Heiße Lava fließt vom Ätna. Der Vulkan ist erneut ausgebrochen. Quelle: Salvatore Allegra/AP/dpa

Vulkanausbrüche auf La Palma und Sizilien: Gibt es einen Zusammenhang?

Magma bahnt sich seit Sonntag seinen Weg aus dem Vulkan auf La Palma, einer der Kanarischen Inseln. Am Dienstag bricht auf der italienischen Insel Sizilien abermals der Ätna aus. Existiert da etwa ein Zusammenhang? „Nein. Das ist eine Laune der Natur und Zufall“, sagt Andreas Klügel, Experte für Vulkane auf den Kanarischen Inseln. „Der Ätna bricht sowieso ständig aus. Der Ausbruch in La Palma und die dortigen Erdbeben sind zu klein, als dass ein Zusammenhang irgendwie denkbar wäre“, erklärt der Geowissenschaftler an der Universität Bremen.

Dem stimmt Vulkanologin Nicole Richter zu. „Ja, das ist kompletter Zufall“, sagt die Wissenschaftlerin des Deutschen Geoforschungszentrums des Helmholtz-Zentrums Potsdam. Nicht nur, dass rund 3000 Kilometer Luftlinie den Ätna in Italien und den Vulkan auf La Palma trennen: Es würden auch ganz unterschiedliche tektonische Vorbedingungen vorliegen.

Verschiedene Typen von Vulkanen

Die Kanarischen Inseln entstanden durch Hot-Spot-Vulkanismus. Sie liegen über einer Anomalie des Erdmantels, diese kann man sich – vereinfacht – wie einen Pilz vorstellen. Heißes Erdmantelmaterial sammelt sich unter der Erdkruste, ein Teil davon durchdringt diese und lässt am Ozeanboden einen Vulkan entstehen.

Der Ätna dagegen entstand an einem sogenannten komplexen Störungssystem. Die Erdkruste besteht aus einzelnen tektonischen Platten, die sich mit Geschwindigkeiten von wenigen Zentimetern pro Jahr bewegen. An den Plattengrenzen, die sich voneinander entfernen, sich aneinander vorbeischieben oder auch untereinander subduzieren – also abtauchen –, kann das Entstehen und Aufsteigen von Magma begünstigt werden.

Vulkane brechen unabhängig voneinander aus

Manchmal passiert es aber doch, dass sich Vulkane Magma-Reservoirs teilen. Dieses Phänomen sei seltener und die Vulkane würden dann sehr dicht beieinander liegen, weiß Alina Shevchenko, die ebenfalls im Deutschen Geoforschungszentrum arbeitet. Ein Beispiel dafür sei die russische Halbinsel Kamtschatka und die dortige Klyuchevskoy-Vulkangruppe. „Eine aktuelle Studie über drei dortige Vulkane zeigt korrelierende Aktivitäten“, sagt sie. Das deute darauf hin, dass zwar jeder Vulkan als eigenständiges System funktioniere, aber diese miteinander verbunden sind.

Wenn zwei Vulkane weiter auseinander liegen, passiere es in der Regel nicht, dass der Ausbruch des einen den anderen ebenfalls ausbrechen lässt, sagt Geowissenschaftler Klügel. Die Erdbeben, die in Verbindung mit Vulkanausbrüchen entstehen, würden durch Bewegungen des Magmas in der Tiefe verursacht. Es handele sich also um schwache Erdbeben. „Wenn heute ein Vulkan auf La Palma ausbricht, heißt das nicht, dass morgen plötzlich Teneriffa unruhig wird. Die Vulkane funktionieren unabhängig voneinander“, sagt der Wissenschaftler. Unter den Inseln werde ständig Magma in großen Tiefen erzeugt. „Das ist ein kontinuierlicher Prozess, der über Millionen von Jahren stattfindet.“ Jede der Inseln hat dabei ihr eigenes Magma-Fördersystem.

Wie gefährlich sind europäische Vulkane?

In seltenen Fällen könnten aber starke tektonische Erdbeben Ausbrüche auslösen, wenn der Vulkan sich schon in einem kritischen Zustand befinde – also seine Magma-Kammern gut gefüllt sind und diese unter Druck stehen. So ein Erdbeben könne auch mehrere Vulkanausbrüche gleichzeitig herbeiführen. „Da ist ein Triggermechanismus denkbar“, formuliert es der Vulkanexperte vorsichtig. Bei diesem Thema sei jedoch noch Forschungsarbeit zu leisten.

Wie gefährlich sind die Vulkane in Europa? Das sei ein sehr komplexes Thema, sagt Klügel. Die Frage lasse sich nicht in wenigen Sätzen beantworten. Klar sei aber: „Vulkanausbrüche sind immer dann besonders gefährlich, wenn man überhaupt nicht mit ihnen rechnet. Davon kann etwa beim Ätna, dem aktivsten Vulkan Europas, wirklich nicht die Rede sein“, sagt der Experte. Wichtig sei die Prävention. Die Kanaren etwa überwachten Geophysikerinnen und Geophysiker seismisch. Das heißt, sie überprüfen kontinuierlich, ob, wie viele und in welcher Stärke dort Erdbeben auftreten. Wenn sich schwache Erdbeben häufen, könne – müsse aber nicht – bald ein Vulkanausbruch folgen.

Vulkanausbrüche in Deutschland

Die Daten der Forschenden dienen wiederum der Politik dazu, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Man habe auf La Palma die Bevölkerung im Gebiet um den Vulkan einige Tage vorher auf die Evakuierung vorbereitet. „Den Menschen wurde mitgeteilt: Es kann sein, dass der Vulkan ausbricht. Packt eure Sachen, macht euch bereit, kurzfristig evakuiert zu werden“, sagt Geowissenschaftler Klügel.

Auch in Deutschland gibt es Forschende, die an seismischen Stationen Erdbeben überwachen. „Aber hierzulande spielt der Vulkanismus kaum eine Rolle“, erklärt Klügel. Dennoch: Die Eifel sei ein aktives Vulkangebiet. Dort, etwa im Bereich des Laacher Sees in Rheinland-Pfalz, werde es wieder Ausbrüche geben. Ob in einem Jahr, in zehn Jahren oder in zehntausend Jahren, das wisse niemand genau. „Aber wenn es so weit ist, werden sich die Ausbrüche durch vermehrte Erdbeben ankündigen“, sagt Klügel. Dass plötzlich, ohne Vorwarnung, in Deutschland ein Vulkan ausbricht, darüber brauche sich niemand Sorgen machen.

Von Sarah Franke/RND