Anzeige
Dauerhafter und häufiger Alkoholkonsum schaden dem Körper nachhaltig. Quelle: Matthew Sleeper/unsplash

Leber, Gehirn, Herz: Wie Alkohol dem Körper schadet

Ein Gläschen Wein, eine Flasche Bier oder ein Cocktail: Alkohol ist oftmals ein ganz selbstverständlicher Bestandteil von beruflichen Verpflichtungen oder bei privaten Treffen. Er lockert die Stimmung, sorgt für einen spaßigen Abend – und nur allzu oft für Kopfschmerzen am nächsten Morgen. Doch wie wirkt Alkohol überhaupt auf unseren Körper? Und wann ist der Konsum schädlich?

Wie gelangt Alkohol ins Blut?

Trinken wir Alkohol, wird der Großteil durch die Schleimhäute in unserem Körper aufgenommen. Das geschieht vor allem über den Dünndarm und teilweise über den Magen, wie das Infoportal Drugcom der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert. Nach nur wenigen Minuten erreicht der Alkohol über die Blutgefäße das Gehirn. Nach etwa 30 bis 75 Minuten hat er sich im gesamten Körper verteilt. Die Konzentration erreicht dann ihren Höhepunkt. Hören wir auf zu trinken, wird der Alkohol langsam wieder abgebaut. Trinken wir weiter, hält sich der Pegel oder wird sogar gesteigert.

Wie wirkt Alkohol dann?

Die Wirkung, die wir spüren, entsteht vor allem im Gehirn. Dort beeinflusst Alkohol zum einen die Botenstoffe, schreibt die Stiftung Gesundheitswissen. Es werden Hormone wie Dopamin ausgeschüttet, die uns entspannter, gut gelaunt und weniger ängstlich machen. Außerdem wirken diese anregend.

Zum anderen wird aber auch die Kommunikation zwischen den Nerven gestört, wodurch die Weiterleitung von Reizen gehemmt wird. Das führt zu Störungen bei Wahrnehmung, Reaktion, Koordination sowie in unserm Gedächtnis. Beispielsweise ist dann auch die Urteilsfähigkeit eingeschränkt oder es wird langsamer auf das Umfeld reagiert. Je mehr Alkohol wir zu uns nehmen, umso stärker ist die Beeinträchtigung. Große Mengen können dann sogar zu Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit führen sowie zu Müdigkeit und Benommenheit. Im schlimmsten Fall kann auch Bewusstlosigkeit eintreten.

Der Alkohol entzieht dem Körper dabei immer mehr Wasser. Die Dehydration ist ebenfalls später für den Kater mitverantwortlich.

Alkohol-Konsum: Was passiert bei welchem Promillewert?

ab 0,3 Promille

ab 0,8 Promille

ab 1 Promille (Rauschstadium)

ab 2 Promille (Betäubungsstadium)

ab 3 Promille (ab hier Lähmungsstadium)

ab 4 Promille

leichte Verminderung der Sehleistung

ausgeprägte Konzentrations­schwäche

weitere Verschlechterung der Sehfähigkeit und des räumlichen Sehens

starke Gleichgewichts- und Konzentrations­störungen

Bewusstlosigkeit

Lähmungen

Nachlassen von Aufmerksamkeit, Konzentration, Kritik-/Urteils­fähigkeit, Reaktions­vermögen

Einschränkung des Gesichtsfelds um 25 Prozent (Tunnelblick) und verminderte Sehfähigkeit

Reaktionsfähigkeit erheblich gestört

Erbrechen

Gedächtnisverlust

unkontrollierte Ausscheidungen

Anstieg der Risikobereitschaft

Reaktionszeit um 30 bis 50 Prozent verlängert

Gleichgewichts­störungen

Verwirrtheit

schwache Atmung

Koma mit Reflexlosigkeit

 

Gleichgewichts­störungen

Verwirrtheit, Sprechstörungen

kaum noch Reaktions­vermögen, Muskel­erschlaffung

Unterkühlung

Atemstillstand und Tod

 

zunehmende Enthemmung

Orientierungs­störungen

Gedächtnis- und Bewusstseins­störungen

Reflexlosigkeit

  

Selbstüberschätzung

gesteigerte Enthemmung und Verlust der Kritikfähigkeit

        

erhöhte Aggressions­bereitschaft

     

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Wovon hängt es ab, wie schnell ich betrunken bin?

Grundsätzlich sind natürlich Menge und Geschwindigkeit des Trinkens entscheidend: Je mehr und schneller ein Mensch Alkohol trinkt, umso betrunkener wird er, schreibt unter anderem das Infoportal der Harvad Medical School. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Form oder Reihenfolge der Alkohol aufgenommen wird. Doch es gibt noch weitere Faktoren, die eine Rolle spielen.

Zum einen das Geschlecht: Männer vertragen mehr Alkohol als Frauen. Männer haben meist mehr Enzyme in ihrer Leber, die den Alkohol abbauen. Außerdem enthält der Körper eines Mannes weniger Körperfett und mehr Wasser. Alkohol löst sich besser in Wasser als in Fett, daher ist die Konzentration bei Frauen höher. Außerdem sind Frauen meist kleiner und wiegen weniger als Männer. Größe und Körpergewicht sind also weitere Faktoren, denn große Menschen haben mehr Blut im Körper. Der Alkohol verteilt sich also auch hier besser und sie vertragen mehr.

Auch der Gewöhnungseffekt spielt eine Rolle. Trinken wir häufig viel Alkohol, gewöhnt sich der Körper daran. Ein Effekt stellt sich dann erst bei größeren Mengen ein. Ob wir etwas gegessen haben oder nicht, beeinflusst ebenfalls, wie schnell wir den Alkoholeinfluss merken. Wird auf leeren Magen getrunken, gelangt der Alkohol schneller ins Blut. Essen im Magen bremst die Aufnahme. Wer außerdem zwischendurch nicht alkoholische Getränke trinkt, verlangsamt die Auswirkungen ebenfalls.

Wie baut der Körper Alkohol ab?

Teilweise schwitzen oder atmen wir Alkohol aus. Der größte Teil mit etwa 90 bis 98 Prozent wird jedoch von der Leber abgebaut, heißt es bei der „Kenn dein Limit“-Kampagne der BZgA. Dabei hilft das Enzym Alkoholdehydro­genase (ADH). Es wandelt ihn in Acetaldehyd um. Doch auch das ist Gift für den Körper und sorgt unter anderem für den späteren Kater. Daher wird Acetaldehyd noch einmal von einem weiteren Enzym, der Aldehyd­dehydro­genase (ALDH), umgewandelt – in Essigsäure. Da nicht jeder Mensch das Enzym ALDH im selben Maße hat, kann der Kater am nächsten Tag bei einigen stärker ausgeprägt sein als bei anderen, informiert Drugcom weiter. Im letzten Schritt wird die Essigsäure von weiteren Enzymen in Kohlenstoffdioxid und Wasser umgewandelt. Das wird dann schließlich ausgeschieden.

Wie lange dieser Prozess dauert, lässt sich nicht pauschal sagen. Das kann von Alter, Gewicht oder auch der Alkoholmenge abhängen. Zwar lassen sich die Beschwerden am nächsten Tag mildern. Doch die Zeit, die der Körper für den Abbau braucht, lässt sich nicht beschleunigen. Grundsätzlich baut der weibliche Körper 0,1 und der männliche 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde ab. Demnach braucht eine Frau drei Stunden und ein Mann nur ein bis zwei Stunden, um ein kleines Bier abzubauen.

Wie schadet Alkohol dem Gehirn?

Häufig heißt es, dass ein Rausch Tausende Gehirnzellen abtöte. Einige sagen, es handele sich dabei nur um einen Mythos. Doch etwas ist dennoch an der Aussage dran: Ein hoher Alkoholspiegel im Blut ist durchaus toxisch für das Gehirn und führt zu einem Absterben von Gehirnzellen, sagt Gereon Nelles, Facharzt für Neurologie und Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN). „Aber ohne dass es funktionell in Erscheinung tritt.“ Denn das Gehirn besitzt Milliarden Gehirnzellen, von denen ein großer Teil nicht genutzt werde.

Ein einmaliger Rausch – davon spricht man ab etwa einem Promille – „fällt daher in der Regel nicht spürbar ins Gewicht“ und es kommt zu keiner direkten Hirnschädigung. Selbst wenn einfachste Funktionen wie Bewegung und Sprache im Rausch beeinträchtigt werden: Nach dem Abbau des Alkohols kehrt der Körper zu seiner vorherigen Leistung zurück. Moderates und gelegentliches Trinken unterhalb der empfohlenen Tageshöchstmenge sei für das Gehirn ohnehin unbedenklich, sagt der Neurologe.

Dauerhafter und häufiger Alkoholkonsum schadet dem Hirn hingegen gravierend – auf direkte und indirekte Weise. Menschen, die Alkohol im Übermaß trinken, also vor allem Alkoholikerinnen und Alkoholiker, schädigen besonders empfindliche Zellen im Schläfenlappen und Kleinhirn. Sie haben zudem häufig einen Mangel an für die Nervenzellen wichtigen Vitaminen wie Vitamin B. „Das führt dann schließlich zu dem, was wir als Hirnerkrankung bezeichnen, also zu einer Enzephalopathie“, sagt Nelles. Diese kann sich ganz unterschiedlich zeigen – von Konzentrations- und Gedächtnis­problemen bis hin zur Veränderung der Persönlichkeit.

Veränderungen durch starken Alkoholkonsum können sich bereits in jungen Jahren zeigen. Denn das Gehirn ist vermutlich erst im Alter von mehr als 20 Jahren ausgereift. So verglichen US-Forschende in einer Studie die Gehirne von 16- bis 19-Jährigen. Ein Teil von ihnen hatte schon mehrfach einen Alkoholrausch erlebt, der andere Teil noch nie Alkohol getrunken. Das Ergebnis: Rauschtrinken könnte die weiße Substanz beeinträchtigen. Diese ist für das Weiterleiten von Reizen zuständig.

Wie schadet Alkohol der Leber?

Neben dem Hirn schadet Alkohol vor allem der Leber. Denn dort wird der Alkohol erst mal in das giftige Acetaldehyd umgewandelt, das die Leberzellen schädigen kann, heißt es von der Deutschen Leberstiftung. Die Leber lagert als Reaktion Fett ein und schwillt dadurch an. Es entsteht die sogenannte alkoholische Fettleber. Wer dann aufhört zu trinken, kann den Zustand rückgängig machen und die Leber kann ausheilen. Wer jedoch weiter trinkt, riskiert eine Entzündung der Leber. Bei fortwährendem Trinken vernarbt die Leber bis hin zur Leberzirrhose. Sie ist nicht heilbar und die Haupttodesursache in Zusammenhang mit Alkohol. „Die Prognose einer fortgeschrittenen alkoholischen Leberzirrhose ist mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von circa 35 Prozent schlecht und vergleichbar mit der vieler Krebserkrankungen“, schreibt die Deutsche Leberstiftung dazu.

Ab wann riskiere ich Leberschädigungen? Laut der Stiftung liegt der Schwellenwert bei Männern bei etwa 20 Gramm Alkohol pro Tag, also etwa ein bis zwei Bier. Bei Frauen sind es nur etwa zehn Gramm Alkohol täglich, das entspricht etwa einem Glas Wein. In vielen Fällen verlaufe eine Leberzirrhose lange Zeit ohne Symptome, lässt sich also erst durch einen Ultraschall oder ein Blutbild entdecken.

Wie schadet Alkohol dem Rest des Körpers?

Da Alkohol durch die Blutbahnen und somit durch den ganzen Körper fließt, kann er auf Dauer auch dem Rest des Körpers Schäden zufügen. Laut Angaben der „Kenn dein Limit“-Kampagne der BZgA kann es zu Herzmuskel­erkrankungen sowie Bluthochdruck kommen. Auch verschiedene Krebserkrankungen werden mit Alkoholkonsum in Verbindung gebracht, beispielsweise in der Leber oder Speiseröhre. Außerdem kann starker und häufiger Alkoholkonsum Übergewicht sowie Impotenz begünstigen, heißt es weiter.

Doch nicht nur physische, sondern auch eine Reihe von psychischen Störungen und Erkrankungen können die Folge von übermäßigem Alkoholkonsum sein, wie das US-Gesundheitsportal Healthline schreibt. Neben den bereits genannten Konzentrations- und Gedächtnis­problemen sowie Persönlichkeits­veränderungen kann Alkohol auch zu Stimmungs­schwankungen, Ängsten, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit oder auch zur Veränderung von Appetit sowie Libido führen.

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter.

Von Melina Runde/RND