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Der Schauspieler Oliver Mommsen. Quelle: picture alliance / Eventpress

Oliver Mommsen: „Ich hatte richtig Glück mit meinen Lehrern“

Herr Mommsen, als Schüler sind Sie von einigen Schulen geflogen, jetzt aber spielen Sie einen Lehrer, hat man also den Bock zum Gärtner gemacht?

Es stimmt schon, dass ich von einigen Schulen geflogen bin und viele Wochenenden, wenn die anderen gefeiert haben, im Kämmerlein meine Strafe absitzen musste. (lacht) Und wahrscheinlich wäre ich wirklich kein guter Lehrer. Mir fehlt die Konsequenz, ich bin zu sprunghaft. Was ich allerdings gut vermitteln könnte, ist die Leidenschaft für meinen Beruf, das Feuer, das in mir brennt.

Hätten Sie sich damals einen Lehrer wie Erik Olsen gewünscht?

Ich hatte solche tollen Lehrer, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass meine Eltern viel Geld in die Hand genommen haben, damit der kleine Rotzlöffel die beste Ausbildung bekommt. Dort gab es großartige Pädagogen, wie meine damalige, mittlerweile aber leider schon verstorbene Französischlehrerin. Auch wenn ich das damals manchmal ein bisschen anders gesehen habe – ich hatte wirklich richtig Glück mit meinen Lehrern.

„Es läuft immer was falsch, aber es läuft auch vieles richtig“

Erik kritisiert das Bildungssystem als ‚in vorgegebenen Grenzen zu lernen zu funktionieren‘ …

Richtig. Er ist derjenige, der sagt, man müsse über diese Grenzen hinausschauen, man müsse etwas wagen und erst einmal herausfinden, was man eigentlich anfangen will mit sich und dieser Welt. Erik liegt mir total. Der ist nicht regelkonform. Überall, wo Obrigkeiten auftauchen, stellen sich bei ihm die Nackenhaare auf. Ich kann das sehr gut nachempfinden, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn das Prinzip Chaos auf das Prinzip Ordnung trifft. Umso glücklicher bin ich, dass ich nach meiner mittlerweile 53-jährigen Recherche damit endlich auf den Bildschirm darf.

Läuft was falsch mit der Bildung in Deutschland?

Es läuft immer was falsch, aber es läuft auch vieles richtig. Es hat sich enorm viel getan, auch an den Berufsschulen. In unserem Luxusparadies Deutschland hat man heute die große Chance, zu schauen, was man wirklich machen möchte. Nicht jeder will studieren, und das Handwerk sucht händeringend Nachwuchs. Übrigens bin ich auch Handwerker, weil ich Schauspiel als Handwerksberuf verstehe. Und meine Karriere ist bisher ganz klassisch verlaufen, vom Pausenclown über die Theater-AG und den Handlanger- und Kabelträgerjob am Filmset und bis schließlich zur Schauspielschule. Später folgten erste Serienauftritte und irgendwann noch später dann die Rolle in Deutschlands Prime-Time-Produkt ‚Tatort‘. Das alles war nur möglich, weil in frühen Jahren jemand an mich geglaubt und mich unterstützt hat. Und es ist mir ein Anliegen, zu zeigen, wie wichtig es ist, die Qualitäten unserer Kinder zu entdecken und zu fördern.

Neben der Beziehung zwischen Schüler und Lehrer geht es auch um die zwischen Kind und Eltern und die Schwierigkeiten beim Loslassen.

Das ist tatsächlich eine sehr schwierige Aufgabe für Eltern. Ich habe aber zum Glück gelernt, dass unsere Kinder nicht gleich als Autoknacker auf die Welt kommen, sondern als schlafende, pupsende, kleine Knuddel. Heißt: Die Abnabelung geschieht langsam und nur Schritt für Schritt. Also kann man sich ganz gut darauf vorbereiten, dass das Abendessen, bei dem alle gemeinsam um den Tisch sitzen, irgendwann nur noch eine Erinnerung sein wird.

Solange man eine Mutter hat, bleibt man Kind, heißt es …

Wir haben gerade erst den 80. Geburtstag meiner Mutter gefeiert, und ich habe mich am Ende meiner Rede bei ihr herzlich für 53 Jahre geduldige Erziehung bedankt. Ein großartiges Projekt, von dem ich weiß, dass es noch lange nicht beendet ist, obwohl ich stets alles gebe. Ich will bei meinen beiden Kindern auch zuhören, will mich immer wieder auch in ihre Perspektive versetzen. Gelingt das, bleibt man im Gespräch, und es kommt wahrscheinlich nicht zu verhärteten Fronten. Das ist dann der lebendige, funktionierende Organismus, der Familie genannt wird.

„Schule am Meer“, ARD, 20. Mai, 20.15 Uhr, mit Oliver Mommsen und Anja Kling

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Von Andreas Kötter/RND