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Auf der Flucht und in der Pflicht: Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) muss sich vor dem Imperium hüten und will Luke Skywalker zum Jedi ausbilden. Quelle: Matt Kennedy / Lucasfilm Ltd.

Disney-Serie „Obi-Wan Kenobi“: Der ikonische Jedi-Meister ist zurück

Taaa-taaaa-ta-ta-ta-taa-taaaa! Ob sie am Freitag wieder erklingen wird, die berühmteste Kinofanfare aller Zeiten, ist noch offen. Bisher blieb sie den Filmen der Ennealogie (Neunteiler) vorbehalten. Wir haben am 27. Mai ab 9 Uhr aber zumindest neuerlichen Zutritt in die supertolle Galaxis „far far away“, durch die vor langer Zeit all diese supertollen Gestalten von den beiden Seiten der Macht tollten – der hellen und der dunklen: Prinzessin Amidala, Darth Vader, Luke Skywalker, Han Solo, Prinzessin Leia, Darth Maul, der Imperator und – Obi-Wan Kenobi.

Der Jedi-Meister steht im Mittelpunkt der dritten „Star Wars“-Real-Life-Serie „Obi-Wan Kenobi“. Wir treffen den Jedi-Meister zehn Jahre nach den Ereignissen von „Star Wars – Episode III: Die Rache der Sith“ (2005). Das war der Film, in dem Anakin Skywalker seinem Lehrer Obi-Wan in den Rücken fiel, eine ganze Generation von Jedi-Schülern – sogenannten Padawans – tötete und dem Fascho-Senator Palpatine half, das Imperium zu errichten. Der Film endet mit Skywalkers Darth-Vader-Werdung.

Obi-Wan – ein Verlorener im Exil auf dem Wüstenplaneten

„Der Kampf ist vorbei. Wir haben verloren“, hört man Obi-Wan im Trailer zu seiner Serie aus dem Off. Aus der Ferne beobachtet er den Gedeih von Anakins/Darth Vaders Sohn Luke Skywalker, den er auf dem Planeten Tatooine bei der Familie seines Onkels untergebracht hat. Erzählt wird in der Serie, wie das Imperium Obi-Wan jagt. Kein Jedi soll am Leben bleiben. Der geisterbleiche Großinquisitor (Rupert Friend) und seine Leute wissen auch, wie man ihn aus der Reserve lockt. „Jedi können nicht aus ihrer Haut. Ihr Mitgefühl hinterlässt Spuren“, sagt die Inquisitorin Reva (Moses Ingram). Und hetzt Obi-Wan die Zunft der Kopfgeldjäger auf den Hals.

Der steht zwischen Flucht und Pflicht: „Er muss unterwiesen werden“, drängt Obi-Wan Lukes Onkel Owen (Joel Edgerton). „Wie du seinen Vater unterwiesen hast?“, gibt dieser sarkastisch zurück. Die neue Serie geht also direkt ins Herz der Saga und am Ende des Trailers hört man Vaders Gruselgeröchel. Der ist also auch dabei. Es wird düster werden in den sechs Episoden. Mit zwei Folgen geht es Freitag los, es folgt wöchentlich eine.

McGregor war groß als Lichtklingenschwinger Obi-Wan

Ewan McGregor ist mit viel Freude, so war zu hören und zu lesen, wieder in die Rolle des inzwischen nicht mehr ganz jungen Obi-Wan geschlüpft, jenes Mannes, der schon als Kleinkind im Alter von drei Jahren als besonders machtsensitiv galt und daraufhin zum Jedi-Tempel auf Coruscant gebracht wurde.

Wir erinnern uns an seinen ersten Auftritt in der Rolle – in „Star Wars I: Die Dunkle Bedrohung“ (1999). Obi-Wan und sein Jedi-Ausbilder Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) werden vom Jedi-Rat losgeschickt, um – als Botschafter getarnt – Licht in ebendiese dunkle Bedrohung zu bringen, die faschistoid über allen freiheitsliebenden Völkern der Galaxis hängt. Sie werden entlarvt, und schon schnappen die dröhnenden Lichtklingen aus dem Knauf der Laserschwerter: Phooomp! Phooomp! Roboschrott. McGregor war großartig.

Das blieb so bis zu McGregors bislang letztem Auftritt. Im Laserschwertballett mit Obi-Wan hielt der bronchitische Cyborg Lord Grievous gleich vier Lichtklingen und tanzte auf seinen Gegner zu wie einst die indische Göttin in der „Golden Voyage of Sindbad“ (1973). Und der Showdown mit Anakin – unvergesslich. Zehn Jahre zerfurchter ist Obi-Wan – aber wir wetten, dass er die Lichtklinge auch in der Serie immer noch schneller aus dem Heft des Schwerts schnappen lässt als sein Schatten.

Für die Serie spricht: Toller Protagonist und toller Darsteller. Absolut beeindruckende Kinooptik. Und die Tatsache, dass die „Star Wars“-Serien „The Mandalorian“ und „The Bad Batch“ die letzten drei Kinofilme um Längen schlugen. Dagegen ist zu halten, dass die „Star Wars“-Macher nicht nur in der letzten Kinotrilogie bewiesen haben, dass sie nicht mit den ikonischen Figuren umgehen können. Auch die Serie „Das Buch des Boba Fett“ wurde im Späteren zur ansehnlichen „Mandalorian“-Halbstaffel, weil man nicht mehr so recht zu wissen schien, was man mit dem einst gefürchtetsten Kopfgeldjäger der Galaxis anstellen sollte, nachdem man ihn zum netten Muskelopa gewandelt hatte.

Bitte nicht mit unserem lieben Obi-Wan.

Letztes Seelenkuscheln mit Obi-Wan und Darth

Alec Guinness, der den alten Kenobi in „Star Wars IV: Eine neue Hoffnung“ (1977) spielte, fand das ganze Franchise übrigens Mumpitz mit Weltraum, doch die vereinbarte Gewinnbeteiligung fand er gut, brachte sie ihm doch mehr Wohlstand als die Gagen für „Adel verpflichtet“ (1949), „Die Brücke am Kwai“ (1957) und „Lawrence von Arabien“ (1962) zusammen. Guinness sorgte für Obi-Wans letzten – postumen – Auftritt als Geist in „Star Wars – Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983).

Sogar Darth Vaders Geist vereinte sich da mit ihm zum finalen Seelenkuscheln in einer Art intergalaktischen Disneyworld mit den doofen Puschel-Ewoks drin, die Harrison Ford alias Han Solo – Gott hab ihn selig – immer so seltsam anstarrte. So als würde er sie alle am liebsten auf den Friedhof der Kuscheltiere bringen.

„Obi-Wan Kenobi“, erste Staffel, sechs Episoden, ab 27. Mai, 9 Uhr, die ersten beiden Folgen bei Disney+, danach wöchentlich eine Episode

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Von Matthias Halbig/RND