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Spielt eine Fee reinen Herzens: Jillian Bell ist im Weihnachts-Disney-Film „Die gute Fee“ Eleanor, die beweisen will, dass ihr Metier nicht überflüssig ist. Quelle: picture alliance / Tony Forte/Me

„Die gute Fee“: Jillian Bell rettet bei Disney+ ihr magisches Business vor der Abwicklung

Feen suchen sich seit Märchen­gedenken Menschen, denen sie helfen können. Sie leben im Motherland und sind „godmothers“, Patinnen, für Unglückliche, die einen unerfüllten Herzenswunsch haben oder noch nicht den Herzensmenschen gefunden haben. Sie sind gut, glauben entsprechend an das Gute, an den schönen Prinzen, sein Pferd, sein Schloss, das Glücklich-leben-bis-ans-Ende-aller-Tage.

Das scheint nun aber niemandes Lebenskonzept mehr auf Erden zu sein. Und so warten tatenlose Seniorinnen in einem staubigen Feenturm auf die Abwicklung ihres Geschäfts­bereichs. Zu Zahnfeen sollen sie umgeschult werden. Die Jungfee Eleanor (Jillian Bell, „22 Jump Street“, „Brittany Runs a Marathon“) ist die einzige, die glaubt, dass „Die gute Fee“ (so der deutsche Titel von Sharon Maguires Weihnachtsfilms „Godmothered“) noch ein Jobmodell mit Zukunft ist.

Vier Tage bekommt Eleanor von ihrer mit Elsa-Lanchester-Gedächtnisfrisur leicht gruslig aussehenden Chefin Moira (Jane Curtin), um das anhand eines Beispiels zu beweisen. Und in den Feen­post­fächern findet sie tatsächlich das Schreiben einer Zehnjährigen. Offenbar waren die flugfähigen, magiekundigen Damen aber schon länger berufsmüde, denn der Brief lag da schon eine halbe Ewigkeit.

Mackenzie (Isla Fisher) jedenfalls ist inzwischen eine Mittdreißigerin mit zwei Töchtern (Jillian Shae Spader, Willa Skye), einer Arbeit als Reporterin bei einem nicht ganz so angesagten örtlichen TV-Sender, deren Mann vor ein paar Jahren ums Leben kam. Sie kommt klar, aber rosarote, mollige Mädchen, die ihnen ein rosarotes Liebesidyll ausmalen, können sich gehackt legen. Auch wenn sie anfangen, ihre überirdischen Talente zu beweisen. Zauberstab und so.

Versehentlich schiebt die hartnäckige Eleanor ganz ohne Simsalabim dann doch etwas Gutes an. Sie verbessert mit einem Winterstunt das Standing von Mackenzie und ihrem Arbeitskollegen Hugh (Santiago Cabrera) bei dem hysterischen Senderchef (Utkarsh Ambudkar). Ein Anfang ist gemacht.

Alles läuft ab wie am Disney-Schnürchen

Und so läuft hier alles ab wie am Disney-Schnürchen, ein paar mittelprächtige Spannungs­hürden sind zu nehmen, bis Eleanor am Ende tatsächlich jemanden glücklich machen kann und ihm einen Schubs zu mehr Selbstliebe und Zuversicht gibt. Bis das nach ungefähr 100 Minuten passiert, ist alles nicht halb so komisch wie vor 13 Jahren, als Amy Adams als Prinzessin in „Verwünscht“ in die Menschenwelt geriet. Oder wie erst vor einer Woche, als Anna Kendrick in „Noelle“ als Tochter von Santa mit dessen Rentierschlitten in eine Mall in Phoenix, Arizona, krachte.

Dabei führte Sharon Maguire Regie, die mit „Schokolade zum Frühstück“ (2001) und „Bridget Jones’ Baby“ (2016) mindestens zwei erfolgreiche Komödien inszeniert hat. Immerhin gibt es einen hinreißenden Verweis auf Disneys „Cinderella“, und vor dem Abspann wird noch schnell das gerettete „Happily ever after“-Feenbusiness auf etwas modernere Beine gestellt.

Die guten Feen bekommen neue Ideen

Eleanor fordert Menschen auf, den Feen zu zeigen, was Liebe bei ihnen alles bedeutet. Und so hält ein schwules Paar sein Kind hoch. Und Mackenzie erzählt der Feenchefin, dass Eleanor ihr gezeigt habe, wie sie ihr Leben selbst wieder hinkriegen kann. Auch ein Ansatz. Die Zahnfeen bekommen wohl so bald keine Verstärkung.

„Die Gute Fee“, bei Disney+, 109 Minuten, Regie: Sharon Maguire, mit Jillian Bell, Isla Fisher, Jillian Shae Spader (streambar ab 4. Dezember).

Von Matthias Halbig/RND