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Lars Eidinger zielt mit einer Waffe auf „Tatort“-Ermittler Borowski (Axel Milberg): Szene aus dem „Tatort: Borowski und der gute Mensch“. Quelle: NDR/Thorsten Jander

Tödliche Schüsse am Filmset: Könnte ein solches Unglück auch in Deutschland passieren?

Bei den Dreharbeiten zum Film „Rust“ in Santa Fe (Kalifornien) erschießt der Schauspieler Alec Baldwin die Kamerafrau Halyna Hutchins mit einer Requisitenwaffe und verletzt den Regisseur Joel Souza. Könnte solch ein tragisches Unglück auch an Filmsets in Deutschland passieren?

Waffenmeister des Kieler „Tatorts“: „Wir drehen so wenig wie möglich mit geladenen Waffen“

Waffenmeister Peter Wiemker schließt einen solchen Unfall an deutschen Filmsets aus. „Wir haben keine funktionsfähige Munition am Set“, sagte Wiemker, der unter anderem beim Kieler „Tatort“ die Spezialeffekte betreut, den „Kieler Nachrichten“ (KN). Wenn geschossen werde, würden Platzpatronen verwendet. Aber auch das sei eher selten der Fall, denn beim Einsatz von Platzpatronen müsse zwischen den Schauspielern oder Schauspielerinnen ein Mindestabstand von vier Metern eingehalten werden, was aus Drehgründen häufig nicht möglich sei. Meist würden Mündungsfeuer und Soundeffekte erst in der Postproduktion digital eingearbeitet, erklärte er gegenüber den „KN“.

Wenn mit Platzpatronen gedreht wird, würden die Waffen erst geladen, kurz bevor geschossen wird. „Wir drehen so wenig wie möglich mit geladenen Waffen“, sagte Wiemker der Zeitung. Oft sei eine Pistole mehrere Minuten zu sehen, bis abgedrückt wird. „Da der Dreh ohnehin immer wieder unterbrochen wird, ist es kein Problem, die Munition erst später einzuführen“, erklärte der Waffenexperte den „KN“. Zudem würde häufig mit Plastik- oder Gummiwaffen gedreht, wenn sie im Film nicht abgefeuert werden.

Waffentechniker: Unfall kann auch in Deutschland passieren

Anderer Meinung ist Waffentechniker Pitt Rotter. Er sagt, dass ein solches Unglück auch in Deutschland möglich wäre. Er stimme zwar zu, dass hierzulande wenig mit scharfen Waffen gedreht werde. Aber: „Auch wenn mit Platzpatronen hantiert wird, kann es sein, dass etwas in den Lauf der Waffe geraten ist und sich durchs Abfeuern dann wie scharfe Munition verhält. Ich vermute, etwas Ähnliches ist auch bei dem Dreh mit Baldwin passiert“, erklärte er gegenüber dem „Spiegel“. Generell seien Sets in Deutschland aber deutlich sicherer als in den USA.

Wie es zu dem Unglück am Filmset in Kalifornien kommen konnte, ist noch unklar. Ein Polizeisprecher sagte, die Ermittlungen dauerten noch an. Es müsse geklärt werden, welche Art von Patrone abgefeuert wurde. Man sei dabei, Zeugen zu vernehmen, um Klarheit über die Hintergründe des Zwischenfalls zu bekommen. Ein Sprecher Baldwins hatte zuvor erklärt, es seien Platzpatronen zum Einsatz gekommen. Doch um wirklich jemanden in einem gewissen Abstand zu töten, müsste schon ein Geschoss aus Metall abgefeuert werden.

RND/nis mit AP