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Die Schauspielerin Katharina Böhm. Quelle: picture alliance/dpa

TV-Kommissarin Katharina Böhm: „Es ist mehr Arbeit als früher“

Sie lässt sich bei der Mörderjagd weder von Vorgesetzten noch von Dienstvorschriften stoppen: Vera Lanz ist Polizistin mit Leib und Seele. Gespielt wird die Münchner Kommissarin in der Krimiserie „Die Chefin“ von Katharina Böhm. Die neue Staffel startet am Freitag (22. Oktober) um 20.15 Uhr im ZDF. Böhm wurde 1964 als Tochter von Schauspiellegende Karlheinz Böhm in der Schweiz geboren und stand schon mit zwölf Jahren für eine „Heidi“-Verfilmung vor der Kamera.

Frau Böhm, vor rund zehn Jahren haben Sie den Job der „Chefin“ in der gleichnamigen ZDF-Serie angetreten. Macht’s noch Spaß?

Es macht mir nach wie vor sehr viel Spaß. Zum Glück, denn sonst wäre es angesichts der vielen Zeit, die ich jedes Jahr in diese Serie investiere, zu harte Arbeit.

Wie haben sich die Arbeitsbedingungen im Lauf der Zeit geändert?

Zunächst mal ist weniger Geld da als früher, aber darunter haben ja alle Fernsehproduktionen zu leiden. Das heißt, man muss beim Drehen sehr viel stringenter sein als früher. Stringent vorgegangen bin ich zwar schon immer, aber jetzt muss man auf jeden Drehtag extrem gut vorbereitet sein. Es müssen zum Beispiel mehr Motive an einem Tag abgedreht werden. Wir drehen pro Tag zwischen sechs und neun Minuten Sendezeit, das ist schon eine ganze Menge.

Wie viele Drehtage brauchen Sie?

Zwölf, und das ist für einen 60-minütigen Krimi schon relativ sportlich. Es ist für uns Schauspieler und alle Beteiligten alles in allem einfach mehr Arbeit als früher. Das bedeutet wie gesagt vor allem mehr Vorbereitung: Wenn wir drehen, investiere ich an einem freien Wochenende durchschnittlich acht bis zehn Stunden ins Textlernen und so weiter. Ich will aber überhaupt nicht meckern: Das Ganze macht mir ja nach wie vor einen Heidenspaß, verschlingt aber auch eine Menge Zeit.

Sie waren vor zehn Jahren die erste Frau, die in einem Freitagskrimi des ZDF als Chefermittlerin Ganoven gejagt hat. Haben Sie das auch als Akt der Emanzipation empfunden?

Nein, gar nicht, es gab damals ja auch schon eine ganze Menge Kommissarinnen im Fernsehen. Davon abgesehen wollte ich ganz einfach meinen Job gut machen, die Rolle ausfüllen, und dabei habe ich mich nicht als Vorkämpferin für Frauenrechte oder so verstanden.

Gucken Sie „Die Chefin“ selbst?

Wenn es im Fernsehen kommt, nicht, aber vor der Ausstrahlung schon. Ich bekomme die neuen Folgen vorab geschickt und schaue dann natürlich rein. Ich muss in einem professionellen Sinne schließlich überprüfen, was ich da vor der Kamera gemacht habe. Ich bin aber kein Fan davon, mir selber zuzuschauen – das ist genau das Gleiche wie früher, als man sich als Kind das erste Mal auf einem Kassettenrekorder selber gehört hat. Dieser Effekt geht nicht vorbei. (lacht)

Wie hat sich die von Ihnen gespielte Vera Lanz in den zehn Jahren denn verändert?

Sie ist mit zunehmendem Alter ganz sicher gelassener geworden. Aber auch weitsichtiger, eigentlich bräuchte sie eine Altersweitsichtbrille. (lacht) Das konnte ich bislang aber leider noch nicht durchdrücken. Privat brauche ich die, und ich hätte manchmal auch ganz gerne eine für Vera Lanz. Aber Spaß beiseite: Ich bemühe mich, die Rolle so anzulegen, dass sie auch mit den typischen Problemen und Wehwehchen von Frauen meines Alters zu kämpfen hat und diese Frauen so gesehen auch ein bisschen repräsentiert.

Von Martin Weber/RND