In der spanischen Stadt Sevilla wachsen schätzungsweise 48.000 Orangenbäume. Quelle: Oxy Design/Unsplash

Die Kraft des Saftes: Sevilla will aus überschüssigen Orangen Strom erzeugen

Sevilla. 48.000 Bäume, 5,7 Millionen Kilogramm Früchte: Der Duft der Orangen markiert im Frühling die spanische Stadt Sevilla. Die zahlreichen Bäume, auf denen Bitterorangen wachsen, zieren die Straßen und Marktplätze. Es regnet förmlich Früchte – doch gerade das bereitet der Stadt Kopfzerbrechen. Denn viele reife Orangen fallen vom Baum und verderben auf dem Boden.

Damit soll nun Schluss sein. Das städtische Wasserversorgungsunternehmen Emasesa will 35 Tonnen der Früchte in Strom umwandeln, wie der „Guardian“ berichtet. Dieser soll genutzt werden, um die Wasseraufbereitungsanlagen in Sevilla zu betreiben. „Wir hoffen, dass wir bald alle Orangen der Stadt recyceln können“, sagte der Umweltbeauftragte von Emasesa, Benigno López, der britischen Zeitung.

Orangensaft entfaltet im Gärungsprozess seine Kraft

López beschreibt das Recyclingverfahren so: Die Orangen kommen zunächst in die Biogasanlage der Kläranlage, wo sie vergären. Anschließend wird das dadurch entstehende Methan genutzt, um einen Generator anzutreiben. „Der Saft enthält Fruktose, die aus sehr kurzen Kohlenstoffketten besteht, und die energetische Leistung dieser Kohlenstoffketten ist während des Gärungsprozesses sehr hoch“, sagt López. Was danach noch von den Orangen übrig bleibt, soll ebenfalls genutzt werden – und zwar als Dünger, der auf den Feldern rund um Sevilla verteilt wird.

Es gehe bei der Nutzung der Orangen nicht darum, Geld zu sparen, betont López: Orangen seien ein Problem für die Stadt – und mit dem Recycling könne Emasesa einen Mehrwert aus dem Abfall gewinnen. In 1000 Kilogramm Orangen stecken schätzungsweise etwa 50 Kilowattstunden Strom, wie der „Guardian“ unter Berufung auf Emasesa berichtet. Das sei genug, um fünf Häuser für einen Tag mit Strom zu versorgen.

Sevillas Bürgermeister: „Ein Vorbild für Spanien“

Sevillas Bürgermeister Juan Espadas Cejas zeigt sich erfreut über das Projekt: „Emasesa ist jetzt ein Vorbild für Spanien, was Nachhaltigkeit und den Kampf gegen den Klimawandel angeht“, sagte er auf einer Pressekonferenz. Das Recycling der Orangen werde der Stadt helfen, die Ziele zur Reduzierung der CO₂-Emissionen zu erreichen.

Die Region erntet rund 15.000 Tonnen Orangen pro Jahr. Die meisten Früchte werden nach Großbritannien exportiert, wo sie zu Marmelade verarbeitet werden. Die Bitterorangen wurden vor etwa 1000 Jahren von Arabern nach Spanien gebracht. Die Früchte haben sich gut an das südspanische Klima angepasst, wie der Leiter der städtischen Parkabteilung, Fernando Mora Figuera, dem „Guardian“ sagte.

RND/bk