Sicher die Kurve kriegen: Richtige Reifen und ein Schleuder-Training sorgen für mehr Sicherheit bei Schnee und Glätte. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn

Mit Übung und den richtigen Reifen: So fährt es sich sicher auf Schnee und Eis

Hannover. „Wann gibt’s bei uns denn schon mal Schnee?“ Geht es um winterliche Bereifung und eine der Jahreszeit angepasste Fahrweise, ist dieser Satz immer mal wieder zu hören. Experten wie Bernd Stürmer vom Tüv Nord können das nicht nachvollziehen: „Immer häufiger erleben wir schnelle Wetterumschwünge. Autofahrer müssen daher mehr denn je damit rechnen, dass sie im Winter unverhofft auf winterliche Straßenverhältnisse treffen.“ Zudem könnten Sommerreifen im Winter gar nicht ihr Qualitäten ausspielen, da die Gummimischung nicht für dauerhaft niedrige Temperaturen konzipiert sei.

Vorsichtig mit Gas und Bremse – aber nicht immer

Generell ist im Winter eine behutsame Fahrweise angesagt. „Schnelles Gasgeben und heftiges Bremsen sollte ebenso vermieden werden wie hastige Lenkbewegungen, durch die das Auto schnell ins Schleudern geraten kann“, sagt Stürmer.

Ist die Straßensituation unklar, weil beispielsweise gerade Schnee fällt oder weil die Temperaturen den Gefrierpunkt erreicht haben, rät Stürmer zu einem kurzen Bremstest auf freier Strecke. „Das geht natürlich nur, wenn man allein ist und kein anderes Fahrzeug folgt.“ So ein Bremstest helfe aber, ein Gefühl für die Straßenlage und den verlängerten Bremsweg zu bekommen.

Eine gute und nach Meinung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) viel zu wenig genutzte Möglichkeit sind Fahrsicherheitstrainings. „Das lohnt sich immer, denn die Erfahrung zeigt, dass die Autofahrer anschließend wesentlich sicherer fahren“, sagt Welf Stankowitz vom DVR.

Ein Schwerpunkt bei den Trainings ist das richtige Bremsen: Viele hätten Angst, gerade bei Eis und Schnee voll zu bremsen. Aber genau das sei das Richtige, so der Experte. Die Elektronik im Anti-Blockiersystem regele dann den Bremsvorgang optimal, so dass man das Fahrzeug noch lenken kann um auszuweichen.

Training für mehr Sicherheit

Fahrsicherheitszentren gibt es im gesamten Bundesgebiet, sie werden vom ADAC und den Landesverkehrswachten betrieben. „Die Straßenglätte wird hier durch einen sehr effektiven Gleitbelag simuliert. Im Training kann man dann bei bereits geringen Geschwindigkeiten üben, wie sich das Auto verhält, wenn es bei Schnee und Eis ausbricht“, erklärt Andreas Hölzel vom ADAC.

Die Kosten für einen Tageskurs liegen bei rund 120 Euro. An den Kursen nehmen die Autofahrer immer mit dem eigenen Wagen teil. Tückisch seien aber nicht nur Schnee und Eis. Gerade auch der Herbst mit feuchtem Laub biete mitunter gefährliche Straßenverhältnisse.

„Der Autofahrer bekommt bei den Trainings mit der Gleitfläche ein Gespür dafür, was zu tun ist, wenn er auf Glätte ins Rutschen oder Schleudern gerät“, sagt Hölzel. Entscheidend sei, dass Autofahrer bei den Übungen die Kompetenz für riskante und gefährliche Situationen erlernen und dann auch anwenden könnten. Dazu gehört beispielsweise auch der Rat, die Kupplung zu treten, wenn der Wagen ins Rutschen gerät. So kann das Auto wieder in die Spur kommen.

Besonderes Augenmerk sollten Autofahrer auf Kurven legen. Die können im Winter besonders tückisch sein, etwa wenn sie zum Teil vereist sind. „In solchen Bereichen gilt besonders: nicht stark beschleunigen, gleichmäßig lenken und auf keinen Fall die Reifen blockieren lassen“, sagt Stürmer. Denn ansonsten komme der Wagen schnell ins Rutschen.

Wer mit Schneeketten unterwegs ist, was vor allem in den Bergen notwendig sein kann, sollte das ESP ausschalten. „Das Elektronische Stabilitätsprogramm kann die Schneeketten möglicherweise daran hindern, wirklich effektiv zu arbeiten“, sagt Stürmer. Außerdem sollten Autofahrer beachten, dass in Deutschland ein Tempolimit von 50 km/h beim Fahren mit Schneeketten gilt.

Welche Schaltung ist die beste?

Bei der Frage, ob Schaltung oder Automatik die bessere Wahl ist, gehen die Meinungen oft weit auseinander. Beim Fahren auf winterlichen Straßen aber sehen Experten die Automatik im Vorteil. Das Anfahren klappt laut Hölzel auf schneeglatter Fahrbahn meist leichter. „Aber egal, ob Schaltwagen, Automatik oder Allrad – ohne gute, geeignete Reifen funktioniert bei Glätte nichts wirklich gut. Alle bremsen gleich schlecht, wenn die Reifen nicht stimmen“, sagt der ADAC-Mann.

Bei Glätte seien gute Reifen das A und O. „Die ganzen Fahrassistenzsysteme, die das Auto stabil halten sollen, arbeiten nur mit dem Grip, den gute Reifen aufbauen können.“

Mehr Abstand und gute Sichtbarkeit

Wichtig ist zudem, im Winter generell einen größeren Sicherheitsabstand einzuhalten. „Wenn andere Verkehrsteilnehmer in Schwierigkeiten geraten und beispielsweise von der Fahrbahn kommen, ist es besser, ein paar Meter mehr Abstand zu haben, um noch selbst rechtzeitig bremsen zu können“, rät Stürmer.

Sehen und gesehen werden ist in der dunklen Jahreszeit ebenfalls von großer Bedeutuung. „Das Tagfahrlicht ist gut, hilft aber den Fahrzeugen, die folgen, nicht sehr viel. Daher sollte man frühzeitig das Abblendlicht einschalten, wenn es zum Beispiel diesig wird“, sagt Stankowitz. Denn das Tagfahrlicht wirkt in der Regel nur nach vorn.

Um die eigene Sicht zu verbessern, sollten Autofahrer mithilfe der Klimaanlage die Feuchtigkeit von den Scheiben entfernen. „Das funktioniert recht gut, wenn man die Luftöffnungen direkt auf die Scheiben richtet“, weiß Stankowitz. Mitunter müsse das mehrmals wiederholt werden, bis die Scheiben wirklich trocken und warm sind.

Der DVR-Experte rät zudem Autofahrern, die bei nicht optimalen Lichtverhältnissen Schwierigkeiten hätten, ihre Autofahrt so zu planen, dass sie immer zur hellsten und damit sichersten Tageszeit unterwegs sind. „Und im Zweifelsfall sollte man das Auto auch einfach mal stehen lassen.“

RND/dpa