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Florian Hager (45) wird neuer Intendant des Hessischen Rundfunks (HR). Quelle: Laurence Chaperon/HR/ARD/dpa

ARD-Mediathek-Chef Florian Hager wird neuer HR-Intendant

Frankfurt a.M.. Der Digitalexperte hat sich gegen die Juristin durchgesetzt: Der Rundfunkrat des Senders wählte den aktuellen Vize-Programmdirektor des Ersten am Freitagnachmittag mit 18 von 32 Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren, wie der HR in Frankfurt am Main mitteilte. Seine Gegenkandidatin Stephanie Weber (50), die seit Januar dieses Jahres Betriebsdirektorin des HR ist, bekam 14 Stimmen. Damit folgt Hager zum 1. März 2022 auf Manfred Krupp (65), der nach einer fünfjährigen Amtszeit in den Ruhestand geht.

Es war bereits der zweite Anlauf zur Wahl eines neuen Senderchefs. Beim ersten Wahltermin Ende Oktober hatte es in drei Wahlgängen ein Patt gegeben, Weber und Hager erhielten jeweils 16 Stimmen. Der Rundfunkratsvorsitzende Rolf Müller sprach nach der Wahl am Freitag von einem „hohen Entscheidungsdruck“, der auf den Mitgliedern des Gremiums gelastet habe. Weber habe für andere Schwerpunkte gestanden als Hager. Für die Mehrheit des Rundfunkrats habe offenbar die „programmatische Ausrichtung“ den Ausschlag gegeben, sagte Müller.

Hager erklärte nach seiner Wahl, der HR habe sich in den vergangenen Jahren unter Intendant Krupp konsequent auf den Weg zu einem digitalen Medienunternehmen begeben. „Ich bin nicht der digitale Evangelist, der jetzt hier reinlaufen und allen erzählen muss, wie es läuft“, sagte der 45-Jährige. Hager kommt aus Aalen und studierte Medientechnik, Informatik und Multimedia in Stuttgart sowie Publizistik und Filmwissenschaft in Paris und Mainz. Nach Stationen beim Kulturkanal Arte wurde er 2015 Gründungsgeschäftsführer von Funk, dem Online-Jugendangebot von ARD und ZDF. Seit 2020 ist er stellvertretender Programmdirektor des Ersten und als Channel-Manager auch für die ARD-Mediathek verantwortlich.

Hager lobt „fairen Wahlkampf“

Er gehe nicht davon aus, dass die ARD-Programmdirektion durch seinen Weggang geschwächt werde, sagte Hager: „Da hätten wir etwas falsch gemacht, wenn das von Einzelpersonen abhängig wäre.“ Als Motivation für seinen Wechsel gab er unter anderem an, der HR sei gerade wegen seiner mittleren Größe „einer der spannendsten Sender in der ARD“. Zudem sei nun mehr Zeit mit seiner Familie möglich, die während seiner verschiedenen Stationen in den vergangenen Jahren immer im Rhein-Main-Gebiet gewesen sei.

Hager lobte den „fairen Wahlkampf“ mit seiner Gegenkandidatin Weber. „Wir haben uns gut zusammengetan und können jetzt gemeinsam Dinge angehen“, sagte er. Dies werde im Zusammenwirken mit der crossmedialen HR-Programmdirektorin Gabriele Holzner geschehen.

Der HR befindet sich derzeit in einem Veränderungsprozess und hat sich in thematischen sogenannten Units neu aufgestellt, die für die Verbreitungswege Fernsehen, Hörfunk und Internet arbeiten. Der Sender hat rund 1.700 angestellte Mitarbeiter und beschäftigt 940 ständige freie Mitarbeiter. Das Jahr 2020 hatte der HR bei einem Ausgabevolumen von rund 600 Millionen Euro mit einem handelsrechtlichen Fehlbetrag von 90,3 Millionen Euro abgeschlossen.

RND/epd