Anzeige
Heizung runter, dicken Pulli an – mit Energiesparen soll Putin geärgert werden (Symbolbild).

Gas sparen im Alltag: neun Tipps für zu Hause

Der Winter könnte hart werden. Angesichts eines drohenden Gas-Engpasses im Winter hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck Staat, Wirtschaft und Bürger auf einen gemeinsamen Energiesparkurs eingeschworen. „Wir stehen vor einer nationalen Kraftanstrengung“, erklärte der Grünen-Politiker am Sonntag. Um Kosten zu sparen, können Menschen mit Gasheizungen deshalb versuchen, ihren Verbrauch zu reduzieren. Nur wie? Neun Tipps, wie man kurzfristig und mit wenig Aufwand im eigenen Haushalt sparen kann:

1. Die Zimmertemperatur absenken

Den mit Abstand größten Teil des Gases verbraucht man im Winter für das Heizen der Wohnung, erklärt Dr. Immanuel Stieß vom Institut für sozialökologische Forschung in Frankfurt am Main: „68 Prozent des Energieverbrauchs privater Haushalte entfallen auf das Heizen von Gebäuden.“ Deshalb sei hier auch das Potenzial zum Energiesparen am höchsten, sagt der Energieexperte.

Die effektivste Methode ist, die Heizung einfach herunter zu drehen: „Die Innenraumtemperatur in Wohnungen in Europa beträgt durchschnittlich 22 Grad: Ein Grad weniger spart 6 Prozent Energie. Würde jeweils die Hälfte der Haushalte in Deutschland die Temperatur in ihrer Wohnung um ein halbes beziehungsweise ein Grad absenken, könnten knapp 5 Prozent Heizenergien eingespart werden.“ Im Schlafzimmer darf es ruhig etwas kälter sein. Experten und Expertinnen empfehlen hier eine Temperatur von 15 bis 18 Grad.

2. Die Vorlauftemperatur regulieren

Bei vielen Heizungen liegt die Vorlauftemperatur, also die Temperatur, mit der das Wasser aus der Heizung in Richtung Heizkörper fließt, bei 70 Grad. Laut Dirk Müller, Professors für Raumklimatechnik an der RWTH Aachen, kann der Verbraucher auch hier Kosten einsparen: „Viele gasbasierte Wärmeerzeuger verfügen über die Option, eine Nachtabsenkung der Vorlauftemperatur zu aktivieren.“

In der Nacht werden solche hohen Temperaturen nicht benötigt. „Diese Option kann durch den Nutzer eingestellt werden. Eine Nachtabsenkung auf eine Raumtemperatur von 17 Grad Celsius in allen Räumen zwischen 23 bis 6 Uhr kann Einsparungen von 8 bis 10 Prozent beim Heizenergiebedarf erbringen.“

3. Die Heizung richtig einstellen

„Viele Heizungen sind nicht optimal eingestellt und verbrauchen unnötig viel Energie. Ein hydraulischer Abgleich des Heizsystems sorgt für eine optimale Verteilung der Wärme im Gebäude. Je nach Typ und Zustand der Heizung können so bis zu 5 bis 10 Prozent Energie eingespart werden“, sagt Klimaschutz-Forscher Immanuel Stieß.

Das Problem ist oft, dass bei den Heizkörpern nicht die optimale Wassermenge ankommt, die gebraucht wird. Beim hydraulischen Abgleich berechnet ein Installateur die optimale Einstellung der Radiatoren und passt sie an. Ein solcher Service vom Profi kostet rund 400 Euro, kann sich aber schnell wieder bezahlt machen.

4. Nicht alle Räume gleichermaßen heizen

Müssen alle Teile gleichermaßen geheizt werden? Prof. Dr. Stefan Büttner vom Institute for Energy Efficiency in Production der Universität Stuttgart, rät dazu, das zu prüfen. „Wir müssen auch bei uns zu Hause schauen, was wirklich notwendig ist, und wo ich in diesem Winter mit etwas weniger auskommen kann. Gegebenenfalls muss ich nicht alle Räume voll heizen und kann die Möglichkeiten einer modernen Heizungsanlage und Zeitschaltungen nutzen. Gegenüber den Standardeinstellungen lässt sich häufig noch einiges einsparen.“

Thermostate mit Zeitschaltuhren können direkt an den Heizkörpern installiert werden. So kann etwa die Temperatur in der Nacht, ohne Komforteinbußen, automatisch abgesenkt werden. Moderne Geräte lassen sich oft auch bequem mit dem WLAN verbinden und so von überall mit dem Smartphone steuern.

5. Richtig lüften

Für ein gesundes Raumklima, für genug Sauerstoff in der Wohnung und um Schimmel vorzubeugen, ist ein regelmäßiger Luftaustausch entscheidend. Die Verbraucherzentrale Deutschland nennt die wichtigsten Regeln zum Stoß- oder Querlüften. Das heißt, vor allem im Winter, immer mehrere Fenster weit öffnen, anstatt über einen längeren Zeitraum die Kippfunktion zu nutzen. Dadurch kühlt die Wohnung auch nicht über längere Zeit aus.

Idealerweise kann hier ein Luftstrom quer durch die Wohnung gehen. Beim Stoßlüften reichen meist drei bis fünf Minuten und es sollte mindestens morgens und abends – besser aber drei bis vier Mal täglich gemacht werden. Zum anderen ist es wichtig, gerade in Räumen zu lüften, in denen Feuchtigkeit entsteht. Etwa nach dem Duschen im Bad oder dem Kochen in der Küche. Auch das Schlafzimmer sollte kurz nach dem Aufstehen einmal gründlich gelüftet werden.

6. Schwachstellen selbst dämmen

Für die meisten Menschen ist es wohl unrealistisch, die Außenwände der Wohnung oder das komplette eigene Haus kurzfristig zu dämmen. Aber bereits kleinere Maßnahmen können hier eine deutliche Verbesserung bringen. So empfiehlt Dr. Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, energetische Schwachstellen in der Wohnung zu finden und nach außen zu isolieren: „Durch den Einsatz von Reflexionsfolien und die Dämmung der Heizkörpernischen, der Treppenläufe, Bodentreppen und Rollladenkästen, aber auch der obersten Geschossdecke, des Kellers, einer Balkendecke oder anderer Hohlräume ist viel zu holen.“

Auch das Abdichten von Türen und Fenstern kann laut dem Experten einen Unterschied machen. Gerade das Isolieren von Heizungsrohleitungen, etwa im Keller, kann beträchtliche Mengen an Energie einsparen.

7. Anders duschen

„Der Anteil des Trinkwarmwassers am Gasverbrauch liegt bei älteren Gebäuden bei ungefähr 20 Prozent, bei sehr gut gedämmten Gebäuden kann dieser Anteil auf bis zu 50 Prozent steigen“, erklärt Prof. Dirk Müller von der RWTH Aachen. Wer also weniger Energie den Abfluss hinunterspülen möchte, kann die eigene Duschzeit verkürzen. Zuletzt hatte auch Wirtschaftsminister Robert Habeck verkündet, er dusche nur noch gut fünf Minuten.

Wer nun aber doch mehr Zeit unter der Dusche benötigt, hat noch eine weitere Option offen. Man kann sich für wenige Euros auch einen neuen, sparsameren Duschkopf zulegen. Hier wird dem Wasser in der Brause Luft beigemischt. So kann die Durchlaufmenge von 13 Litern pro Minute auf sieben bis neun Liter gesenkt werden.

Wer den eigenen Energieverbrauch berechnen möchte, kann dies beispielsweise mit dem Duschrechner der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen tun. Auch eher ungewöhnliche Maßnahmen können zum Energiesparen beitragen. So kann durch den Einbau einer Duschwanne mit Wärmerückgewinnung die Energie aus dem abfließenden Warmwasser wieder in den Heizkreislauf zurückgeführt werden.

8. Warmwassertemperatur absenken

Oftmals kommt viel zu heißes Wasser aus der Leitung, das so im Alltag kaum gebraucht wird. Eine Absenkung der Temperatur des Nutzwassers, sowie die zeitliche Einschränkung kann auch deutlich Energie einsparen, sagt Gebäudeforscher Dirk Müller. „Eine regelmäßige Aufheizung des Trinkwarmwassers auf über 60 Grad wird von moderneren Wärmeerzeugern oft automatisch umgesetzt. Hier muss die Betriebsanleitung, der Installateur oder der Hersteller zurate gezogen werden.“

Aktuell geht es darum, die Gasspeicher für den Winter zu füllen. Deshalb sind Maßnahmen, die den Verbrauch von Warmwasser senken, auch schon jetzt im Sommer wichtig. Deshalb sollte im Sommer bei modernen Gasheizungen der Betriebsmodus ‚nur Trinkwarmwasser‘ aktiviert werden, so Müller. „Erst wenn die Temperaturen im Gebäude als zu gering empfunden werden, sollten die Heizkreise des Wärmeerzeugers zugeschaltet werden. Ein späterer Beginn der Heizzeit führt zu weiteren Einsparungen.“

9. Langfristig die Heizung austauschen

Die wirkungsvollste Methode, langfristig Gas einzusparen, ist es aber, die sieben Millionen Gasheizungen in Deutschland nach und nach auszuwechseln, sagt Umweltforscher Martin Pehnt: „Am besten ist es, die Gasheizung austauschen und stattdessen eine Wärmepumpe, einen Anschluss an ein Wärmenetz und – wo möglich – eine Solaranlage installieren. Doch das sind Maßnahmen, die Zeit benötigen.“

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Von Till Eichenauer/RND