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Im Netz kursieren jede Menge gefälschter Nachrichten. Sie zu erkennen, ist oft nicht einfach. Quelle: Christin Klose/dpa-tmn

Das Social-Media-Dilemma: Mit diesen zehn Tricks können Sie Fake News zum Krieg in der Ukraine entlarven

Seit dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine dreht sich auf Facebook, Twitter und Co. alles um den Krieg. Viele Bilder und Videos zeigen dabei die tatsächlichen Umstände in der Ukraine: den sich immer weiter entfaltenden Konflikt und dessen schreckliche Folgen. Doch gleichzeitig bekommen zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer Fake News zu sehen – Beiträge, die gefälschte Inhalte und Desinformationen verbreiten.

Absurde Falschbehauptungen: Videospielszenen gehen viral

Beispielsweise zeigte ein Video auf Twitter Kampfjets, die angeblich über ein Wohngebiet in der Ukraine flogen. Tatsächlich handelte es sich aber um eine Flugshow in Tuschino bei Moskau im Jahr 2020. Auch ein weiteres Video über russische Fallschirmspringer wurde intensiv auf diversen Kanälen verbreitet und selbst von etablierten Medien für die Berichterstattung zum Krieg in der Ukraine verwendet. Dabei zeigte es russische Fallschirmspringer im Jahr 2016 bei einem Training in Russland.

Noch absurder sind Kriegsszenen, die in Wahrheit aus Videospielen wie „Arma 3″ oder „DCS World“ stammen, aber im Netz als echte Aufnahmen aus der Ukraine behandelt wurden. Selbst das ukrainische Verteidigungsministerium oder Experten wie Michael Horowitz von der geopolitischen Sicherheits-Beratungsfirma „LeBeck International“, teilten derartige Videos auf Twitter, weil sie sie offenbar für echtes Material hielten.

Fake News: „Ein beliebtes Instrument für Propaganda im Internet“

Das sind nur wenige der zahlreichen Beispiele, in denen sich Fake News stark verbreiten konnten. Dabei wird vor allem ein Problem deutlich: Es ist schwierig, Fake News von tatsächlichen Nachrichten aus der Ukraine zu unterscheiden. Selbst einige Expertinnen und Experten haben sich beirren lassen und Aufnahmen verbreitet, die aus dem Zusammenhang gerissen oder schlichtweg gefälscht waren. Die allermeisten Nutzerinnen und Nutzer haben dabei zwar nicht die Intention, Fake News zu verbreiten – sie wollen andere auf die fürchterlichen Umstände in der Ukraine aufmerksam machen. Doch wer nicht sehr gut aufpasst, sorgt stattdessen weiter für Verunsicherung im Netz.

„Gezielte Falschnachrichten sollen bewusst Unsicherheit schüren, Meinungen manipulieren, Vertrauen erschüttern. Daher sind sie auch ein beliebtes Instrument für Propaganda im Internet“, heißt es auf der Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Faktencheckerinnen und Faktenchecker haben in den vergangenen Wochen im Zuge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine somit alle Hände voll zu tun gehabt, um Fake News zu entlarven. Auch Soziale Netzwerke wie Twitter sind aktiv geworden und informieren Nutzerinnen und Nutzer mit Verweis auf Faktenchecks, wenn Inhalte aus dem Zusammenhang gerissen oder gefälscht sind.

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Fake News erkennen: Zehn Tipps für Social-Media-Nutzerinnen und -Nutzer

Doch bei der Flut an täglichen Posts ist es kaum möglich, jeden einzelnen Beitrag auf dessen Wahrheitsgehalt zu prüfen, bevor dieser im Netz kursieren kann. Nutzerinnen und Nutzer müssen also selbst wachsam bleiben und alle Inhalte, die sie teilen, unter die Lupe nehmen – und zwar bevor sie Texte, Bilder und Videos zum Krieg in der Ukraine verbreiten.

Je nach Post sollten sie daher unbedingt die richten Schritte einleiten, um Fake News zu entlarven. Wie die vorherigen Beispiele zeigen, ist es oft nicht leicht, echte Inhalte von falschen zu unterscheiden. Um diese zu erkennen, können Nutzerinnen und Nutzer jedoch im Zweifelsfall auf Methoden zurückgreifen. Um die Posts sorgfältig zu überprüfen, sollten Userinnen und User diese zehn Tipps beachten:

Zunächst ist es wichtig, die Quelle zu überprüfen. Stammt der Inhalt von einem Account eines seriösen Nachrichtenportals oder von bekannten Fachleuten? Ist die Quelle unbekannt, sollte man sie per Suchmaschine nachschlagen. Wenn es sich um eine unseriöse oder unbekannte Quelle handelt, sollte der Inhalt nicht geteilt werden. Stammen die Inhalte von einer Website, sollten Nutzerinnen und Nutzer den Link und das Impressum kontrollieren. Falschmeldungen erscheinen oft im Design bekannter Medien – doch der Link entspricht oft nicht exakt dem der echten Website. Außerdem sollt man keiner Website vertrauen, die kein Impressum hat. Denn beispielsweise in Deutschland ist ein Impressum Pflicht. Texte, vor allem angebliche Nachrichtentexte von unbekannten Quellen, sollten immer kritisch untersucht werden. Stimmen Überschriften mit dem Text überein? Sind die Expertinnen und Experten, die zitiert wurden, wirklich Fachleute im entsprechenden Gebiet? Und kommt die Meldung ungewöhnlich reißerisch und emotional daher? Um herauszufinden, aus welchem Jahr und Ort eine Aufnahme stammt, sollte man im Bild und Video auf Spurensuche gehen. Gibt es in dem Video Indizien dafür, dass es sich um eine ältere Aufnahme handelt? Oder zeigt etwa ein Schild eine andere Sprache als die des Landes, in dem es angeblich aufgenommen wurde? Bei der Spurensuche hilft auch etwa Google Streetview: Die Orte, die die Bilder und Videos angeblich abbilden sollen, können hier mit echten Aufnahmen der entsprechenden Gegenden verglichen werden. Fallen dabei Ungereimtheiten auf, könnte das auf einen möglichen Schwindel hinweisen. Bei Bildern und Videos ist auch eine Bildrückwärtssuche bei Suchmaschinen sehr wichtig – denn damit kann die Herkunft oder auch zumindest das Alter der Aufnahme identifiziert werden. Für die Bildrückwärtssuche müssen Nutzerinnen und Nutzer das entsprechende Bild oder einen Screenshot vom jeweiligen Video bei einer geeigneten Suchmaschine hochladen. Beispielsweise bei Google Bilder lässt sich die Aufnahme über das Kamerasymbol neben der Suchleiste hochladen. Zeigt die Suche dabei etwa, dass das Foto schon vor Jahren oder in anderen Zusammenhängen genutzt wurde, kann es sich nicht um eine neue Aufnahme aus der Ukraine handeln. Darstellungen in Youtube-Videos können über die Website „DataViewer“ von Amnesty International überprüft werden. Wenn man den Link des Videos dort eingibt, erhält man Screenshots aus dem Video, die automatisch mit der Bildrückwärtssuche bei Google verknüpft werden. In allen Fällen hilft es auch, die Information, die im Inhalt widergegeben wird, per Suchmaschine nachzuschlagen – am besten mit dem Zusatz „Faktencheck“. Im Idealfall haben bereits renommierte Nachrichtenportale den Wahrheitsgehalt des Inhalts geprüft und gegebenenfalls auch über Fake News aufgeklärt.

Videos mit Falschinformationen: Deepfakes manipulieren Nutzerinnen und Nutzer

Nutzerinnen und Nutzer sollten aktuell besonders bei Videos vorsichtig sein. Fake-Videos haben sich im Krieg in der Ukraine bislang als besonders große Gefahr herausgestellt – denn oft erwecken sie aufgrund der realistischen Machart den Eindruck, dass sie echte Aufnahmen aus dem Krieg in der Ukraine darstellen.

Auch Deepfakes stellen eine Bedrohung dar: So können beispielsweise Aussagen von Politikerinnen und Politikern verfälscht werden, indem im Video eine falsche Tonspur eingesetzt wird, die aber mit den Lippenbewegungen der Sprecherin oder des Sprechers vereinbar ist. „Besonders tückisch an Deepfakes ist, dass sich eine einmal aufgenommene Information in der Erinnerung schwer ‚überschreiben‘ lässt“, betont das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Sprich: Auch wenn Menschen über im jeweiligen Fall Fake News aufgeklärt würden, blieben die vorherigen, falschen Informationen Studien zufolge eher im Gedächtnis.

Fake News zum Ukraine-Krieg: Wann Inhalte auf sozialen Netzwerken nicht geteilt werden sollten

Wer selbst auf Spurensuche geht und die Tipps befolgt, kann Fake News frühzeitig identifizieren. Doch manchmal ist es auch nach intensiver Recherche nicht möglich, Fakt von Fake zu unterscheiden. Daher gilt aktuell immer: Im Zweifelsfall den Inhalt lieber nicht posten – und somit verhindern, dass Desinformationen auf Social-Media-Plattformen kursieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat zudem fünf Faktoren veröffentlicht, die Nutzerinnen und Nutzer bei der Entscheidung unterstützen sollen.

Demnach sollten Userinnen und User keine Posts zum Krieg in der Ukraine teilen, wenn eine oder mehrere der folgende Faktoren zutreffen:

Die Überschrift stimmt nicht mit dem Nachrichtentext überein und die Meldung ist nicht widerspruchsfrei. Die reißerische und emotionale Darstellung passt nicht mit den bislang bekannten Fakten zusammen und die Quellenlinks geben keine verlässlichen Hinweise auf die Fakten. Die Urheberin oder der Urheber lässt sich nicht leicht identifizieren und kann keiner seriösen Nachrichtenquelle zugeordnet werden. Andere journalistische Quellen verbreiten nicht die gleiche Nachricht und die Fakten stimmen bei verschiedenen Medien nicht überein. Eine Bildrückwärtssuche ergibt, dass der Inhalt bereits in einer früheren Meldung oder in einem anderen Zusammenhang verwendet wurde.

Von Ben Kendal/RND