Eine Space-X-Falcon-9-Rakete mit vier Privatpersonen an Bord hebt von der Rampe 39A des Kennedy Space Centers ab. Zum ersten Mal in der 60-jährigen Geschichte der bemannten Raumfahrt wird eine Rakete ohne professionelle Astronauten, sondern nur mit vier Touristen an Bord in den Orbit geschossen. Quelle: Chris O'meara/AP/dpa

Space X schickt Touristen alleine ins All: Wer ist dabei und wie viel kostet das?

Der nächste Milliardär hat sich ins All aufgemacht: Jared Isaacman ist in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida in Richtung Weltraum gestartet. An Bord der „Dragon“-Raumkapsel sind eine Arzthelferin, eine Künstlerin und ein zweifacher Vater, aber keine ausgebildeten Astronauten oder Astronautinnen. Der Titel der Mission: „Inspiration4″.

Wie läuft Mission „Inspiration4“ ab?

Die Mission dauert drei Tage. Dabei wird das „Dragon“-Raumschiff von Space X die Erde mit einer Geschwindigkeit von 30.000 Kilometern pro Stunde umrunden. Es befindet sich währenddessen in einer Höhe von rund 580 Kilometern, also weiter im All als die Internationale Raumstation (ISS) oder das Hubble-Teleskop. Während des Trips soll die Crew auch einige Experimente machen.

Wer ist dabei?

Die Crew der „Inspiration4“ kannte sich, bevor die Vorbereitungen für den Flug begannen, nicht. Finanziert wird das ganze Unterfangen von Jared Isaacman, Geschäftsmann und ein erfahrener Pilot. Mit 16 Jahren gründete der Schulabbrecher den heute unter dem Namen Shift4 Payments bekannten Zahlungsabwicklungsdienst. „Ich bin Weltraumfan seit dem Kindergarten“, sagte der 38-Jährige im Vorfeld.

Isaacman suchte sich zudem die Arzthelferin Hayley Arceneau für seinen Flug aus. Als Mädchen wurde bei Arceneau ein Knochentumor im Bein festgestellt. Sie ist der erste Mensch, der mit einer Prothese ins All fliegt. Die 29-jährige Arceneau arbeitet am Kinderkrankenhaus St. Jude in Memphis, Tennessee. Der Flug soll, so die offizielle Mission, Aufmerksamkeit und Spenden für das Krankenhaus sammeln. Isaacman selbst spendete 100 Millionen Dollar.

Die beiden anderen Tickets wurden über Spendenaktionen verlost. Die 51-jährige Sian Proctor ist Geowissenschaftlerin, Künstlerin und Wissenschaftskommunikatorin. 2009 gehörte sie zu den Finalistinnen des Nasa-Auswahlprozesses für neue Astronauten und Astronautinnen, wurde aber nicht genommen. Christopher Sembroski, 41 Jahre, ist Raumfahrtingenieur und war als Air-Force-Soldat im Irak. Der zweifache Vater springt für einen Freund ein, der das Ticket ursprünglich erhalten hatte.

Ist das nicht gefährlich? Drei Tage im All ohne professionelle Unterstützung?

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist eine ausschließlich mit Laien besetzte Rakete zu einer Mission ins All gestartet. Im Gegensatz zu den Weltraumflügen, die die Milliardäre Jeff Bezos und Richard Branson dieses Jahr absolviert haben, wird die Crew dabei nicht nur für wenige Minuten ins All fliegen. Für professionelle Astronauten und Astronautinnen dauern die Vorbereitungen auf einen Einsatz im All normalerweise Jahre.

Das „Dragon“-Raumschiff steuert sich allerdings im Prinzip von alleine. „Es ist, als ob jemand eine sich selbst steuernde Jacht mietet und damit in den Weltraum segelt“, erklärt der Raumfahrthistoriker John Logsdon der „Washington Post“. Die „Dragon“ wird von Space X sonst auch genutzt, um bis zu sieben Astronauten und Astronautinnen oder bis zu sechs Tonnen Ladungen zur Internationalen Raumstation (ISS) zu transportieren. Auch Esa-Astronaut Matthias Maurer soll im Herbst mit einer „Dragon“ zur ISS fliegen.

Zur Vorbereitung auf den Flug ins All hat die Crew in den vergangenen Monaten gemeinsam trainiert. „Wir mussten eine Menge lernen“, erzählte Isaacman gegenüber Space.com. Doch nachdem die Theorie durchgearbeitet gewesen sei, habe der „lustige Teil“ begonnen. Dann habe man verschiedene Situationen simuliert. Auch eine Expedition am Mount Rainer in Washington gehörte dazu. Doch obwohl zu der Crew erfahrene Piloten gehören: Ganz ohne Risiko ist ein Flug ins All nie.

Was kostet das?

Isaacman finanziert den kompletten Flug. Wie tief er dafür in die Tasche greifen musste, verriet der Milliardär im Vorfeld jedoch nicht. Spekuliert wird über eine Summe von rund 200 Millionen US-Dollar: Die Nasa, so der Fernsehsender CNBC, zahle an Space X rund 55 Millionen Dollar pro Astronaut oder Astronautin, die mit der „Dragon“ zur ISS geflogen werden.

Isaacmans Vermögen beträgt laut „Forbes“ derzeit rund 2,4 Milliarden Dollar. Ob es sich bei der Mission also um den „ersten Schritt in eine Welt, in der sich jeder zwischen die Sterne wagen kann“, handelt, wie Isaacman es poetisch ausdrückte, darf man bezweifeln.

Was hat Elon Musk damit zu tun?

Für Space-X-Gründer Elon Musk steht mit „Inspiration4“ einiges auf dem Spiel. Kommen die vier Passagiere heil wieder zur Erde zurück, dann ist die nächste Phase des Weltraumtourismus offiziell eingeläutet. „Es ist wichtig, weil nach 70 Jahren mit Diskussionen darüber, dass es nicht mehr lange dauern würde, bevor wir alle ins All fliegen, es jetzt endlich klappt für Laien“, sagte der frühere Nasa-Manager Alan Ladwig der „Washington Post“.

Musk, aber auch Amazon-Gründer Jeff Bezos und Milliardär Richard Branson setzen große Hoffnungen auf das Geschäft mit dem Weltraumtourismus. Es ist keine einfache Branche: Anfang des Monats erst hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA Bransons Raumschiff „SpaceShipTwo“ nach Problemen bei einem Testflug vorerst die Starterlaubnis entzogen. Die Firma wirbt trotzdem weiter für ihre Ticketverkäufe, ebenso wie Bezos’ Firma Blue Origin, die schon mindestens zwei weitere Flüge für dieses Jahr angekündigt hat.

Mit dpa

Von Anna Schughart/RND