir in der Tat ziemlich viel Feedback – was übrigens für die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen ähnlich gilt.

Wie kann man sich das bei Familie Plenk vorstellen: Gleichen Sie am Frühstückstisch ständig Anspruch und Wirklichkeit des Kika ab?

Absolut, wir reden da tatsächlich viel über Medieninhalte und -angebote, was uns daran berührt, was eher langweilt – allerdings nicht nur bei Kika, sondern dem gesamten Angebot.

Sie selbst sind ja in der DDR aufgewachsen, die bei allem Unrecht für vergleichsweise gutes Kinderfernsehen galt.

Als Kind habe ich unheimlich gern sowohl Ost- als auch Westfernsehen geschaut. Im Nachhinein könnte ich deshalb gar nicht mehr sagen, welches mir besser gefallen hat. Aber wenn im ZDF „1, 2 oder 3“ lief, wollte ich natürlich schon deshalb mitmachen, um mir die tollen Preise aussuchen zu können. Parallel hatten wir „Mach mit, mach’s nach, mach’s besser“, da gab es zwar weniger zu gewinnen, aber es war genauso unterhaltsam und spannend.

Genauso oder mitunter gar besser?

Die Märchen und Spielfilme im DDR-Fernsehen waren gut. Aus meiner Sicht haben sich beide Seiten bemüht, die ganze Bandbreite aller Altersklassen und Geschmacksrichtungen abzubilden. Auch Kika ist sehr um Vielfalt bemüht.

Gilt das auch für Personalentscheidungen oder sind Sie als ostdeutsche Führungskraft wie in so vielen Sendern allein unter Westdeutschen?

Das kann ich schon deshalb gar nicht so genau sagen, weil die Zeiten vorbei sind, wo man zuerst nach der Herkunft fragt. Mir ist die auch völlig egal, Hauptsache, man kann gut miteinander arbeiten. Man freut sich natürlich, wenn jemand aus der gleichen Gegend kommt und gemeinsame Erinnerungen teilt; es gibt halt regionale Unterschiede. Unsere Redaktionen sind gut durchmischt.

Von Jan Freitag/RND