Darnella Frazier (Dritte von rechts) filmte die Tötung von George Floyd. Quelle: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Pulitzerpreise: Teenagerin für Handyvideo von George Floyds Tötung gewürdigt

New York. Die Tageszeitung „Star Tribune“ in Minneapolis hat für ihre Berichterstattung über die Tötung von George Floyd und deren Folgen einen renommierten Pulitzerpreis erhalten. Die Zeitung reüssierte in der Kategorie Eilnachrichten, wie die Jury am Freitag bekannt gab.

Videoaufnahmen zeigten, wie der weiße Beamte am 25. Mai 2020 bis zu neuneinhalb Minuten lang das Knie auf den Hals Floyds presst, obwohl dieser immer wieder über Atemnot klagt. Journalisten der „Star Tribune“ begleiteten darauffolgende Unruhen, bei denen Protestierende Gebäude in Band steckten, darunter eine Polizeiwache. Die Berichte seien „eindringlich, verlässlich und nuanciert“ gewesen, lobten die Juroren.

Jury: Darnella Frazier hat „couragiert den Mord an George Floyd gefilmt“

Bei der Vergabe der Pulitzerpreise wurde auch die Teenagerin gewürdigt, deren Handyvideo von der Tötung des Schwarzen George Floyds eine weltweite Protestbewegung gegen rassistische Ungerechtigkeit auslöste. Darnella Frazier habe „couragiert den Mord an George Floyd gefilmt“, hieß es in der ehrenvollen Erwähnung der Jury vom Freitag. Das Video habe Proteste gegen Polizeibrutalität auf der ganzen Welt entfacht und die wichtige Rolle von Bürgerjournalisten bei der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit unterstrichen. Frazier war 17, als sie im Mai 2020 das Handyvideo von Floyds Tötung bei einer Festnahme machte.

Auch an vielen anderen Orten der USA lösten die Bilder vom Todeskampf des Afroamerikaners Floyd teils gewaltsame Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus, auch weit über die Grenzen Amerikas.

„New York Times“ für Corona-Berichterstattung ausgezeichnet

Den Preis in der Königskategorie „Dienst an der Öffentlichkeit“ gewann die „New York Times“ für ihre „mutige, vorausschauende und umfassende“ Berichterstattung über die Corona-Pandemie, wie die Organisatoren am Freitag in New York mitteilten.

Für Corona-Berichterstattung wurde zudem unter anderem auch der Journalist Ed Yong vom Magazin „The Atlantic“ und der Fotograf Emilio Morenatti von der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) geehrt, der eine Serie von Bildern über die Auswirkungen der Pandemie auf ältere Menschen in Spanien gemacht hatte.

14 der 21 Kategorien der Pulitzerpreise sind journalistischen Arbeiten vorbehalten, von investigativen Geschichten über Fotos bis zu Karikaturen. Die Auszeichnung wird aber auch für Literatur sowie für Musik und Theater vergeben.

Aufgrund der Pandemie hatten das Organisationskomitee die Teilnahmeregeln für Theaterautoren und -autorinnen geändert. Weil wegen der Pandemie ein Großteil der Bühnen schließen musste, waren nun auch Stücke zulässig, deren Aufführungen verschoben oder ganz abgesagt werden mussten – oder solche, die nicht in Theatern, sondern beispielsweise unter freiem Himmel oder im Internet aufgeführt wurden. Es gewann die Autorin Katori Hall für ihr Stück „The Hot Wing King“, das im Februar 2020 noch in New York uraufgeführt werden konnte.

US‑Autorin mit deutschen Wurzeln gewinnt Pulitzerpreis

Mit einem Pulitzerpreis für ihren jüngsten Roman „The Night Watchman“ wurde auch die Schriftstellerin Louise Erdrich (67), US‑Amerikanerin mit deutschen und indigenen Wurzeln, ausgezeichnet. Erdrich setzte sich gegen die beiden anderen Finalisten Daniel Mason und Percival Everett in der Kategorie „Literatur“ durch, wie die Organisierenden mitteilten. Das Buch basiert auf dem Leben von Erdrichs Großvater, der als Nachtwächter arbeitete. Es sei ein „majestätisches, polyphones“ Buch, urteilte die Jury.

Die Pulitzerpreise werden in diesem Jahr bereits zum 105. Mal verliehen. Die Preisträger und Preisträgerinnen bestimmt eine Jury, die an der New Yorker Columbia-Universität angesiedelt ist. Ihre Ehrungen sollen die Ausgezeichneten im Herbst persönlich dort in Empfang nehmen können. Wegen der Corona-Pandemie war die eigentlich für April geplante Verkündung der Auszeichnungen, die zu den bedeutendsten Ehrungen im Journalismus gehören, verschoben worden. Im vergangenen Jahr war die Verkündung wegen der Pandemie ebenfalls um einige Wochen verschoben worden. Unter anderem war damals die „New York Times“ für ihre Russland-Berichterstattung ausgezeichnet worden.

RND/AP/dpa/seb