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Der Tiger, über dessen Kopf Butler James in „Dinner for One“ notorisch stolpert, war anfangs nicht in der Aufführung enthalten. Quelle: Annemarie Aldag,/NDR/ARD/dpa

„Dinner for One“: Ein Dutzend Fakten zum Silvesterkult

Die Lady wird 90 Jahre alt, die Tafel der Gäste ist leer – sie ist die letzte Überlebende eines illustren Freundeskreises. Aber Miss Sophies gutmütiger Butler James ist bereit, stellvertretend für die Verblichenen mit Trinksprüchen einzuspringen. Mit jedem Gläschen Alkohol wird der korrekte James im Abendverlauf etwas fahriger und kommt bald schon nicht mehr zu seinen Verrichtungen ohne – zunehmend betrunken – über das verflixte Tigerfell zu stolpern. Dieser Sketch begeistert seit 1963 die deutschen Fernsehzuschauer, seit 1972 gehört „Dinner for One“ zum deutschen TV-Silvester. Am 31. Dezember läuft er in den dritten Programmen der ARD hoch und runter.

Zwölf Fakten zu dem Fernsehkult:

1. „Dinner for One“ in Hamburg aufgezeichnet

Das englischsprachige Sketchstück „Dinner for One“ wurde am 8. Juli 1963 in Deutschland fürs Fernsehen aufgezeichnet – im Hamburger Theater am Besenbinderhof. Schon am 8. März 1963 war es erstmals in der TV-Liveshow „Guten Abend, Peter Frankenfeld“ gezeigt worden.

2. „Dinner for One“ schon 1920 geschrieben

„Dinner for One“ wurde im Jahr 1920 geschrieben. Zum ersten Mal wurde der „Dinner for One“-Sketch 1948 offiziell im Duke of York’s Theatre in London im Rahmen einer Revue aufgeführt, es gibt aber auch Quellen, die die Bühnenfassung weiter zurückdatieren. Als Frinton (er war nicht der erste Butlerdarsteller) die Rolle des James übernahm, tourte er mit wechselnden Darstellerinnen durchs Land. Auch eine junge Frau namens Audrey Maye spielte die alte Lady. Die schlug ihre Mutter May Warden vor, als sie die Produktion verließ. So kam die Sketchbesetzung zustande, die dann 1963 durch die Hamburger Aufzeichnung populär wurde.

3. Butlerdarsteller Freddie Frinton verweigerte sich deutscher Version

In englischer Sprache wurde „Dinner for One“ deshalb fürs deutsche Fernsehen aufgenommen, weil Butlerdarsteller Freddie Frinton sich einer deutschen Version verweigerte. Frinton hatte – bedingt durch den Zweiten Weltkrieg – eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Deutschland.

4. Skandinavisches „Skol“ statt deutschem „Prost“ wegen Deutschland-Abneigung

Der Weltkriegsveteran Frinton war Deutschland sogar derart abgeneigt, dass er als Toast des Admiral von Schneider ein skandinavischen „Skol!“ ausruft statt ein deutsches „Prost!“. Das wird auch als eine Erklärung dafür herangezogen, warum er, wenn Miss Sophie ihm den Part des Admirals abverlangt, jedes Mal (auf Englisch) „Muss ich wirklich?“ fragt. Eine andere Sichtweise auf James‘ Unwillen ist, dass ihm das zackige, preußische Zusammenschlagen der Hacken Knöchelschmerzen verursacht.

5. Tiger war anfangs nicht in Aufführung enthalten

Der Tiger, über dessen Kopf der Butler notorisch stolpert (insgesamt elfmal), war anfangs nicht in der Aufführung enthalten. Er wurde angeblich auf Wunsch des Bürgermeisters einer Stadt hinzugefügt, durch die das Ensemble tourte. Der erste Stolperer Frintons über das Raubkatzenfell war denn auch zufällig. Brachte ihm aber so viele Lacher, dass der Tiger integriert wurde.

6. „Dinner for One“ in England erst 2018 erstmals zu Silvester zu sehen

„Dinner for One“ wird zu Silvester in vielen Ländern gezeigt, außer in Deutschland unter anderem auch in Finnland, Dänemark, Schweden, der Schweiz, Österreich und Australien – in Freddie Frintons Heimat England dagegen war er zum ersten Mal an Silvester 2018 zu sehen. Dass sich die Show vielerorts als Silvesterprogramm durchsetzte, liegt womöglich an dem Spruch, den Butler James anstelle des abwesenden Mr. Pommeroy aufsagt: „Happy new year, Miss Sophie“, bezogen auf das bevorstehende 91. Lebensjahr des Geburtstagskindes.

7. Schweden sorgt sich um Vorbildfunktion wegen des vielen Alkohols

Schweden war nicht gleich Feuer und Flamme – bis 1969 wurde „Dinner for One“ dort nicht gezeigt. Man trug Sorge, dass der extreme Alkoholverbrauch im Film die Landsleute animieren könnte, es Butler James gleichzutun.

8. 18-mal trinkt James auf Miss Sophie

18-mal trinkt James auf Miss Sophies 90. Geburtstag. Nicht eingerechnet ist der Schluck aus einer Blumenvase, nach dem er (auf Englisch) „Ich bring’ die Katze um!“ brummelt.

9. Das sind die Getränke der Party

Die Getränke der Geburtstagsfeier: Sherry, Weißwein, Champagner, Portwein.

10. ... und das die Speisekarte

Was auf der Speisekarte des Abends steht? Mulligatawny-Suppe (eine scharf gewürzte Currysuppe, basierend auf einem indischen Rezept), Nordsee-Schellfisch, Hühnchen und Früchte.

11. Deutscher Zuschauerrekord im Jahr 2004

Nach Deutschland kam der Sketch, nachdem der deutsche TV-Showmaster Peter Frankenfeld ihn 1962 in den Winter Gardens von Blackpool gesehen hatte. Der Zuschauerrekord im deutschen Fernsehen war 2004. Damals sahen 15,6 Millionen „Dinner for One“. Inzwischen gibt es viele Parodien – unter anderem eine mit Otto Waalkes und Ralf Schmitz, die das trinkfreudige Geschehen ins Jahr 2038 verlegt.

12. In der DDR hieß „Dinner for One“ stattdessen „Erinnerungsmahl“

In der DDR wurde „Dinner for One“ auch gesendet – zwischen 1978 und 1987 unter dem Titel „Erinnerungsmahl“ und mit anderen Schauspielern. Erst 1988 wurde die Version mit Frinton und Warden gezeigt.

RND/big

 

 

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