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Andreas Gebhardts (Tom Beck, rechts) Samenspende-Klinik wurde bestohlen, doch er möchte keine Aufmerksamkeit auf sich lenken. Vera Lanz (Katharina Böhm, Mitte) und Korbinian Kirchner (Jonathan Hutter, links) sind skeptisch. Quelle: ZDF/Michael Marhoffer

ZDF-Krimi „Die Chefin – Spender 5634“: vom Geldtransportüberfall zur Samenbank

Zum Ende der zwölften Staffel spendiert das ZDF den Fans von „Die Chefin“ ein Special im 90-minütigen Spielfilmformat. Vor fast zehn Jahren trat Katharina Böhm als Hauptkommissarin Vera Lanz ihren Dienst bei der Münchner Mordkommission an und war damals, im Februar 2012, die erste Frau, die die Ermittlungen auf dem prominenten Sendeplatz des „Freitagskrimis“ leitete.

In der Langfolge „Spender 5634“ (17. Dezember) gehen Regisseur Florian Kern und Autor Peter Kocyla allerdings nun noch weiter zurück in den Frühling 2000, als zwei maskierte Bankräuber einen Geldtransporter überfallen. Der sorgfältig geplante Coup läuft aus dem Ruder. Zwei Sicherheitsmänner werden erschossen, ein Bankräuber wird von der Polizei gestellt, während dessen Komplize mit der Beute von 10 Millionen D‑Mark – ja, da gab es noch keinen Euro – entkommen kann.

20 Jahre später kommt der verurteilte Mörder frei

20 Jahre später kommt der verurteilte Mörder Günther Kujawa (Thomas Gräßle) aus dem Gefängnis und wird nur drei Wochen nach seiner Entlassung in seiner Hochhauswohnung tot aufgefunden. Die Spurensicherung findet ein dürftig verstecktes Päckchen mit 500.000 Euro und jede Menge Fingerabdrücke, die sie zu Elias Maiwald (Anselm Bresgott) führen. Der Sohn aus gutem Hause verfügt mit gerade einmal 18 Jahren über ein reichhaltiges Strafregister. Noch bevor Hauptkommissarin Lanz und ihr neuer Kollege Korbinian Kirchner (Jonathan Hutter) vor der Tür stehen, wird der verstörte junge Mann gezeigt, der mit einem Opel Rekord 1700 DL zu den Klängen von Jenn Grants „Eye of the Tiger“ über die Stadtautobahn braust und seinen Erinnerungen mit dem verstorbenen Kujawa nachhängt. Der ideale Verdächtige.

Aber er bleibt natürlich nicht der einzige. Schließlich will das 90-Minuten-Format mit einem wendungsreichen Plot gefüllt werden, und der führt hier vom überfallenen Geldtransporter zu einer Samenbank. Tom Beck spielt wunderbar aalglatt den Geschäftsführer des lukrativen Unternehmens, das vorgibt, den firmeneigenen Genpool ausschließlich mit den Spenden von friedfertigen Hochintelligenzlern zu bestücken.

Ein Schwerkrimineller unter den Samenspendern

Dass sich mit dem Spender 5634 namens Günther Kujawa ein ausgewiesener Schwerkrimineller durch zahlreiche Gaben mithilfe der Samenbank mannigfaltig fortgepflanzt hat, passt nicht ins noble Unternehmensprofil. Einer von Kujawas Söhnen ist Elias Maiwald, der glaubt, in dem verbrecherischen Erzeuger eine Erklärung für das eigene kriminelle Sein gefunden zu haben. Aber als Verdächtiger kommt auch Kujawas langjähriger Kumpel und möglicher Bankraubkomplize Deniz Polat (Özgür Karadeniz) infrage, genauso wie der blond gefärbte Schlägertyp Schorsch (Jakob Geßner), mit dem Kujawa in einer Zelle saß.

Mit „Spender 5634“ liefert das ZDF einen würdigen Staffelabschluss im XL-Format. Natürlich muss man sich auch nach diesem München-Krimi trotz einer kurzen Verfolgungsjagd, in der sich die „Produktionshilfe“ eines regionalen Automobilherstellers deutlich Geltung verschafft, nicht mit nächtlichen Einschlafproblemen quälen. In der Isarmetropole geht es bekanntlich gelassener zu, was sicherlich die dortige Lebensqualität, aber nicht unbedingt die Spannung einer Krimihandlung steigert. Dennoch knobelt man hier gern mit, wenn es darum geht, die Schuldigen aus dem umfangreichen Katalog der Verdächtigen herauszufiltern.

Solide gezimmertes Drehbuch

Das Drehbuch von Peter Kocyla ist solide gezimmert und wartet sogar mit einer überraschenden Schlusswendung auf. Und auch dem Ermittlungstrio schaut man gern bei der Arbeit zu. Katharina Böhm überzeugt auch diesmal als Hauptkommissarin mit natürlicher Autorität und Jürgen Tonkel als Kollege Böhmer in braunem Lederblouson und umgeschlagener Jeans mit seinem spezifischen Old-School-Charme. Schon lässig, wie er sich bei den nicht ganz vorschriftsgemäßen Ermittlungen mit einem Klappmessersprung über das Fabriktor schwingt. Zu den beiden bietet Jonathan Hutter, der vor drei Folgen neu ins Team aufgenommen wurde, in der Rolle des veganen, Fahrrad fahrenden, blitzgescheiten Juniorermittlers mit seinem unaufdringlichen Spiel eine überraschend organische Ergänzung.

„Die Chefin – Spender 5634“ läuft am 17. Dezember ab 20.15 Uhr im ZDF.

Von Martin Schwickert/RND