Der Moderator Jan Hahn im Jahr 2012 beim Jubiläum des „Sat.1-Frühstücksfernsehens“. Quelle: imago stock&people

Zum Tod von Jan Hahn: Der freundliche Aufwecker

Köln. Kaum ein Format bei den Privatsendern hat eine solche Traditionsgeschichte wie die Morgensendungen. Immer fröhlich, immer freundlich, ein kleines bisschen belanglos, aber unglaublich beliebt.

Das „Frühstücksfernsehen“ bei Sat.1 ist unter verschiedenen Namen bereits seit 1987 auf Sendung, ebenso die Morgensendung bei RTL, zuletzt als „Guten Morgen Deutschland“. Einer, der sowohl die eine als auch die andere Sendung moderieren konnte, war Jan Hahn.

Jan Hahn gehörte zu bekanntesten Gesichtern des deutschen Aufweckfernsehens

Der 47-Jährige gehörte wohl zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Aufweckfernsehens. Elf Jahre lang stand er für das Sat.1-Publikum vor der Kamera. Hier präsentierte er selbst zu den ungemütlichsten Uhrzeiten lockere Doppelmoderationen, etwa mit seiner Kollegin Marlene Lufen. Stets gut gelaunt – ein Moderator ohne Kanten, der aber nie um einen platten Gag verlegen war.

2016 schenkte ihm die Redaktion der Sendung daher einen Best-of-Film, der heute noch auf Youtube zu sehen ist. Kein Moderator habe je so lange am Stück die Sat.1-Sendung moderiert, erklärt seine Kollegin Marlene Lufen in der Anmoderation. Nur Hahns Südostasienreisen hätten immer mal wieder für kleinere Unterbrechungen gesorgt.

Hahn beim Sport mit Will Smith

In dem Film sind die Highlights von Hahns „Frühstücksfernsehen“-Karriere zu sehen. Mal strampelte er mit Will Smith auf einem Heimtrainer, mal zeigt er in Einspielern seinen Einsatz im Fitnessstudio, beim Wintersport oder beim Reiten. Mit dem Schauspieler Kevin James zockelte der Moderator per Segway durchs Berliner Studio, auch Hugh Jackman saß mit ihm auf der „Frühstücksfernsehen“-Couch.

2017 dann verkündete Hahn seinen Abschied bei Sat.1: Er wechselte überraschend nach elf Jahren und mit großem Medienecho ins Programm von RTL, wo er zunächst eine Wiederauflage des „Glückrads“ moderierte. Doch auch von den frühen Uhrzeiten kam der Moderator nicht los: Zusammen mit Susanna Ohlen moderierte Hahn zuletzt auch bei RTL die Morgensendung „Guten Morgen Deutschland“.

Die Karriere des 47-Jährigen begann dabei deutlich unaufgeregter und zwar fernab von Kameras und Scheinwerferlicht. Beim Radiosender Energy Sachsen war der gebürtige Leipziger 1996 Musikchef und Moderator der Sendung „NRJ Drivetime“, ehe er ein Jahr später zum öffentlich-rechtlichen Sender MDR Sputnik wechselte.

Hahn hatte ein Faible für Morningshows

Hier muss Hahn auch seine Vorliebe fürs frühe Aufstehen entdeckt haben. Mit „Fett geweckt – Jan Hahns neuer Morgen“ moderierte er seine allererste Morgensendung. Ebenfalls beim MDR sammelte Hahn auch erste Fernseherfahrungen.

Zwischendurch folgten Stationen beim Radiosender Energy 103,4 sowie erste Erfahrungen im Privatfernsehen, etwa in der Pro-Sieben-Sendung „SAM“. Beim MDR moderierte Hahn 2003 sein eigenes Fernsehformat „Liebesgrüße aus …“. 2005 folgte dann der Wechsel zu Sat.1 und zum „Frühstücksfernsehen“.

Neben seiner Moderatorenkarriere war Hahn auch gelegentlich als Schauspieler tätig. Im Video zum Song „Altogether Ooky“ der Bloodhound Gang hat Hahn einen kurzen Gastauftritt. Auch in der Telenovela „Anna und die Liebe“ spielte er in zwei Folgen als Gast mit. 2011 mimte der Moderator einen Polizeioberkommissar in einer Folge der Fernsehserie „Der letzte Bulle“.

„Wir sind ja noch jung“

Sportlichen Einsatz zeigte Hahn nicht nur regelmäßig beim „Frühstücksfernsehen“, sondern auch in anderen Sendungen der Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe. 2010 und 2011 trat er beispielsweise als Teilnehmer bei der „TV total Wok-WM“ auf. 2016 veröffentlichte er gemeinsam mit Felix Bauer den Ratgeber „Meine Sixpack-Challenge“.

2016, als offenbar noch niemand etwas von Hahns Abschied ahnte, saß der Moderator mit seiner Kollegin Marlene Lufen auf dem grauen „Frühstücksfernsehen“-Sofa mit bunten Kissen und machte Scherze – wie jeden Tag. Beide hatten sich gerade den Jubiläumsfilm des Moderators angeguckt, Hahn schien etwas gerührt von der Überraschung seiner Redaktion. „Das ist jetzt ganz freundlich von euch“, so der Moderator.

Und dann machte Hahn seiner Kollegin einen Vorschlag: „Aber die nächsten elf Jahre [moderieren wir] zusammen, oder? Ne, die nächsten 22 Jahre. Wir sind ja noch jung.“

Ein Wunsch, der sich nicht erfüllen sollte. Nur ein Jahr später wechselte Hahn zur Konkurrenz RTL. Am Dienstag starb der Moderator im Alter von 47 Jahren. Er hinterlässt seine Lebensgefährtin und drei Kinder.

Von Matthias Schwarzer/RND