Yu und Kay sind das Heldenpaar dieser Geschichte, und sie wirken noch einigermaßen frisch verliebt. Quelle: Jan Bojaryn

Rollenspiel „Haven“ im Test: romantische Isolation und originelle Ideen

Isolation zu zweit – wenn gerade keine Pandemie ist, klingt das romantisch. Sie sind in einer fremden, fernen Zukunft vor einer Gesellschaft geflohen, die ihnen die Lebenspartner vorschreiben wollte. Nun sind die beiden auf einem geheimnisvollen Planeten gestrandet. Hier erforschen sie das Land, sammeln Ressourcen zum Überleben und schrauben an ihrem kaputten Raumschiff herum.

„Haven“ ist ein romantisches Rollenspiel. Ganz neu ist das Genre nicht, aber es pflegt ein Nischendasein. Dieses Abenteuer könnte neue Spieler ansprechen; es ist mit seinen knalligen Designs und dem verträumtem Elektropop sichtbar von französischen Sci-Fi-Comics inspiriert. Das sieht auch dann schick aus, wenn man die Originale nicht kennt. Und für Abonnenten eines Xbox-Game-Pass ist das Spiel kostenlos.

Inseltrip mit originellen Ideen

Grundsätzlich spielt sich „Haven“ so ähnlich wie andere Rollenspiele auch: Erkunden, Kämpfen und stärker werden geben dem Spiel seinen Rhythmus. Doch im Detail hat dieser Inseltrip originelle Ideen. Spieler erkunden die fremdartige Landschaft aus fliegenden Inseln, indem sie auf Antigravitationsstiefeln über die Wiesen schweben und leuchtende Energieschnüre entlangsurfen. Sie sammeln appetitliche Alienfrüchte, bergen brauchbaren Schrott für ihr Schiff und befreien das außerirdische Ökosystem von einer Art Rost, der sich wie eine Ölpest über das Land legt.

Die Macht der Liebe

Statt sich dramatisch zuzuspitzen, zelebriert „Haven“ die Entspannung. Yu und Kay plaudern laufend miteinander, flirten und machen Scherze. Wenn sie dabei gerade nicht zu viel von der Geschichte erklären müssen, dann ergeben sich witzige und menschliche Plaudereien, wie sie selten in Videospielen zu hören sind. Es ist herzerwärmend, wie die beiden füreinander einstehen. Für Spieler ergibt sich daraus ein Gefühl der Sicherheit.

Yu und Kay können sich mit einer Umarmung heilen und muntern einander auf, wenn es brenzlig wird. Große Gefahren gibt es im Spiel nicht. Selbst, wenn sie einen Kampf gegen ein großes, tollwütiges Tier verlieren, schleppen sie sich automatisch zurück zu einem sicheren Lager und verschnaufen. Wer will, kann auch jederzeit die Schwierigkeit bestimmter Spielelemente runterregeln.

Der Flow braucht etwas Zeit

In „Haven“ geht es durchaus um ernste Themen, aber es erzählt betont ruhig und stellt sein Paar in den Vordergrund. Das führt zu einem Gefühl der Harmonie. Das Spiel sieht schön aus, es klingt warm, und es fordert seine Spieler nicht übermäßig heraus. Anfangs ist die Steuerung etwas zu kompliziert: Das Surfen auf den Stiefeln und den Rhythmus des Kampfsystems müssen Spieler erst lernen, einige Details werden schlecht erklärt. Aber wer dabei bleibt, der kann selbst in einen Flow geraten und elegant mit Yu und Kay durch den Rost pflügen.

Am besten in Häppchen genießen

Wer zu lange herumsurft, der dürfte allerdings aus dem Flow heraus mitten in die Langeweile rutschen. Die komplette Geschichte von „Haven“ dauert locker zehn Stunden, bei zurückgelehnten Spielern auch länger. Aber sie bewegt sich zu langsam, wiederholt sich zu viel, um über lange Spielstrecken Spaß zu machen. Richtig gut ist „Haven“ in Häppchen, nicht länger als eine Stunde. Dann fühlt es sich an, wie ein Kurzausflug in eine andere Welt.

„Haven“ ist für Xbox, Playstation und PC erhältlich, eine Version für Switch wird noch entwickelt. Es ist für 25 Euro oder ohne Aufpreis im Xbox-Game-Pass erhältlich.

Von Jan Bojaryn/RND