Kommissarin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher, rechts) und ihre Kollegin Tessa Ott (Carol Schuler) im neuen „Tatort: Schoggiläbe“. Quelle: ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek

Carol Schuler und Anna Pieri Zuercher wollen mehr Experimente im Schweizer „Tatort“

Der neue „Tatort“-Fall wird für Ihre beiden Ermittlerinnen persönlich. Isabelle Grandjean zweifelt an ihrem Dasein als Ermittlerin in Zürich und fühlt sich dort nicht wohl. Hatten Sie so ein Gefühl der Heimatlosigkeit schon mal?

Anna Pieri Zuercher: Ja, ich habe sechs oder sieben Jahre in Frankreich gelebt. Dann wollte ich wieder in die Schweiz, da habe ich das gefühlt.

Carol Schuler: Ich habe eigentlich noch nie Heimweh verspürt, ich habe eher immer Fernweh. Ich bin froh, wenn ich unterwegs bin und nicht zu lange am selben Ort. Ich wohne jetzt zwar schon lange in Berlin, aber bin durch meinen Beruf auch immer viel unterwegs. Das brauche ich. Stillstand ist für mich schwer auszuhalten.

Bei den Szenen mit Grandjean könnte der Zuschauer Sorge haben, dass Sie, Frau Pieri Zuercher, schon nach Fall zwei wieder aussteigen. Haben Sie beide Pläne, wie lange Sie beim „Tatort“ bleiben wollen?

Pieri Zuercher: Solange es mir Spaß macht. (lacht) Wir drehen jetzt Fall drei und vier, die Bücher für die nächsten Fälle werden auch schon geschrieben. Wir haben so viel Spaß dabei, zusammenzuarbeiten, dass ich hoffe, dass es noch ein bisschen dauert.

Schuler: Ja, ein paar Fälle werden wir auf jeden Fall noch machen, auch einfach, weil wir uns gefunden haben. Solange ich das Gefühl habe, dass es inspirierend ist und man etwas Tolles erschaffen kann, bleibe ich auch dabei.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der beiden Ermittlerinnen?

Schuler: Ich freue mich immer über Experimente. Im neuen Fall machen wir zum Beispiel mal die vierte Wand auf und reden direkt in die Kamera, damit es theatralischer wirkt. Ich bin auch ein großer Fan von den Tukur-„Tatorten“, die immer so ein bisschen anders sind. Wir schauen mal, was da in der Schweiz noch geht – ob wir da noch kreativer werden können. Anna und ich probieren auch immer, die musikalische Seite hineinzubringen.

Pieri Zuercher: Genau, wir sind beide auch Musikerinnen und warten noch auf eine Szene, in der Carol singt und ich Klavier spiele.

Haben Sie einen Traum, was Sie im „Tatort“ ansonsten gern mal ausprobieren wollen?

Schuler: Wir hätten gern mal ein „Tatort“-Musical, in dem nur gesungen wird.

Pieri Zuercher: Wir hatten auch diese Idee, dass wir beide alt sind – eine Art Zeitreise in die Zukunft.

Schuler: Genau, wir haben ja im ersten Fall „Züri brännt“ schon eine Reise in die Vergangenheit gemacht, und jetzt würden wir gern in die Zukunft reisen, und Grandjean und Ott sind dann schon 80 und müssen mit dem Rollator irgendwelche Schurken finden.

Wenn Sie gern experimentelle Filme mögen: Warum haben Sie sich für den „Tatort“ entschieden? Den gibt es ja nun schon seit 50 Jahren, und er ist ein recht traditionelles Format, in dem es fast immer am Anfang einen Mord gibt, der am Ende aufgeklärt ist.

Schuler: Das ist eine sehr gute Frage. (lacht) Für mich war es eine totale Überraschung, dass ich das Angebot für die Rolle im „Tatort“ bekommen habe. Ich habe vorher noch nie eine Polizistin oder eine Kommissarin gespielt, sondern meist Figuren, die auf der anderen Seite des Gesetzes standen. Für mich ist das eine Herausforderung, so eine Rolle zu füllen, und außerdem ist es toll, wenn man so was über längere Zeit ausprobieren und immer wieder neue Facetten der Figur zeigen kann. Ich hätte vor fünf Jahren nicht gedacht, dass ich mal „Tatort“-Kommissarin werde. Aber ich nehme Herausforderungen immer gern an.

Pieri Zuercher: Ich habe nie davon geträumt, mal im „Tatort“ mitzuspielen, weil meine Muttersprache Französisch ist. Aber ich finde, Polizisten sind ein bisschen wie Superhelden – und ich liebe es, Superhelden zu spielen. Die gewinnen immer am Ende. (lacht)

Tessa Ott kämpft im neuen Fall mit ihrer Angst zu schießen. Hatten Sie vor Ihrem Start beim „Tatort“ mal eine echte Waffe in der Hand oder haben Schießtraining gemacht?

Schuler: Wir haben Schießtraining bei der Kantonspolizei hier in Zürich gemacht ...

Pieri Zuercher: … um auch zu wissen, wie man eine Waffe hält. Am Anfang hat das etwas Angst gemacht: Man kann damit einfach jemanden töten, das ist kein Spiel. Aber dann hat es auch Spaß gemacht. Es sorgt für Adrenalin, wenn man schießt.

Wer von Ihnen kann besser mit der Waffe umgehen?

Pieri Zuercher: Ich.

Schuler: Ja, Anna. (beide lachen)

Durch die Angst vorm Schießen bringt Tessa sich und Isabelle in eine lebensgefährliche Situation. Für Ermittlerin Isabelle ist die Situation besonders schwer, weil sie so perfektionistisch ist. Wie ticken Sie in der Hinsicht?

Schuler: Ich bin gar nicht so perfektionistisch. Ich bin da eher wie Tessa, dass ich intuitiv handele. So bin ich auch immer gut durchgekommen. Ich kann gut improvisieren, aber etwas ganz perfekt machen, das weiß ich nicht.

Pieri Zuercher: Ich denke, ich bin die perfekte Mischung zwischen chaotisch und perfektionistisch. Aber ich brauche viel Zeit, um die Sachen perfekt zu machen, weil ich so chaotisch bin. Das ist ein bisschen mein Lebensproblem. Wenn ich eine Mail schreiben muss, kann ich zum Beispiel Stunden dafür brauchen.

Dann passen Sie ja schon ein bisschen zu Ihren jeweiligen Ermittlerinnen.

Pieri Zuercher: Ja, aber ich lache viel mehr als Isabelle.

Schuler: … und ich habe meine Gefühle schon ein bisschen besser unter Kontrolle als Tessa.

Von Hannah Scheiwe/RND