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ZDF-Moderator Rudi Cerne im Studio der Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“. Quelle: Sina Schuldt/dpa

„Aktenzeichen  XY“-Moderator Rudi Cerne: „An einen Fall muss ich sehr oft denken“

Rudi Cerne wurde als Eiskunstläufer bekannt. Er holte mehrere Deutsche Meistertitel, schrammte 1984 knapp an einer Olympischen Medaille vorbei und war jahrelang mit der Schlittschuhrevue „Holiday on Ice“ auf Tournee. Seit 20 Jahren präsentiert das ehemalige Kufenass nun die Fahndungssendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Am 29. Juni ist im ZDF die Spezialausgabe „Aktenzeichen XY… vermisst“ zu sehen, in der Cerne vier Vermisstenfälle vorstellt. Der 63-Jährige ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter, er lebt im hessischen Rodenbach.

Herr Cerne, vor 20 Jahren wurden Sie Moderator von „Aktenzeichen XY“. Wie kam es dazu?

Hans Jahnke, der damalige Fernsehspielchef des ZDF, hatte mich angerufen und mir angeboten, die Moderation von „XY“ zu übernehmen. Das kam für mich sehr überraschend. Ich war mit zwei Kollegen auf einem Parkplatz in der Provence in Frankreich unterwegs während der Tour de France, von der ich fürs ZDF berichtet habe.

Was hat sich seither geändert?

Wir haben in der Sendung immer an den Stellschrauben gedreht. Im Kern sind wir uns natürlich treu geblieben. Schließlich geht es ja in erster Linie um die realistische Darstellung der Fälle. Da darf es keine Ablenkung geben.

Verfolgen Sie die Verbrechen?

Manche Fälle beschäftigen mich schon noch einige Zeit, die Sendung hängst du nicht wie einen Anzug in den Schrank. Aber ich habe einen ganz guten Mechanismus, um auch nach der Ausstrahlung emotional abzuschalten. Ich schlafe gut.

Welcher Fall ist Ihnen am meisten unter die Haut gegangen?

Es gibt so viele, aber der Fall der kleinen Levke Straßheim hat mich sehr berührt. Das achtjährige Mädchen ist 2004 von seinem Mörder vor der Haustür abgepasst worden. Er hatte sie ins Auto gelockt, später sexuell missbraucht, getötet und in einem Wald abgelegt. Die kleine Darstellerin in unserem Film sah Levke zum Verwechseln ähnlich. An diesen einen Fall muss ich sehr oft denken.

Welches war Ihr größter Erfolg?

Auch da ein Beispiel unter vielen: Der Fall Lolita Brieger konnte 29 Jahre nach der Tat auch durch „Aktenzeichen XY … ungelöst“ aufgeklärt werden – nach einem Auftritt des Ermittlers und des Staatsanwalts bei uns im Studio. Die 18-Jährige war 1982 von ihrem Liebhaber getötet und auf einer Mülldeponie abgelegt worden. Noch während der Sendung meldete sich die Bekannte eines Mitwissers und brachte den Stein ins Rollen. In einer erneuten Vernehmung packte dieser Mitwisser aus. Die Leiche von Lolita Brieger wurde gefunden und der Fall konnte aufgeklärt werden. Allerdings wurde die Tat als Totschlag gewertet und war damit verjährt.

Und welchen Fall hätten Sie gern gelöst gesehen?

Der Mord an Kirsten Sahling. Die 38-Jährige, die gerade eine Krebserkrankung überstanden hatte, war im Juni 2009 im Berliner Spandauer Forst von einem Messerstecher getötet worden. An jenem Morgen wollte sie mit ihrem Mann dort joggen. Während sie sich noch mit den Übungen beschäftigte, war ihr Mann schon vorausgelaufen. Dann passiert es: Ein Unbekannter hält mit seinem Rad an und sticht unvermittelt mehrfach auf die Frau ein. Das Letzte, das Kirsten Sahling noch Passanten, die ihr zur Hilfe eilten, sagen kann ist: „Sagen Sie meinem Mann bitte, dass ich ihn liebe.“

Waren Sie eigentlich selbst schon mal Opfer einer Straftat?

Ja, mir ist in den 80er-Jahren ein Auto geklaut worden, da war ich mit „Holiday on Ice“ unterwegs in Südfrankreich. Das war an einem Sonntag mit zwei Vorstellungen, die Täter wussten genau, dass wir alle auf dem Eis waren und haben genau den richtigen Moment abgepasst. Also ein echter Klassiker.

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Von Martin Weber/RND